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Hagenower Kreisblatt

24. Oktober 2017 | 07:57 Uhr

Wittenburg : Reine Männerwelt? Nein

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Modellprojekt „GirlsDay Werkstatt“ lässt Wittenburger Schülerinnen sicherer werden – Zwischenbilanz nach einem halben Schuljahr

von
erstellt am 05.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Mit Zahlen jonglieren, das ist nicht ihr Ding. Mia ist eher der Praktiker, so viel kann die Gymnasiastin nach den ersten Monaten in der GirlsDay Werkstatt ganz sicher sagen. „Es ist nicht so, dass ich jetzt weiß, den Beruf will ich machen“, resümiert sie zur Halbzeit des auf ein Schuljahr ausgelegten Modellprojektes des DBG Nord und der Vereinigung der Unternehmerverbände (SVZ berichtete mehrfach). Aber immerhin wisse sie jetzt, was ihr nicht so liegt. Mia Sophie Jung und die anderen Mädchen des Gymnasialen Schulzentrums Wittenburg hoffen jetzt auf noch mehr praktische Einblicke in Unternehmen nach den Sommerferien.

Die Werft in Wismar, das Datenverarbeitungszentrum in Schwerin (DVZ), das Forstamt in Radelübbe – die Mädchen haben viele Betriebe besucht. „Das war sehr erlebnisreich“, sagt Celina Strauß. „Man stand nicht einfach daneben, sondern konnte sich selber ausprobieren.“ Bäume pflanzen, zum Fällen markieren, den Waldboden untersuchen. Zusammen mit Konstruktionsmechanikern ein Passteil in der Werft herstellen. Prozessabläufe und ein Konzept für die Schulhomepage im DVZ entwickeln.

„Hat denn jemand von euch dort schon angebissen?“, möchte Schulleiter Michael Kühnel wissen. Die Mädels der achten und neunten Klasse reagieren zurückhaltend. „Ich schau mir erstmal alles an“, sagt zum Beispiel Sophie Fehrmann. Sie hofft, dass es weiter so interessant bleibt und sie am Ende eine Idee davon hat, was sie mal werden will.

Eine Veränderung hat der Projektverantwortliche des DGB, Rüdiger Dohse, dann aber doch bei allen Mädchen gemerkt: „Sie sind offener und sicherer geworden“. Denn auch solche Kompetenzen wie das Präsentieren ist Teil der Werkstatt, die seit Februar alle zwei Wochen entweder in der Schule oder in einem Betrieb stattgefunden hat.

Auf den Wunsch der Mädels, auch nach den Ferien noch viele Betriebe zu besuchen, kann er vermutlich nicht ganz eingehen. „Ich hätte gerne mehr Praxis gehabt“, sagt er. Aber das koste einfach zu viel Fahrzeit. Und die heimischen Unternehmen direkt vor Ort in Wittenburg hätten sich leider sehr zurückgehalten. Stattdessen werden Themen wie „Drogen und Sucht“, „Meine erste Wohnung“ oder „Verbraucherschutz“ eine Rolle spielen.

Nach Ablauf des Projektjahres sollen Handlungsanleitungen für die Schulen in ganz Mecklenburg-Vorpommern stehen, die das Ganze dann in Eigenregie weiterführen sollen. Schulleiter Michael Kühnel könnte sich das durchaus vorstellen. „Das hat bisher super funktioniert“, sagt er. Wie und mit welchem Personal das allerdings alleine als Schule zu bewerkstelligen wäre, das weiß er noch nicht. Bisher absolvieren die Mädchen die Werkstatt als Wahlpflichtkurs, erledigen vieles aber auch in ihrer Freizeit. Die Organisation übernimmt hauptsächlich der DGB.

Es sei sehr zeitaufwendig, sagen die Mädels. Aber: „Es ist auch mal etwas Außergewöhnliches“, so Sophie Fehrmann. Und auch Mia Sophie Jung findet, dass ihnen das Projekt etwas bringt. Vielleicht ist ja im kommenden Schuljahr sogar ihr Wunschberuf dabei.

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