Boizenburg : Rewe: Pro und Contra in Zahlen

Expertin Katharina Staiger (4. v. l.) erläuterte das Einzelhandelsgutachten.
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Expertin Katharina Staiger (4. v. l.) erläuterte das Einzelhandelsgutachten.

Beim Bauausschuss wurde das lange erwartete Einzelhandelsgutachten zur geplanten Ansiedlung des Einkaufsmarktes vorgestellt

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23. März 2016, 21:00 Uhr

Die Stadt hat derzeit so einige Baustellen, daher war es nicht verwunderlich, dass die wichtigsten bei der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend Thema waren.

Gleich zu Beginn stellten Katharina Staiger und Irina Piatkowski von der „Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung“ (GMA)  das lange erwartete Einzelhandels-Gutachten vor, das die Stadt im Zusammenhang mit der geplanten Rewe-Ansiedlung in Auftrag gegeben hatte. 

Diesen Tagesordnungspunkt hörten sich auch die Mitgliedes Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Umwelt und Ordnung an.

Katharina Staigers Ausführungen boten für die Anwesenden offensichtlich so einige Neuigkeiten. Zunächst einmal, dass die Kaufkraftkennziffer, die sich aus den durchschnittlichen Einkommen der 10350 Einwohner  Boizenburgs errechnet, hier am höchsten im Landkreis und sogar im ganzen Land Mecklenburg-Vorpommern ist. Das habe damit zu tun, dass  viele  Berufstätige in den ehemaligen Westen pendeln, wo auch heute noch die Gehälter höher sind, so Staiger.

Dann machten Katharina Staiger und Irina Piatkowski  anhand der Erhebungen ihrer Firma deutlich, dass es jetzt schon  in Boizenburg ein Überangebot an Lebensmitte-Discountern gibt.

Man rechne mit einer ausreichenden Versorgung von ca. 5000 Einwohnern durch einen   Discounter. Da Boizenburg zusammen mit den Bewohnern des Umlands rund 20700 Bürger zu versorgen habe, sei mit fünf Discountern dieser Bereich bereits jetzt voll ausgereizt.

Mit den zwei Sky-Märkten gäbe es eigentlich  genügend Vollsortimenter, wie  auch der Rewe-Markt einer wäre. Allerdings sei der  Sky-Markt  auf der Siedlung  nach Einschätzung der GMA nicht mehr zeitgemäß.

„Die Ansiedlung von Rewe wird gegenüber den nicht zeitgemäßen, schwächeren Betrieben zu verstärktem Wettbewerb führen“, heißt es in dem Gutachten.

Die beunruhigendsten Zahlen waren aber wohl die zum Umsatz. Der Rewe-Markt könne einen Umsatz von sechs  Millionen Euro erwarten,  wovon 5,2 Millionen auf den Lebensmittelbereich und 800000 Euro auf den Nonfood-Bereich entfallen würden, heißt es in dem Gutachten.

Für die sogenannten Umsatzumlenkungen, also welche Anbieter durch die Ansiedlung des Rewe-Marktes mit weniger Umsatz rechnen müssten,  hatte die GMA zwei Varianten erstellt.

Im schlechtesten Fall müssten die Anbieter in der Innenstadt 800000 Euro Umsatzeinbußen hinnehmen, Anbieter im Boize-Center ebenfalls 800000 Euro. Als „sonstige Anbieter in Boizenburg/Elbe“ in dem Gutachten zusammengefasste Betriebe müssten sogar 3,3 Millionen Euro ihres Umsatzes abgeben, Anbieter im Nahbereich - also im Umland - 400000 Euro.

Bei der zweiten Variante wurde eine Kaufkraftrückgewinnung im Vollsortimentsbereich mit einberechnet, d. h. dass Kunden, die bisher  außerhalb Boizenburgs einkaufen, dies dann im Rewe-Markt tun würden.  Dann müssten die Anbieter in der Innenstadt und im Boize-Center „nur“ mit jeweils 700000 Euro weniger Umsatz rechnen, die „sonstigen Anbieter“ mit 2,8 Millionen Euro weniger. Aus Lauenburg würde der Rewe-Markt übrigens nur  1-2 Prozent seines Umsatzes abziehen.

Im Zusammenhang  mit dem Abzug von schlimmstenfalls 800000 Euro Umsatz aus der Innenstadt sagte Katharina Staiger: „Da brauchen Sie kein Gutachten, um zu sehen, dass das kritisch ist. Davon  wird  u. a. der Konsum betroffen sein, das muss man schon so sagen, aber auch Roßmann. Und das sind die Frequenzbringer in der Innenstadt.“

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