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Bison-Züchter Marcel Schulz aus Zühr : Sanfte Riesen mögen Streicheln nicht

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Marcel Schulz ist schon ganz aufgeregt: der 34-Jährige erwartet demnächst Nachwuchs für seine Bison-Farm. "Aus Wust bei Stendal sollen zwei Kuhkälbchen meine Herde vergrößern", berichtet der gebürtige Zührer.

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erstellt am 26.Jul.2013 | 05:07 Uhr

Zühr | Marcel Schulz ist schon ganz aufgeregt: der 34-Jährige erwartet demnächst Nachwuchs für seine Bison-Farm. "Aus Wust bei Stendal sollen zwei Kuhkälbchen meine Herde vergrößern", berichtet der gebürtige Zührer. Doch da sich die beiden Fersen noch im Überschwemmungsgebiet in der Nähe von Fischbeck aufhielten, würde ihre Anreise sich noch etwas verzögern. "Jetzt geht das Wasser am Wuster Damm langsam wieder zurück. Die Wiese ist zwar schon begehbar, aber noch nicht befahrbar. " Bereits zum Jahresanfang sei er mit zwei Bullenkälbern zu dem Züchter Thomas Majewski gefahren, um mit ihm Tiere zu tauschen.

"Doch mit der Fanganlage hat es einfach nicht geklappt. Im Sommer musste er dann seine 30 Bisons ganz schnell evakuieren, als das Elbehochwasser kam. Jetzt stehen seine Tiere in einem Wald-Wildgatter", berichtet der junge Mann, der zehn dieser majestätischen Tiere sein Eigen nennt.

Angefangen mit drei Kühen und einem Bullen

Angefangen habe er er 2010 mit drei Kühen und einem Bullen. "Der Austausch dient dazu, der Inzucht vorzubeugen. Ich versuche nämlich weitgehend, die Blutlinien voneinander zu trennen." Dazu habe er sich auch im letzten Jahr aus Grimma zwei Kühe geholt, die ab 2014 erstmals Kälbchen werfen sollen.

"2015 oder 2016 sollen dann die ersten Bisons vermarktet werden. Ich denke dann vielleicht auch schon über Fleischverkauf nach. Hauptziel soll es aber sein, die Herde weiter aufzubauen, um in erster Linie Zuchttiere zu verkaufen", wirft Schulz vorsichtig einen Blick in die Zukunft. 25 Mutterkühe und zwei Zuchtbullen seien sein Plan, denn mit dieser Anzahl habe er genügend Jungtiere laufen. Ein Problem sei die geringere Variabilität im Erbgut. Da sie nur von wenigen Vorfahren abstammten, sei ihr Genpool begrenzt. Die Tiere seien daher leider nicht so resistent gegen Krankheiten. "Die Schlachtreife erlangen Bisons ohnehin erst nach drei Jahren. Ein Bulle bringt dann um die 1000 Kilo, eine Kuh etwa 600 Kilo auf die Waage", erklärt der Züchter, der seine Bisons auch mitunter schon mal aus der Hand füttern könne. "Ansonsten halten sie Distanz, Berührungskontakt meiden sie, Streicheln mögen sie gar nicht. Wenn kein Bulle dabei ist, komme ich bis auf drei oder vier Meter an die Kühe heran. Dabei muss man sie aber immer sorgfältig im Auge behalten und die Stellung von Schwanz und Quaste ständig beobachten. Stehen sie hoch, sind sie aufgeregt und könnten auch angreifen, wenn sie sich bedrängt fühlen. Ansonsten sind sie aber eher sanfte Riesen", führt Marcel Schulz aus. Raus kämen die Bisons nicht, ein 1,80 Meter hoher Spanndrahtzaun an mächtigen Betonpfeilern befestigt, verhindere dies. "Das machen die Amerikaner übrigens auch so, die haben sechs Spanndrähte pro Zaun, ich nehme sogar acht." Seine zottligen Wildtiere seien im Übrigen ganzjährig im Freien. Einen Unterstand nähmen sie nicht an. "Ich habe für nächstes Jahr einen größeren, nach drei Seiten offenen Futterstand mit Überdachung geplant. Das hat sich bei anderen Züchtern auch schon bewährt. Obwohl man jahrelang davon ausgegangen war, dass Bisons gar nichts annähmen. Im Winter rücken die Tiere immer dicht zusammen, um sich zu wärmen", erzählt Marcel Schulz, den besonders die ausgeprägte Bindung zwischen Mutterkuh und Kalb beeindrucke. Die halte über Jahre, auch wenn der Nachwuchs selbst schon ausgewachsen sei. "Es sind einfach faszinierende wie urwüchsige Tiere. Sie zu züchten, sich mit ihrer Lebensweise zu befassen, bereitet mir sehr viel Freude", gesteht der Zührer, während er versonnen auf seine kleine Herde blickt. Inmitten der mecklenburgischen Prärie.

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