Prozessionsspinner im Landkreis Ludwigslust-Parchim : Rekord: Baumpfleger im Dauereinsatz

<strong>Kampf gegen giftige Raupen:</strong> Baumpfleger Nico Harder setzt den Sauger im Bollenkamp Hagenow an, nachdem besorgte Kleingärtner das Ordnungsamt um Hilfe gebeten hatten. Nico Harder bestätigt den Vormarsch des Eichenprozessionsspinners gen Norden.
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Kampf gegen giftige Raupen: Baumpfleger Nico Harder setzt den Sauger im Bollenkamp Hagenow an, nachdem besorgte Kleingärtner das Ordnungsamt um Hilfe gebeten hatten. Nico Harder bestätigt den Vormarsch des Eichenprozessionsspinners gen Norden.

Raupen auf dem Vormarsch. Der Eichenprozessionsspinner mit seinen giftigen Härchen breitet sich weiter aus im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Das zumindest beobachten Bürger und ein Ordnungsamtsleiter in der Region.

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29. Juni 2012, 05:40 Uhr

Hagenow/Ludwigslust | Raupen auf dem Vormarsch. Der Eichenprozessionsspinner mit seinen giftigen Härchen breitet sich weiter aus im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Das zumindest beobachten Bürger, Baumpfleger und Ordnungsamtsleiter in der Region. Ein fast tagesfüllendes Pensum auch für Mitarbeiter des Landkreises, hieß es schon im letzten Kreistagsbericht.

Kein Wunder, dass Nico Harder mittlerweile kaum Pausen zwischen seinen Einsätzen findet. Der Baumpfleger aus Grabow bestätigt, dass die Raupen immer weiter in den Norden vorrücken. Ob vorbeugend spritzen oder wie jetzt - während der Verpuppung - absaugen: Weil sich die Lage in den letzten Jahren verschlimmerte, habe sich die Grabower Firma auf die Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner spezialisiert. Erst in dieser Woche rückte Nico Harder wieder nach Hagenow aus, um seinen Sauger am Bollenkamp und Eichenweg zu zücken.

"Wir müssen uns darauf einrichten und vorsichtig sein", beruhigte Mathias Lidzba, Teamleiter Ordnung und Soziales in Hagenow. Drei Bäume im Wohngebiet am Apothekerkamp etwa seien in diesem Jahr stark befallen gewesen. Mit Hubbühne mussten die Schädlingsbekämpfer vorfahren. Das koste dann schon mal mehrere 100 Euro. Aber in Wohngebieten und an Spielplätzen gelte eben besondere Vorsicht, so Lidzba. Denn "die kurzen giftigen Härchen der Raupen behalten vier bis fünf Jahre ihre Wirkung" und können auch dann noch bei Kontakt Haut, Augen und Atemwege reizen oder Schwindel und Fieber auslösen.

Der Landkreis rät deshalb, befallene Eichenwälder, -alleen oder -bäume zu meiden, Raupen und Nester nicht zu berühren, nach Kontakt sofort die Kleidung zu wechseln und eine Dusche zu nehmen. Wer in so einer Region lebt, sollte die empfindlichen Hautbereiche wie Nacken, Hals und Unterarme mit Kleidung schützen. Und keine Nester selbst beseitigen, sondern dies von Fachleuten wie Nico Harder erledigen lassen, der sich nur im Schutzanzug an die Tiere wagt. Doch trotz Gesichtsmaske, Gummihandschuhe und abgeklebter Hand- und Fußgelenke - die roten Pusteln auf seiner Haut verraten, wie hartnäckig die Härchen sind. "Das bleibt nicht aus", sagte der Fachmann. Man müsse sich dann nur zusammenreißen, um dem extremen Juckreiz zu widerstehen. Bevor Nico Harder dann seine Schutzkleidung und Filter samt Raupen vor Feierabend in der Müllverbrennungsanlage entsorgen konnte, riefen noch Einsätze in Grabow, Eldena und Wanzlitz. Es sei eben viel zu tun.

Besondere Vorsicht gilt an der L06 zwischen Dömitz und Vielank, hieß es gestern aus dem Landwirtschaftsministerium MV. Von 29 untersuchten Alleen im Land seien dort im Winter 53 Mal so viele Eigelege auf zehn Metern Zweig entdeckt worden, als normal, so Pressesprecher Matthias Saretz. "Das ist wahnsinnig hoch." Ob sich die Raupen nun aber zunehmend zu einer Plage entwickeln, können er und auch der Landkreis noch nicht abschließend beantworten. Jeder Befall soll deshalb an die zuständigen Ordnungsämter gemeldet werden. So kann laut Ministerium eine Erhebung am 10. Juli Genaueres aufdecken. Erst dann könne auch eine Strategie entwickelt werden - gemeinsam mit allen beteiligten Behörden.

Noch bis Ende Juli dauere die Verpuppung der Spinner, erklärte Mathias Lidzba. Nachdem sie dann ab August zu unscheinbaren grauen Motten gewachsen sind, verstreuen sich die fluglahmen Tiere in alle Windrichtungen und verbreiten sich so in der Region.

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