Boizenburg : Russisches Erdgas für Boizenburg

Geschäftsführer, Aufsichtsratsvorsitzender und Stellvertreter begutachen stolz den Gasdruckregelraum  Fotos: Katja Frick
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Geschäftsführer, Aufsichtsratsvorsitzender und Stellvertreter begutachen stolz den Gasdruckregelraum Fotos: Katja Frick

Eigener Anschluss an die Nordeuropäische Erdgasleitung für die Versorgungsbetriebe Elbe

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24. März 2015, 17:04 Uhr

Da haben die Versorgungsbetriebe Elbe einen Coup von Weltklasse gelandet. Am Montag nahm das Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Boizenburg und der Stadtbetriebe Lauenburg offiziell den eigenen Anschluss an die Nordeuropäische Erdgasleitung NEL in Betrieb.

Damit sind die Versorgungsbetriebe die einzigen Stadtwerke entlang der gesamten 440 Kilometer langen Trasse von Lubmin bei Greifswald bis Rehden in Niedersachsen mit einem eigenen Anschluss.

„Wir müssen den Betreibern nicht nur das Erdgas bezahlen, sondern auch teure Netzentgelte“, erklärte Joachim Schöttler, der Geschäftsführer der Versorgungsbetriebe Elbe.

„Durch den eigenen Anschluss an die große Trasse sparen wir 400  000 Euro Leitungskosten jährlich. Das haben wir an unsere Kunden weiter gegeben.“

Ab dem 1. April müssen die Kunden in der Region Boizenburg/Lauenburg 0,2 Cent pro Kilowattstunde weniger zahlen. Das bedeutet für einen Vierpersonenhaushalt durchschnittlich 40 Euro Ersparnis im Jahr. Für große Unternehmen, die auch schon mal 20 Millionen Kilowattstunden pro Jahr abnehmen, ist die Einsparung noch viel größer. „Das ist auch ein Standortvorteil für die Region“, meint Schöttler.

Möglich wurde der Anschluss, weil Joachim Schöttler und sein Team schon 2010 während der Planungen für die NEL recherchierten, dass die Trasse ihr Versorgungsnetz und die Elbe bei Boizenburg queren würde. Bei Flussunterquerungen entsteht Kondenswasser in der Leitung, das schlecht für die Strömung des Erdgases ist. Deshalb werden an solchen Stellen zwei Öffnungen an der Leitung geschaffen, durch die in regelmäßigen zeitlichen Abständen ein riesiger Lappen geschoben wird, der sogenannte „Molch“. Dieser saugt das Kondenswasser auf.

„Diese Öffnung war unsere Chance. Durch den hohen Druck von 100 Bar in der Erdgastrasse kann man nicht einfach irgendwo einen Anschluss einrichten sondern eben nur an solchen Stellen“, erläuterte Joachim Schöttler. „Ich habe an die Betreiber eine Anfrage gestellt und vierzehn Tage später hatten wir die Zusage.“

4,5 Millionen Euro hat die für die Entnahme des Erdgases notwendige Anlage bei Horst gekostet. In der Hightech-Anlage wird der Druck des Erdgases von 100 Bar herunter geregelt auf 16 Bar, beim Endverbraucher kommen letztendlich nur 23 Millibar an. Für diesen Prozess muss das Gas von 5,5 Grad Celsius auf 36 Grad erwärmt werden. Deshalb gehört zu der Anlage auch ein kleines Blockheizkraftwerk.

Denn im Zuge des Projektes musste zwischen Boizenburg und Lauenburg eine neue Leitung verlegt werden.

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