Amt Neuhaus : „Schandfleck“ unter dem Hammer

Müll, Schutt und einstürzende Decken: Das Innenleben der Stallanlage auf der Gülze
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Müll, Schutt und einstürzende Decken: Das Innenleben der Stallanlage auf der Gülze

Stallanlage auf der Gülze ist zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Gutachten schätzt den Verkehrswert auf 59 400 Euro

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12. Januar 2018, 12:00 Uhr

Das Foto eines idyllischen Fachwerkhauses wirbt für die „Zwangsversteigerung Grundstück in Neuhaus, 22 858 m²“ auf dem Immobilienportal des weltweit größten Internetauktionshauses. Die Anzeige mit dem irreführenden Foto wurde vom laut eigener Darstellung führenden Fachverlag für Immobilien aufgegeben. Liest man den Begleittext, wird schnell klar, dass es sich nicht um ein günstiges Baugrundstück für das perfekte Einfamilienhaus handelt, sondern um die Stallanlage auf der Gülze in ihrem verwahrlosten Zustand mit all ihren Altlasten, maroden Gebäuden und Brandruinen.

„Der Eigentümer hat Schulden, deshalb wurde von den Gläubigern das Verfahren der Zwangsversteigerung eingeleitet“, erklärt Eckardt Fröhling, Rechtspfleger beim Amtsgericht Lüneburg, das für die Abwicklung des Verfahrens zuständig ist. Am 13. Februar 2018 ist der erste Termin zur Zwangsversteigerung festgesetzt. Das Gericht hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches im Sommer 2017 erstellt wurde und auf 69 Seiten den zustand der Anlage dokumentiert. „Auf dem Bewertungsgrundstück wird augenscheinlich ein Gewerbe ausgeübt. In wie weit in den Gebäuden noch eine Tierhaltung vorhanden ist, konnte am Tag der Besichtigung von außen nicht festgestellt werden.“

Die Tatsache, dass nur von außen besichtigt wurde, erstaunt etwas, da es schon lange keine Tore mehr gibt. Außerdem stehen alle Hallen offen. Das wahre Ausmaß der Schäden und Verunreinigungen wird jedenfalls erst beim Blick in die Hallen deutlich: überall Müll, Schutt, einstürzende Decken und Wände. „In dieser Halle lagert ein riesiger Berg an Chemikalien und Düngemitteln, einfach so und völlig ungesichert“, zeigt Anwohner Ernst Biederstedt auf einen großen Haufen Plastikflaschen und Fässer mit Gefahrgutzeichen. „Der Zustand wird immer schlimmer, das ist wie ein Pulverfass“. Dass sich die Kosten laut Gerichtsgutachten für eine Sanierung und Beseitigung der Altlasten „nur“ auf 80 000 Euro belaufen, verwundert Ernst Biederstedt: „Auf dem ganzen Gelände wurde Asbest in Kuhlen und Güllekanäle verfüllt, alle Hallen sind voll mit giftigem Mist. Der Gutachter hätte wohl besser mit jemandem umhergehen müssen, der sich auskennt.“

Dieser stützt sich dabei auf die Analyse des Landkreises, weitere Untersuchungen wurden vom Gutachter, der sich vor allem auf die Schätzung der Gebäudewerte konzentriert, nicht vorgenommen.

Als Ergebnis der Bewertung steht nun ein Verkehrswert der Anlage von 59 400 Euro fest. „Beim ersten Termin müssen mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes geboten werden, sonst darf ich keinen Zuschlag erteilen“, erläutert Fröhling vom Amtsgericht weiter. Erst bei einem zweiten Termin könne unter diesem Wert geboten werden. Wer bei der Versteigerung mitbieten werde, darauf habe man bei Gericht keinen Einfluss, betont er.

„Ich habe die Befürchtung, dass es durch die Versteigerung nicht besser werden wird“, meint Ernst Biederstedt, „Wer möchte ein solches Gelände kaufen und sanieren? Durch die Zwangsversteigerung bei Gericht hätte ich mir gewünscht, dass nun durch die öffentliche Hand genauer geprüft wird, was hier alles lagert und saniert werden muss. Aber das ist wohl nicht der Fall. Jetzt kann wieder irgendjemand das Gelände erwerben und sich nicht drum kümmern. Das Problem wird dann immer so weitergehen.“

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