Neuhaus : Rögnitz ökologisch verbessern

Tiefe, wassergefüllte Furchen in 2011 auf den Äckern an der Rögnitz.
Tiefe, wassergefüllte Furchen in 2011 auf den Äckern an der Rögnitz.

Landwirte sehen Pläne von Landkreis und Biosphäre sehr kritisch

svz.de von
06. Dezember 2013, 16:07 Uhr

Klaus Niederhoff aus Stapel kann nicht glauben, dass seine Flächen in der Stapeler Rens trocken bleiben, wenn die Vorschläge eines hydrologischen Gutachtens zur Verbesserung der Abflussverhältnisse in der Rögnitz umgesetzt werden. Die sehen nämlich vor, den Stapeler Renswald und die Zeetzer Renswiesen durch Deichschlitzung der natürlichen Auendynamik zu überlassen und damit zu vernässen. „Wenn die Zeetzer Rens vernässt, dann bleibt die Stapeler Rens doch nicht trocken.“

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises hatte Grundstücksbesitzer und Landwirte nach Dellien ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen, um die Ergebnisse des Gutachtens vorzustellen. Denn die Wasserstände in der Rögnitz sind über die Jahre angestiegen, angrenzende landwirtschaftliche Flächen vernässen, Landwirte erleben Ertragseinbußen. Die jetzigen Verhältnisse haben sich über die Jahre entwickelt. Das Land war seiner Unterhaltungspflicht nicht ausreichend nachgekommen, hatte aber trotzdem von Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband (NDUV) kräftig kassiert. Über die Jahre waren Verkrautung und die Auflandung der Sohle vorangeschritten, der Fluss mäanderte. Der NDUV konnte nicht so unterhalten, wie es für einen geregelten Abfluss notwendig gewesen wäre, denn das Gebiet ist mit mehreren europäischen Schutzrichtlinien überplant, soll heißen, der Naturschutz hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Das die Rögnitz sich um keine Ländergrenzen schert, macht es nicht einfacher.

Ziel ist es, den durchschnittlichen Wasserstand um 25 Zentimeter abzusenken. „Mit normalen Unterhaltungsmaßnahmen kriegen wir das nicht hin“, so Stephan Bartscht vom Landkreis. „Wir wollen beides verbessern, die Situation der Landwirte und die ökologische Situation der Rögnitz. Nur so kommt man in die Förderwürdigkeit. Bei einem normalen Ausbau würde es von der öffentlichen Hand keinen Cent geben.“

Das Gutachten schlägt vor, in einigen Abschnitten eine naturnahe Neuprofilierung zu schaffen, das heißt, das Gewässer soll vertieft werden, aber an einigen Stellen sollen Flachwasserbereiche entstehen und auch Anpflanzungen mit Erlen vorgenommen werden. Soweit so gut. Wofür Grundstücksbesitzer und Landwirte aber wenig Verständnis aufbringen, ist der Vorschlag für den mittleren Abschnitt, nämlich die Vernässung durch Deichschlitzung. Noch ist auch überhaupt nicht geklärt, ob der Vorschlag durchführbar ist, denn die Flächen müssten im Eigentum des Landes sein, oder die Grundstücksbesitzer müssten einverstanden sein, dass ihre Flächen nicht mehr in dem Maße nutzbar sind. „Das muss in einer weiteren Studie alles geklärt werden, die Pläne lassen sich nur durchführen, wenn keine Nachteile für Dritte entstehen“, so Ortrun Schwarzer von der Biosphärenreservatsverwaltung. „Die Hauptaufgabe wird es sein, an die Flächen zu kommen, die man dafür braucht“, ergänzte Stephan Bartscht.

„Das wird alles sehr lange dauern, fürchte ich“, warf Landwirt Jürgen Voss aus Laave ein. „Wir saufen aber jetzt ab und es muss jetzt was geschehen.“

Wie lange eine Umsetzung der Pläne dauern wird, ist ungewiss. Ganz sicher aber ist es, dass die Neustrukturierung der Rögnitz eine Menge Steuergeld kosten wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen