A 24: Grünbrücke für 5,1 Millionen Euro : Ruhige Waldlichtung mitten auf der Autobahn

Noch ist die Grünbrücke im Rohbau, in wenigen Wochen sollen hier die Wildtiere des Segrahner Forstes problemlos die Autobahn A 24 kreuzen können. Foto: Pohle
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Noch ist die Grünbrücke im Rohbau, in wenigen Wochen sollen hier die Wildtiere des Segrahner Forstes problemlos die Autobahn A 24 kreuzen können. Foto: Pohle

In diesen Wochen wird die imposante Brücke über die A 24 im Segrahner Forst, deren Bau rund 5,1 Millionen Euro gekostet hat, fertig. Und nicht nur Autofahrer fragen sich, wofür dieser Aufwand eigentlich betrieben wird.

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19. Juni 2012, 06:42 Uhr

Gudow/Zarrentin | Tausende Autofahrer sehen das gewaltige Bauwerk im Schatten der alten Grenze jeden Tag. In diesen Wochen wird die imposante Brücke, deren Bau 5,1 Millionen Euro gekostet hat, nun fertig. Und nicht nur Autofahrer fragen sich, wofür dieser Aufwand eigentlich betrieben wird.

"Wenn der Hirsch hier ankommt, dann darf er nur eine ganz normale Waldlichtung sehen, sonst geht er nicht rüber", beschreibt Axel Striepling vom Lübecker Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr das große Ziel der seit Monaten dauernden Aktion. Die Grünbrücke über die A 24, das Wort Wildbrücke hört offiziell niemand gern, soll die Verbindung zwischen den Lebensräumen links und rechts der Autobahn wiederherstellen und so die drohende Inzucht z. B. beim Rotwild verhindern. Dass das funktionieren wird, davon gehen die am Bau beteiligten Leute fest aus. Denn kaum ein Bauvorhaben ist gründlicher vorbereitet worden als diese Grünbrücke.

Das Bauwerk hatte an gleicher Stelle ja schon einen Vorgänger. Doch die schmale acht Meter breite Wildbrücke hat einfach nicht funktioniert und wurde 2007 abgerissen. Erst 2009 wurde dann der Startschuss für den Neubau gegeben. Die Zeit dazwischen, so erzählt Jens Sommerburg, als Leiter der Lübecker Behörde für das Geschehen auf der A 24 in Schleswig-Holstein zuständig, sei intensiv für Untersuchungen genutzt worden. Ergebnis: Eine Grünbrücke muss wieder her. Geregelt wird das durch ein "Merkblatt zur Anlage von Querungshilfen für Tiere und zur Vernetzung von Lebensräumen". Herausgekommen ist eine Drei-Felder-Brücke, die über der Autobahn eine Querungsfläche von gut 2400 Quadratmetern bietet. Trichterartig sollen die Tiere über dichte Wildzäune zur Brücke geführt werden. Auf dem Bauwerk sorgen bis zu 2,50 Meter hohe Sichtblenden aus so genannten Gabionen-Wänden dafür, dass kein Waldtier vom Fernlicht eines Autofahrers irritiert werden kann. Denn das Wild, und hier sind alle Tiere gemeint, soll wechseln. Dafür wird die Brückenoberfläche in eine Waldlichtung mit Originalboden und niedrig wachsenden Pflanzen verwandelt. Immerhin liegen dann gut 3500 Tonnen Erde auf der Brücke, die Last kann bei Regen schnell deutlich höher werden. Hauptgrund für die massive Auslegung der Konstruktion mit ihren Stahlträgern. Das abfließende Wasser wird aufgefangen und in extra angelegte Suhlen für die Wildschweine geleitet.

Um die letzten Zweifler zu beruhigen, werden nach Fertigstellung auf jeder Seite Kameras installiert, die über Lichtschranken aktiviert werden sollen, sobald sich ein Tier auf die Brücke wagt. So will man genau wissen, welche Tiere wirklich die Brücke genutzt haben.

Dass das passieren wird, daran hat Jens Sommerburg keinen Zweifel. Schließlich lägen von anderen Brücken, die schon länger in Schleswig-Holstein stünden, entsprechende Erfahrungswerte vor.

Ende des Monats sollen die Arbeiten soweit fertig gestellt sein, dass die Einschränkungen an der Baustelle für die Brücke wohl aufgehoben werden können. Für die Autofahrer dennoch keine Erleichterung, weil unmittelbar danach die nächsten Sanierungsarbeiten auf der kaputten A 24 starten müssen.

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