Boizenburg : Rundgang mit einer Göttin

Einer der jüngsten und anspruchsvollsten Bauten auf dem Boizenburger Friedhof: Alexander Jordt an der Grabkapelle der Eheleute Gluud. Sie entstand 1934. Der Schöpfer des Entwurfs war der Architekt und Baumeister Hermann Konow (1871-1937) aus Boizenburg.
Einer der jüngsten und anspruchsvollsten Bauten auf dem Boizenburger Friedhof: Alexander Jordt an der Grabkapelle der Eheleute Gluud. Sie entstand 1934. Der Schöpfer des Entwurfs war der Architekt und Baumeister Hermann Konow (1871-1937) aus Boizenburg.

Kulturwissenschaftlerin Dr. Anja Kretschmer erzählt beim dritten Friedhofsgeflüster in Boizenburg als „Hekate“ Sagenhaftes aus der Zwischenwelt

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18. September 2019, 05:00 Uhr

Schaurig schön, mystisch, hier und da überraschend und göttlich. So umschreibt Alexander Jordt eine besondere Veranstaltung, für die bereits alle Vorbereitungen laufen. Es soll alles möglichst perfekt sein. Schließlich hat eine nicht alltägliche Besucherin ihr Kommen angekündigt.

Spezielle Gäste gab es schon, erinnert Alexander Jordt an die Besuche der schwarzen Witwe. In diese Rolle schlüpfte Dr. Anja Kretschmer im Herbst 2017 und 2018, um bei ihrem ersten und zweiten Friedhofsgeflüster ihrem Publikum über spezielle, jahrhundertealte Bräuche rund um den Umgang mit dem Tod und den endgültigen Abschied von geliebten Menschen zu erzählen. Diese Erlebnisführungen der besonderen Art über den Friedhof hielten, was sie versprachen, sagt Alexander Jordt. Immer wieder hörte der Mitarbeiter der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, dass die Zuhörer begeistert waren. Das dritte Friedhofsgeflüster wird noch spannender, irgendwie lebhafter durchaus und unterhaltsamer, sagt er. Eine Göttin beehrt die Elbestadt. Anja Kretschmer, die promovierte Kulturwissenschaftlerin aus Bad Doberan, berichtet als Hekate über Sagenhaftes aus der Zwischenwelt.

Und da kennt sich Hekate bestens aus. Diese Göttin ist aus einem kleinen asiatischen Kult im achten oder siebten Jahrhundert vor Christus in die griechische Mythologie aufgenommen worden. Die ältesten Darstellungen zeigen sie in Kleinasien thronend von Löwen umgeben, danach wird sie jung und Fackel tragend dargestellt. Um sie ranken sich zahlreiche Geheimnisse und Mythen, denn sie gilt als eine schwer fassbare Göttin der häuslichen Sphäre und Übergänge. In der griechischen Antike wurde sie zur Göttin der Hexerei und Magie. Ihren Kult pflegten ihre Anhänger eher im Verborgenen. Als Beherrscherin der Zauberei konnte sie den Zugang zur Unterwelt öffnen, den Kontakt mit Geistern und Toten ermöglichen und als Orakelgottheit die Zukunft offenbaren.

Jede Menge Stoff also für etwa eineinhalb Stunden. So lange dauert diese Erlebnisführung, bei der Hekate übrigens nicht allein zu erleben sein wird. Dr. Kretschmer reist mit Darstellern der ersten Bürgerbühne des Rostocker Volkstheaters an. So sind an der Seite von Hekate Wassergeister, Feuertänzer und Grabwandler, die wie aus heiterem Himmel im Schatten der Dunkelheit während des Rundgangs neben den Kreaturen aus der Zwischenwelt vor den Besuchern auftauchen können.

Mehr möchte Alexander Jordt noch nicht verraten. Wie er betont, sei aus organisatorischen Gründen eine Voranmeldung unbedingt erforderlich. Möglich ist diese für Interessierte per E-Mail unter der Adresse: FriedhofBoizenburg@t-online.de oder unter der Telefonnummer 038847/52301 (am besten immer werktags zwischen 9 und 9.30 Uhr).

Der dritte Teil des Friedhofsgeflüsters findet am Sonnabend, dem 26. Oktober, statt. Der Treffpunkt ist an der Trauerhalle am Lauenburger Postweg. Von hier aus startet dann um 20 Uhr der göttliche Rundgang der besonderen Art.

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