Hagenow : Rögnitz-Pläne endlich im Fluss

Auch Kleinbauer Holger Möller musste 2017 mit großen Einbußen durch überflutetes Land leben.
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Auch Kleinbauer Holger Möller musste 2017 mit großen Einbußen durch überflutetes Land leben.

Nach Katastrophen-Jahr neue langfristige Ziele für Naturschützer und Bauern

svz.de von
03. Januar 2018, 05:00 Uhr

In die Pläne zur Bewirtschaftung der Rögnitz scheint endlich „Fluss“ zu kommen. Das zumindest lässt sich schlussfolgern, wenn man den Darstellungen von Nicole Gottschall Gehör schenkt. Die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Ludwigslust stellte gestern am Telefon für viele Bauern interessante Neuigkeiten vor. Denn im vergangenen Jahr waren etliche Landwirte, die ihre Flächen in der Nähe des Flusslaufes haben, in ihrer Arbeit von den Wassermassen quasi im Keim ertränkt worden. Viel zu viel Wasser konnte von der Rögnitz nicht mehr transportiert werden, umliegende Felder soffen ab.

Immer wieder hatten vor allem Kleinbauern ihr Leid geklagt und nicht nur vom Bauernverband Lösungen gefordert. Auch die Landesregierungen von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sollten helfen. Das geschah jetzt. Denn beide Länder einigten sich darauf, erste Maßnahmen gemeinsam zu finanzieren. „Es wird jetzt bis zum 15. Januar ein unterschriftsreifes Papier vorbereitet, das eine Echoauslotung des Gewässers vorsieht. Dann haben wir genaue Daten und können in alle Richtungen gezielt arbeiten“, sagt Gottschall.

Möglich geworden war das neue Szenario, weil Niedersachsen die Rögnitz neu bewertet hatte und den Fluss zu einem Gewässer vierter Ordnung aufgewertet hatte, das nun förderfähig ist. In MV hat der Fluss sogar erste Ordnung. Mit diesen Prioritäten wollen beide Länder nun der 22 Kilometer im Grenzbereich wieder Herr werden. „Das sind die kritischen Abschnitte. Hier sollen eben nicht nur wir Bauern profitieren, sondern auch die Naturschützer haben nach der Auslotung bessere Daten, um mit uns gezielt zusammenzuarbeiten. Ein Gewässer im ökologischen Gleichgewicht und wieder zu bewirtschaftende Flächen für Landwirte - das sind die langfristigen Ziele“, sagt Nicole Gottschall.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus hatte sich bereits Anfang Dezember bei der Übergabe der Fördermittel für die Kita in Bandenitz zu dem Thema geäußert. Er habe die Sanierung der Flussläufe auf seinen Tisch gezogen und sich mit seinem Kollegen in Niedersachsen in Verbindung gesetzt, um hier etwas in Gang zu setzen. Er gehe davon aus, dass nun auch nachhaltig etwas passieren werde.

In Niedersachsen hatte es zu dem Thema lange geheißen, die Rögnitz stehe auf der Prioritätenliste weit hinten. „Es sind dort erhebliche Maßnahmen nötig, so dass wir nicht mehr im Bereich Unterhaltung, sondern beim Gewässerausbau sind. Und das muss mit mehreren Millionen Euro finanziert werden. Dabei sind wir auf Fördermittel angewiesen“, erklärte Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg, noch Ende November. Landwirten gefiel diese Aussage gar nicht: Die Rögnitz hätte schon längst fertig sein können, meinen sie. Denn schon 2013 hatten der Landkreis Lüneburg und Mecklenburg-Vorpommern ein Gutachten zu dem Fluss erstellen lassen. Darin wurden Missstände aufgelistet und Maßnahmen-Empfehlungen gegeben. Passiert war jedoch bisher nichts.

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