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Einwohner-Protest mit Erfolg : Schadeland kämpft für die Störche

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Landkreis genehmigte Fällung bisheriger Nest-Eiche auf Privatland. Nach Einwohner-Protest wird nun künstliche Nisthilfe aufgestellt

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 12:00 Uhr

„Den Störchen bei der Aufzucht ihrer Jungen zuzuschauen, war für uns eine helle Freude. Wir haben sogar eine Bank aufgestellt, um sie besser beobachten zu können“, erzählt Irmgard Köhnke, um im selben Atemzug ihrem Unmut Luft zu machen: „Wie konnte der Landkreis nur das Fällen der Eiche genehmigen, auf dem das Nest stand?“ Mit dieser Frage steht die Wahl-Schadeländerin, die vor 16 Jahren in das Dorf kam, nicht alleine da. Rund 50 Einwohner haben ihren Unmut in einer Unterschriftenliste zum Ausdruck gebracht.

Rückblick: Im Jahr 2013 machte die Natur den Einwohnern ein außergewöhnliches Geschenk. Ein Storchenpaar erkor sich im Juni die Eiche am Dorfrand als Heimstatt und begann sofort mit dem Nestbau. Mit Erfolg, ein Jahr später. Denn je drei Jungvögel wurden 2014 und 2015 erfolgreich flügge. Leider fegte im November des letzten Jahres ein November-Sturm den Horst vom Baum, ohne diesen zu beschädigen. Bürgermeister Marko Schilling nahm umgehend Kontakt mit dem Storchenbeauftragen der Region, Helmut Eggers aus Lübtheen, Kontakt auf.

„Wir haben vereinbart, den Horst so schnell wie möglich wieder auf die Eiche zu bringen. Mit Entsetzen mussten wir am 8. Januar 2016 feststellen, dass eine Firma den Baum gefällt hatte. Mit Genehmigung des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Damit wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt,“ erinnert sich der Dorfobere im SVZ-Gespräch.

„Wir hätten uns den Nest-Baum nicht wegnehmen lassen, wenn wir es rechtzeitig gewusst hätten“, betont Gisela Ribbeck. Sie bezeichnet die Fällung als klammheimliche Aktion. „Wir sind wirklich geschockt.“

Romina Behnisch, sie wurde von Helmut Eggers 2014 damit betraut, sich um das Wohl von Adebar zu kümmern, ist richtig sauer. „Die Zeit drängt. Wir rechnen jeden Tag mit der Heimkehr unserer Störche und erwarten, dass der Landkreis kurzfristig wie unbürokratisch Hilfe und Unterstützung zur Aufstellung einer Nisthilfe leistet“, fordert die 32-Jährige, die seit 2010 in dem 140-Seelenort zu Hause ist.

Man werde auch mithelfen, falls nötig, die neue Brutmöglichkeit mit aufzustellen und das Nest selbst zu flechten, bekräftigt Manuela Suck-Köhnke. „Es gibt etliche Privatleute, die bereit wären, ihr Land dafür zur Verfügung zu stellen. Der Landkreis muss sich jetzt nur rühren.“

Zu diesen zählt auch Familie Gabi und Hans-Heinrich Frank. Sie haben sich dieser Tage sofort bereit erklärt, die neue Bruthilfe auf ihrer kleinen Wiese, etwa 50 Meter Luftlinie vom alten Standort entfernt, von der Wemag aufstellen zu lassen.

Nachfragen unserer Redaktion beim Leiter des Fachdienstes Natur und Umweltschutz des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Jochen Krippenstapel, ergaben gestern, dass die Behörde die Kosten für das Aufstellen der Bruthilfe ohne Wenn und Aber übernehmen werde.

„Das freut alle hier im Ort sehr und wir sind überaus dankbar, dass nun zumindest die Möglichkeit geschaffen wird, dass unsere Störche wieder im Ort nisten und brüten können“, reagiert Schadelands Bürgermeister Marko Schilling auf diese Ankündigung.

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