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Hagenower Kreisblatt

19. November 2017 | 08:10 Uhr

Zarrentin : Schandfleck im Schutzgebiet

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ursula Gröttrup entdeckt Reste einer riesigen Müllhalde im Biosphärenreservat. Illegale Entsorgung in der Natur kein Einzelfall

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Waschmaschinen, Herde, Eimer, alte Flaschen – auf diese Reste einer riesigen Müllhalde stieß Ursula Gröttrup bei einem Spaziergang durch das Biosphärenreservat auf dem Weg zur Halbinsel Hörsten am Schaalsee. „Es liegt überall verstreut wie die Spitzen eines Eisbergs unter Moos und Brombeergestrüpp umher“, beschreibt sie den Schandfleck inmitten der Natur. Hinzu komme ein bestialischer Gestank, der aus einer Betongrube stamme. Die Grube, halb von Moos und Gestrüpp bedeckt, erweise sich als üble Falle, da sie nicht abgedeckt und gesichert sei. „In ihr liegen aufgeblähte Kadaver von Tieren.“

Die Müllhalde entdeckte Ursula Gröttrup nahe der ausgewiesenen „Kernzone“ des Biosphärenreservates Schaalsee-Elbe – ein gekennzeichnetes Gebiet, in dem sich die Natur vom Menschen möglichst unbeeinflusst entwickeln soll. Das Betreten und Befahren der Kernzone – auch auf den Wegen – ist nicht gestattet. „Verwundert reibt sich der Wanderer da die Augen, denn der Weg in der Kernzone weist zudem tiefe Traktorspuren auf. Hier eine Kernzone?“, fragt sich Ursula Gröttrup bei diesem Bild.

Nachfragen beim Biosphärenreservatsamt ergaben, dass illegale Müllhalden im geschützten Gebiet keine Seltenheit seien. „Vor einigen Jahren haben wir dieses und andere Flurstücke vom Bund übernommen. Auf vielen dieser Flurstücke befinden sich Müllablagerungen oder Bauwerke aus Zeiten vor der Wende“, erzählt Ulrike Müller vom Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe. Der Gestank der Grube komme wohl von einer alten Klärgrube, die sich an dieser Stelle befunden habe. In anderen Naturschutzgebieten wurden in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Klärgruben zurückgebaut beziehungsweise verfüllt. Stück für Stück werden im Rahmen des Flächenmonitorings die Gebiete des Reservates untersucht. „Es konnten allerdings noch nicht alle Flurstücke kontrolliert und vom Müll befreit werden.“

Auch beim Landkreis Ludwigslust-Parchim ist das Problem der illegalen Müllhalden bestens bekannt. 132 illegale Ablagerungen verzeichnete der Landkreis im vergangenen Jahr, 2014 waren es sogar 185 Schandflecke, die entdeckt wurden. „Wir haben überall dort das Problem, wo Leute auf unbefahrenen Wegen ihren Müll illegal entsorgen können“, erzählt Gangolf Hergert von der unteren Abfallbehörde des Fachdienstes Natur und Umwelt. Die Täter bleiben in den meisten Fällen unentdeckt. Ab und zu werden Anhaltspunkte im Müll gefunden, „aber das führt häufig zu nichts.“

Die entdeckte Müllhalde bei Techin soll in Zusammenarbeit mit dem Landkreis nach der Brutzeit der Kraniche, voraussichtlich Ende August, beseitigt werden, heißt es vom Biosphärenreservatsamt. Die Grube werde nächste Woche vorerst provisorisch abgedeckt. „Nach der Brutzeit der Kraniche wird dafür dann eine dauerhafte Lösung geschaffen werden“, so Ulrike Müller weiter.

Das Kernzonenschild, über das sich Ursula Gröttrup auf ihrem Spaziergang so wunderte, war hingegen falsch aufgestellt worden. „Die Kernzone des Biosphärenreservates Schaalsee beginnt erst 500 Meter entfernt von dem Schild“, erklärt Ulrike Müller. Der Weg endet direkt an der Kernzone in einer Sackgasse, daher wurde das Schild weiter vorne aufgestellt. „Da dies nun zur Verunsicherung in der Bevölkerung führt, wird das Schild ausgetauscht.“

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