Ärger in Kogel : Schaalmühlern stinkt’s gewaltig

In ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt, fühlen sich die Anwohner in Schaalmühle durch den tagelangen Gestank, den das Ausbringen von Gärresten auf den umliegenden Feldern verursacht.
In ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt, fühlen sich die Anwohner in Schaalmühle durch den tagelangen Gestank, den das Ausbringen von Gärresten auf den umliegenden Feldern verursacht.

Auf Acker ausgebrachte Gärreste sorgen für großen Unmut bei Anwohnern. Sie beklagen Kopfschmerzen, Brechreiz und Übelkeit

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06. Juni 2017, 05:00 Uhr

Von dem zunehmend schönen Wetter haben die etwa 30 Bewohner in Schaalmühle, ein Ortsteil von Kogel, derzeit so gut wie gar nichts. Auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen ausgebrachte Gärreste stinken ihnen gewaltig.

„Man kann nicht lüften, nicht draußen sitzen und keine Wäsche aufhängen. Der Gestank ist widerlich und sorgt für Kopfschmerzen, Brechreiz und Übelkeit“, beklagt Dirk Stefan. Dass dieser Gärschlamm nicht eingearbeitet werden müsse in den Boden, versteht der 54-Jährige nicht. „Es gibt leider kein Gesetz gegen Gestank. So sind wir dem machtlos ausgeliefert“, resümiert der gebürtige Schaalmühler frustriert. Das ganze Haus stinke mittlerweile, wirft seine Frau Iska ins Gespräch mit der Zeitung ein. „Das bekommt man seit Tagen einfach nicht mehr raus“, erzählt die 54-Jährige. Seit etwa zehn Jahren, von März bis Ende Juni, werde dieses Endprodukt als Kopfdünger ausgebracht, berichtet sie genervt weiter. „Doch so schlimm, wie im Moment war es schon lange nicht mehr. Man kommt sich schon selber vor, als würde man übel riechen, dieser Gestank kriecht überall hin.“ Ein bis zwei Tage seien hinnehmbar, schließlich wohne man ja auf dem Lande. Doch dieser Dauerbeschuss sei einfach nicht hinnehmbar. „Meine Augen brennen schon seit Tagen, ich habe furchtbare Kopfschmerzen. Wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist, kommt noch Brechreiz dazu, weil der Schlamm offensichtlich immer wieder aufs Neue gast.“

Gegen ein bisschen Landluft habe sie nichts, bestätigt Monika Bahn, die vor drei Jahren nach Schaalmühle gezogen sei. „Doch seit etwa zwei Jahren fällt mir diese intensive Geruchsbelästigung auch auf“, berichtet die 64-Jährige im SVZ-Gespräch. Man fühle sich dem Ganzen hilflos ausgeliefert, sagt sie bekümmert.

„Es ist ekelhaft. Lüften ist nicht möglich und spontan Freunde zum Grillen einladen, geht auch nicht. Die winken nur ab, weil sie von dem Gestank wissen“, weiß auch Bianca Kruse zu berichten. Die 37-Jährige lebt seit 12 Jahren in Schaalmühle. Ein ansonsten recht lebenswerter Ort mit tollen Nachbarn.

Für Mandy Timm birgt der tagelange Gestank noch andere Gefahren: „Ich habe Angst, dass meine berufliche Zukunft dadurch gefährdet wird. Wer bringt schon gern sein Kind an einen Ort, an dem es tagelang nur noch stinkt“, betont die 42-Jährige, die seit 1995 in Schaalmühle lebt und dort als freiberufliche Tagesmutter arbeitet. „Bei mir im Schlafzimmer ist es an heißen Tagen über 35 Grad Celsius warm. Wenn man dann nicht lüften kann, ist das furchtbar“, sagt die junge Frau und ermuntert alle Anwohner, sich ärztliche Atteste zu besorgen, um die gesundheitlichen Auswirkungen der Schlammschlacht zu dokumentieren.

Nachfragen beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg ergaben, dass man dort von dem Unmut der Anwohner wisse und sich bereits gekümmert habe.

„Ein Mitarbeiter war Freitag vor Pfingsten vor Ort, um abzuklären, ob vielleicht etwas schiefgelaufen ist. Die Einhaltung zeitlicher Vorgaben für das Ausbringen wurden ebenfalls geprüft. Jeder Landwirt hat nachzuweisen, was er auf sein Feld aufbringt. Es gibt jedenfalls nichts zu beanstanden“, erklärt Lothar Wolf als Abteilungsleiter für Landwirtschaft gegenüber unserer Redaktion. Er räume jedoch ein, dass der Geruch der Gärreste, die seines Wissens wohl aus der Biogasanlage in Kogel stammten, schon unangenehm sein könnten. „Doch gegen Gestank gibt es noch kein Gesetz.“

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