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Hagenower Kreisblatt

19. August 2017 | 05:51 Uhr

Hagenow : Region vor harten Arbeitskämpfen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gewerkschaft NGG will für Tarifbereich Obst und Gemüse die Angleichung an Westtarife. Arbeitgeber lehnen das weiter scharf ab

Die Warnstreiks vor wenigen Tagen bei Dr. Oetker in Wittenburg, bei Kühne in Hagenow oder Nestlé in Schwerin und bei der Kartoffelveredlung in Hagenow waren offenkundig nur der Auftakt für einen harten und grundsätzlich geführten Arbeitskampf in der Region. Die Gewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten) kündigte in dieser Woche durch ihren Mecklenburger Chef Jörg Dahms bereits weitere entschlossene Streiks in den genannten Betrieben an. Bei den Tarifverhandlungen geht es aus Sicht der Gewerkschaft um die längst überfällige Angleichung an die Westtarife. Die Arbeitgeber, die bei den Verhandlungen vom Verband „Nordernährung“ vertreten werden, verweisen hingegen auf ihr Angebot, das Entgelterhöhung in den unteren Lohngruppen um mehr als 7,4 Prozent bei einer Laufzeit von 21 Monaten  beinhalten soll.

Und damit beginnt das Verwirrspiel. Es sei noch gar nicht richtig verhandelt worden, weil die Arbeitgeber Gespräche über die Angleichung abgelehnt hätten. Dahms: „Uns geht es gar nicht so sehr um Prozente, die Kollegen wollen mehr als 25 Jahre nach der Wende endlich wissen, wann und wie ihre Tarife den im Westen geltenden Bedingungen angeglichen werden.  In allen Betrieben, die wir vertreten, ist die Stimmung so, dass immer mehr Kollegen dafür streiken wollen. Und diese Bereitschaft steigt fast täglich.“

Konkret geht es um Unterschiede von mehr als 20 Prozent bei den Entlohnungen in Ost  und West. Die Gewerkschaft hat sich  als Maßstab das Tarifgebiet Schleswig-Holstein  genommen. In der  so genannten Ecklohngruppe 6 gäbe es da momentan einen Unterschied von 359 Euro. Dahms: „Wir wissen, dass das nicht auf einen Schlag geht. Doch wir wollen einen verbindlichen Plan, wann angeglichen wird.“

Die Arbeitgeber haben darauf ungewöhnlich deutlich reagiert und erklärt, dass sie mit dem Angebot von mehr als sieben Prozent schon über ihrer Schmerzgrenze seien. Das bestätigte z. B. Uwe Hildebrand, Personalleiter bei der Emsland Gruppe, zu der auch die Hagenower Kartoffelveredlung gehört. Auch Dr. Jörg Schillinger, Pressesprecher der Dr. Oetker Gruppe findet das derzeitige Angebot mit Blick auf die anderen Branchen nicht schlecht. Grundsätzlich stehe man natürlich zu dem Streikrecht. „Mit dem Angebot liegen wir nicht  schlecht und hoffen in der nächsten Runde auf eine zügige Einigung“, erklärte Schillinger gestern. Im Oetker-Werk war und ist die Streikbereitschaft der Kollegen besonders groß, auch weil hier die Unterschiede zu den z. B. im Partnerwerk Hessen geltenden Tarifen auffällig groß sind.

Von den Auseinandersetzungen sind aber längst nicht alle Betriebe der Ernährungswirtschaft betroffen. Das liegt an den vielen unterschiedlichen Tarifen, die gelten. Die  Riha-Wesergold in Dodow z.B. hat einen Tarif, der an Niedersachsen angelehnt ist. Hier liegen die Unterschiede vor allem in den geltenden Arbeitszeiten. Nicht betroffen ist auch der Süßwarenbereich mit eigenem Tarif.

Und so geht es derzeit vor allem um den Tarifbereich der obst- und gemüseverarbeitenden Betriebe. Zu dem gehört auch das Schweriner Nestlé-Werk. Eine Eingruppierung, die bei der Gründung des Werkes mit der Gewerkschaft NGG vereinbart wurde, wie Dr. Uwe Teuchert, Hauptgeschäftsführer von „Nordernährung“ erklärte. Das sei gemacht worden, um ein vergleichbares Entgeltniveau in der Region zu erreichen.

Klar war aber immer auch, dass die im Vergleich zu anderen Standorten niedrigen Lohnkosten ein wesentlicher Grund für die damalige Neuansiedlung war. Zusammen mit dem Pfanni-Werk in Stavenhagen geht es bei der Auseinandersetzung um insgesamt  1900 Arbeitsplätze in Mecklenburg. Am 17. Juni soll es die nächste Verhandlungsrunde in  Spornitz geben. Mit neuen Streiks ist wohl bereits vorher zu rechnen. Nach SVZ-Informationen gab es bereits in dieser Woche konkrete Absprachen.

An der Streikbereitschaft, die jahrelang überhaupt nicht vorhanden war, gibt es auf beiden Seiten keine Zweifel mehr. Pieter Reinsch, stellv. Betriebsrat bei der Carl Kühne KG (GmbH & Co.) Niederlassung Hagenow: „Bei uns ist es so, dass Kollegen nebeneinander arbeiten, wo einer für die gleiche Arbeit Hunderte Euro im Monat mehr bekommt und auch noch bis zu 600 Euro an Altersvorsorge dazu. Das geht nicht mehr. Die Kollegen wollen 25 Jahre nach der Wende endlich wissen, wann angeglichen wird. Gleiche Arbeit für gleichen Lohn, darum geht es.“ Auch René Luschnath, Betriebsrat bei der Kartoffelveredlung in Hagenow hat unter seinen Kollegen eine wachsende Streikbereitschaft ausgemacht. „Auch wenn bei uns die Unterschiede nicht ganz so groß sind, haben viele Kollegen die Meinung, das 25 Jahre mit Unterschieden mehr als genug sind.“ 

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erstellt am 20.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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