Produkte aus der Region in Bennin : „Regional“ wird nicht gemogelt

Ihre Milch bezieht Viola Wicht-Barg von Peter Guhl vom Hof Weitenfeld in der Teldau. Die 47-Jährige achtet sehr auf Regionalität, privat wie auch beruflich.  Fotos: Thorsten Meier
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Ihre Milch bezieht Viola Wicht-Barg von Peter Guhl vom Hof Weitenfeld in der Teldau. Die 47-Jährige achtet sehr auf Regionalität, privat wie auch beruflich. Fotos: Thorsten Meier

Viola Wicht-Barg bietet rund 90 Prozent ihrer Waren tatsächlich aus unmittelbarer Umgebung an. Kunden fragen nach Produkt-Herkunft

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08. Januar 2018, 21:00 Uhr

„Regionales“, damit verbinden viele von uns Lebensmittel und Waren aus der unmittelbaren Nachbarschaft, also etwas Gewohntes wie Liebgewordenes aus der Heimat. Doch oft haben diese Produkte bei genauerer Betrachtung tatsächlich bereits eine weite Reise hinter sich, bevor sie in den Verkaufsregalen landen. Denn es gibt keine verbindlichen Kriterien, was als „Regio-Produkte“ gehandelt werden darf. Jeder Händler kann sich seine eigene Definition zurechtbasteln. Für Kunden sind die vielen Labels mittlerweile ein unübersichtlicher Wust. Nach einer Umfrage von „planet e.“ beispielsweise greifen bereits 34 Prozent aller Verbraucher zu regionalen Waren. Und es werden immer mehr.

„Sie sind bereit, dafür auch deutlich höhere Preise zu zahlen“, weiß Viola Wicht-Barg aus eigenem Erleben. Die 47-Jährige führt seit 2014 die Schaalsee-Info und den Regionalwarenladen in der Hauptstraße 15. Über 90 Prozent ihrer Waren stammten aus der Region, versichert die gebürtige Hamburgerin, die es vor 12 Jahren nach Groß Bengerstorf und später nach Bennin als neuen Lebensmittelpunkt verschlug.

„Meinen Käse beziehe ich von Rüdiger Petersen-Steinhilber vom Kranichhof Bantin. Er hat schon einige Auszeichnungen dafür erhalten. Die Wurst stammt vom Archehof in Kneese sowie vom Forstamt in Schildfeld. Besonders die Leberwurst von dort ist ein absoluter Renner. Schafskäse bekomme ich aus Klein Salitz. Den gibt es aber leider nur von April bis Oktober. Stefan Plath aus Dreilützow beliefert mich mit Fruchtaufstrichen“, erzählt die Geschäftsfrau, die ihren Umsatz vor allem mit Wurst und Käse mache. „Ich verarbeite nur zu Fruchtaufstrichen, was ich selber in meinem Garten anbaue. Den Bio-Zucker dafür beziehe ich aus Österreich, weil ich den in Deutschland leider nicht bekomme“, erzählt der 62-Jährige, der sich 2011 den regionalen Produkten verschrieb, gestern im SVZ-Gespräch. Dass das Fleisch ausschließlich aus dem hiesigen Forstamt Schildfeld stamme, bestätigt Axel Jehring. „Regionaler geht es wohl kaum.“

Fast alle fragen, woher die Waren stammen

„Nicht nur Einheimische, auch Touristen fragen fast immer, wo die Waren herkommen. Das finden sie spannend“, berichtet Viola Wicht-Barg weiter. Und dass ihre handgestrickten Socken aus Zarrentin und Leisterförde stammten. „Schokolade und Kaffee kommen nicht aus der Region, sondern vom fairen Handel. Freitags ist Bio-Brottag. Die Backwaren werden aus Medewege bei Schwerin angeliefert, ebenso das saisonales Gemüse, dass ich seit anderthalb Jahren meinen Kunden anbiete.“ Die Stammkunden wüssten und akzeptierten, dass es nicht immer alles gäbe. „Ich bin ja kein Supermarkt und will es auch nicht sein“, bekräftigt Viola Wicht-Barg gegenüber der Redaktion. Dennoch könnten kurzfristig, also von Woche zu Woche, Wünsche bei Brot und Gemüse erfüllt werden.

Bei einem Becher grünen Tee, den die Wahl-Benninerin besonders liebt, erzählt sie auch vom leckeren Apfelsaft von der Streuobstwiese, den sie sich aus der Teldau von Heinz Thümmrich und dessen Bio-Obst-Büdnerei anliefern lasse.

„Von Michael Schaake aus Carlow bei Rehna bekomme ich Vinaigrettes, Senf, Chutney, Öle, Nudeln und Salz. Dadurch konnte ich das Sortiment aus der Region rund machen. Die meisten Zulieferer sind auch Biosphärenpartner und miteinander gut vernetzt.“

Viele Zulieferer auch Partner der Biosphäre

Dass sie von November bis April nur freitags und sonnabends geöffnet habe, erklärt Viola Wicht-Barg mit der Winterzeit. Danach sei immer dienstags und sonntags geschlossen und am Sonnabend von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Ansonsten erwarte sie von 10 bis 12.30 Uhr und 13 bis 18 Uhr ihre Kunden. In diesen Stunden erfahren die Besucher ihres kleinen Anlaufpunktes alles Wissenswerte über Ausflüge, Wanderwege, Übernachtungen, leckeres Essen, nette Menschen, schöne Orte, Bio- und Archehöfe und natürlich das Unesco-Biosphärenreservat.

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