Hagenow : Reformen verändern die Pflege

80 Bewohner leben im Oberin von Lindeiner Haus, meist schwerst pflegebedürftig und dement.
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80 Bewohner leben im Oberin von Lindeiner Haus, meist schwerst pflegebedürftig und dement.

20 Jahre besteht das Heim Oberin von Lindeiner Haus in Hagenow: Gesetzesänderungen sind damals wie heute eine Herausforderung

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08. März 2016, 12:00 Uhr

In 20 Jahren hat sich vieles verändert. Vor allem die Klientel. Im Hagenower Pflegeheim Oberin von Lindeiner Haus gelten heute andere Schwerpunkte als noch kurz nach der Wende, wie Leiterin Ulrike Gävert anlässlich des Jubiläums verrät. Eine ganze Woche haben sie gefeiert, aber auch zurückgeschaut auf zwei Jahrzehnte voller Ereignisse.

Nachdem 1996 die Versicherung für die voll stationäre Pflege geändert wurde, wurden gleichzeitig die Versicherten neu eingestuft. Viele als sogenannte „Nuller“ – Menschen, die eigentlich keinen Anspruch auf einen Pflegeplatz hatten. Als eines der wenigen Bundesländer stellte Mecklenburg-Vorpommern diese unter Bestandsschutz. „Und das war gut so“, bilanziert Ulrike Gävert. 30 ältere Menschen auch aus DDR-Heimen in Melkof und Camin fanden damals Platz im Oberin von Lindeiner Haus. Anderswo in Deutschland hätten sie sich eine Wohnung suchen müssen.

Heute betreuen die Mitarbeiter vorrangig schwerst Pflegebedürftige und Demenzkranke. Vor allem Letztere „nehmen ganz doll zu“, so die Heimleiterin. Sie bräuchten eine 24-Stunden-Betreuung, „machen die Nacht zum Tag“. Angehörige würden es oft lange versuchen, sie zu betreuen, dabei aber irgendwann ans Limit kommen. „Viele schaffen es nicht mehr selbst.“ 80 Menschen leben in dem Hagenower Alten- und Pflegeheim. Die Warteliste ist lang.

Was die Zukunft bringt? Vor allem das Pflegestärkungsgesetz, das ab Januar 2017 voll greift, werde eine Herausforderung. Die Reform sieht fünf Pflegegrade statt der bisher drei Pflegestufen vor. Die „Finanzierung steht dann auf einem ganz anderen Fuß“, sagt Ulrike Gävert. Zum Vorteil für die einen Senioren, zum Nachteil für andere. Ein weiteres Ziel für die kommenden Jahre: die Entbürokratisierung in der Pflege – ein bundesweites Projekt, an dem das Hagenower Haus teilnimmt. Würden derzeit noch alle Abläufe individuell dokumentiert, halten Mitarbeiter künftig nur noch Abweichungen von einer festgeschriebenen Tagesstruktur fest.

Mehr Farbe ist schon jetzt eingekehrt. Der 1996 eröffnete Neubau mit zwei großzügigen, verglasten Hallen und mit einem Architekturpreis ausgezeichnet, schien allen lange zu trist. Der eigentlich vorgeschriebene Sichtbeton erhielt deshalb vor dem Jubiläum einen grünen und gelben Anstrich. „Wir haben das erste Mal die Pinsel in die Hand genommen“, sagt Ulrike Gävert, die das Haus seit elf Jahren leitet. Zudem zieren Fotografien eines Mitarbeiters mit Motiven aus der Region die Wände. „Die Bewohner bleiben stehen und schauen.“ Das sei schön zu sehen. Und auch das neue Stiftlogo sei nun farbig und nicht mehr so trist.

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