Boizenburg : Reden hilft immer

Silke Mensch (2. v. l.) mit Bewohnern und Mitarbeitern.
Silke Mensch (2. v. l.) mit Bewohnern und Mitarbeitern.

Silke Mensch ist die neue Leiterin des Boizehauses / In der Kinder- und Jugendeinrichtung des IB wohnen 13 Minderjährige

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03. Januar 2016, 08:00 Uhr

Von Februar bis September 2015 war die Kinder- und Jugendeinrichtung des Internationalen Bundes (IB) Boizehaus ohne Leitung. Nun ist Silke Mensch die neue Chefin und sie beabsichtigt zu bleiben. „Die Einrichtung ist 1994 speziell für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet worden, zuerst in Gülze. 2009 ist sie nach Boizenburg in die ehemalige Wassermühle gezogen. Da bis vor kurzem noch die Regelung galt, dass der Landkreis die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge aufnehmen muss, in dem sie zuerst registriert werden, gab es durch die Erstaufnahmeeinrichtung MVs in Horst schon immer einen regelmäßigen Bedarf an Plätzen. „Der große Ansturm dann im Herbst hat auch uns überrannt“, gesteht die Schwechowerin. Im Boizehaus gibt es inzwischen 16 Plätze für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Mittlerweile werden die jugendlichen Flüchtlinge ohne Familien auch auf die anderen Landkreise in MV verteilt. „Im Moment sind nur 13 Plätze besetzt, davon vier mit deutschen Jugendlichen, die Probleme in ihren Elternhäusern haben“, erklärt die Sozialpädagogin Mensch, die gleichzeitig eine therapeutische Ausbildung hat. Das Betreuungskonzept des IB ist, ähnlich dem in der Kinder- und Jugendeinrichtung in Dersenow, integrativ ausgerichtet. Schließlich lernen die jungen Flüchtlinge viel eher die deutsche Sprache und Kultur, wenn sie täglich mit deutschen Gleichaltrigen zusammen sind. Silke Mensch ist es sehr wichtig, dass über das Leid der minderjährigen Flüchtlinge die deutschen Kinder und Jugendlichen nicht vergessen werden und auch immer einen Platz im Schutzraum Boizehaus haben.

An diesem Vormittag zwischen den Jahren sind nur wenige der Bewohner im Haus. Die deutschen Jugendlichen sind fast alle bei Verwandten, auch einige der jugendlichen Flüchtlinge. Mara (16) und Ghina (12) aus Syrien sind da. Sie haben niemanden, zu dem sie gehen können. „Ghina ist erst seit ein paar Wochen hier“, erzählt Silke Mensch. „Sie war sehr verstört, als sie hier ankam.“ Ihre Eltern hätten sie mit einer Nachbarsfamilie aus dem Land geschickt, aus Sorge um ihr Leben. Doch nun wurde die Nachbarsfamilie einer Kommune zugeteilt, Ghina durfte nicht mit. Sie spricht noch kein Deutsch. „Es ist ja nicht so, wie alle denken, dass die Jugendlichen nach kurzer Zeit ihre Familien hierher nachholen können“, erklärt Frau Mensch. „Die wollen oder können meist auch gar nicht nachkommen.“ Sie hätte solche Familiennachzüge in ihrer Zeit beim IB seit 1997 nur sehr selten erlebt. „Da war es gut, das Abdul da war, als Ghina ankam, er ist ebenfalls 12, und die 16-jährige Mara, die schon ganz gut deutsch spricht und übersetzen kann.“ An vier Tagen pro Woche besucht Ghina jetzt einen Deutschkurs in Zarrentin, an einem Tag die Tarnow-Schule in Boizenburg.

Es ist übrigens möglich, Patenschaften für eines der Kinder im Boizehaus oder auch in anderen Einrichtungen zu übernehmen. Wer sich dafür interessiert, kann sich an die jeweilige Einrichtung oder die Jugendhilfe des Landkreises wenden.

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