zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

12. Dezember 2017 | 13:18 Uhr

Hagenow : Röst-Geruch stinkt Anwohnern

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Im Café Sophie wird seit knapp zwei Jahren Kaffee im alten Hagenower Ratskeller geröstet – das gefällt nicht jedem, ist aber rechtens

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 08:54 Uhr

Jutta Dreyer stinkt es. Zwei, drei, vier Mal in der Woche. Dann kann sie weder draußen auf der Terrasse sitzen, noch die Fenster öffnen. Sie wohnt in der Nähe des Hagenower Cafés Sophie, in dem das Lebenshilfewerk seit knapp zwei Jahren Kaffee röstet. Das Problem: der Geruch von gerösteten Bohnen, der sich regelmäßig über dem Rathausplatz ausbreite. „Wissen Sie, wie das stinkt?“, fragt sie am Heißen Draht unserer Zeitung. Andere Anwohner stimmen ein: „Es stört sehr“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte. Es sei zwar nur zeitweise, aber dann könne man nicht lüften.

Nichts zu beanstanden, heißt es dagegen auf Nachfrage beim zuständigen Umweltamt des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Der hatte damals den Bauantrag genehmigt. Emissionen waren kein Thema. „Das ist keine genehmigungspflichtige Anlage“, erklärt Fachdienstleiter Jochen Krippenstapel. Erst wenn 300 Tonnen oder mehr pro Tag geröstet werden, schreibt das Bundesimissionsschutzgesetz eine Genehmigung der Behörde vor. Im Café Sophie sind es knapp sechs Tonnen pro Jahr.

Dennoch nimmt das Amt die Beschwerde ernst und schaut sich gestern die Lage vor Ort nochmal genauer an. Der Ladenröster läuft. Die zwei Mitarbeiterinnen des Umweltamtes riechen nichts, als sie auf dem Rathausplatz stehen. Und auch der Blick in die Unterlagen zeigt ihnen: Alles eingehalten von Seiten der Feuerstättenverordnung. Der Schornsteinfeger ist gerade erst wieder vor Ort gewesen und bescheinigt, dass das Lebenshilfewerk die Anlage führen darf. Gleichzeitig hat der Fachmann bestätigt, dass es keine andere Lösung für den Schornstein gibt, erklärt Teamleiter Karsten Thiel. Dieser sei schon der höchste in der Häuserreihe und aus Denkmalschutzgründen nicht noch weiter zu verlängern. Das Rohr dürfe nicht über die Schornsteinmauern ragen.

Und am Geruch beim Röstvorgang selbst können die Mitarbeiter des Cafés auch nichts ändern. Dieser sei sehr intensiv, sagt auch Karsten Thiel. Er entsteht beim „First Crack“, der Zeitpunkt beim Brennen, an dem die Hülle der Bohne zerbricht. Eine Phase von vier bis fünf Minuten, während der gesamte Röstvorgang bis zu 15 Minuten dauert. „Das ist ein ähnlicher Prozess wie beim Backen oder Grillen“, erklärt der Teamleiter. Rösttage sind am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag, ganz selten auch mal zu Showzwecken an Sonntagen. Manchmal werde aber auch gar nicht geröstet, so Karsten Thiel. Je nach Bedarf.

Sigrid Groll gehört zu den Anwohnern, die der Geruch nicht stört. „Wir haben nichts zu bemängeln.“ Es sei ja immer nur kurz und dann auch wieder weg. Sie empfindet das Café eher als Bereicherung. „Sie sollten dort mal einen Kaffee trinken gehen“, schlägt sie ihren Nachbarn vor.

Karsten Thiel hätte sich gewünscht, dass die Anwohner die Café-Mitarbeiter auf Probleme ansprechen. „Wir sind nicht umsonst eine offene Rösterei.“ Das habe sie getan, so Jutta Dreyer. Aber vielleicht könne man sich ja noch einigen, sagt Karsten Thiel – indem zum Beispiel morgens etwas später mit dem Rösten begonnen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen