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Altes, Buntes und Peppiges in Hagenow : Recycling für den Laufsteg

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Ganz egal, ob alte Regentonnen, Mehlsäcke, Plastiktüten oder Jacken, für Renate Hille sind es perfekte Arbeitsmaterialien, um daraus individuelle Mode zu machen. Am Sonntag schickt sie 17 Models auf den Laufsteg.

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erstellt am 08.Nov.2013 | 09:33 Uhr

Neuhof/Wittenburg | Wenn sie etwas sieht, hat sie sofort eine Idee im Kopf. Ob alte Regentonnen, Mehlsäcke, Plastiktüten oder Jacken - das, "was man wegwirft, ist noch lange nicht schlecht", sagt Renate Hille aus Neuhof, lächelt und führt durch ihr Haus in Neuhof. In Jeans und hellblauem Wollpulli mit bunten Aufnähern. Sie liebt Farbe. An der Wand, auf dem Fußboden, an Schränken. Und in der Kunst. In ihrer Ausstellung "Pin-Up Girls - Monstermamis und Alte Säcke" kann der Besucher in ihre Recycling-Welten tauchen. Sie eröffnet am kommenden Sonntag, 10. November, um 14 Uhr im Amtsbergturm Wittenburg. Eine Stunde später laufen im Mehl Welten Museum um die Ecke 17 Models mit alter neuer Mode über den Laufsteg. Als Inspiration für jede Frau.

Denn es geht Renate Hille nicht ums Verkaufen. "Ich verschenke Ideen", sagt sie. Kostenlos und für jeden. Hier noch ein Flicken drauf, dort Fransen dran, oder ein bunter Knopf. Bei den meisten Sachen sei nur ein Loch drin oder ein Fleck. Für die Neuhoferin zu schade zum Wegschmeißen. "Das sind Geliebte Dinge von Leuten", sagt sie. Für sie sei es eine Ehre, die ihr anvertrauten Kleider wieder zu erwecken. Wegen dieser emotionalen Bindung verkauft sie die Sachen auch nicht. Sie trägt sie zum Teil selbst. Und die Kleiderspender würden oft schon gespannt auf Nachher-Fotos warten, die Renate Hille ihnen zuschickt. Dabei entscheide die Jacke immer selbst, wie sie werden will. "Und der Mensch, der sie bringt." Renate Hille plant nie. Sie lasse Dinge wachsen, fängt einfach an, geht in ihr Stoffzimmer in der ehemaligen Scheune und sucht Flicken, die dazu passen. Oder sie näht komplett neu. Aus alten VEB-Wolldeckenresten, die DDRler früher mit zum Zeltlager hatten, oder Plastiktüten zum Beispiel.

In ihrem Fundus auf dem Scheunenboden hängen Jacken, Mäntel und Taschen auf gespannten Leinen. Eine nach der anderen holt Renate Hille hervor, präsentiert sie. Jedes Teil bekommt später sein Model. "Ich will sie vorher noch sehen", sagt sie. Bei der Probe am Sonnabendvormittag laufen sich die Frauen dann warm mit ihren bunten Stücken.

90 präsentieren sie am Sonntag auf der Schau "Upcycling-Mode". Junge Frauen aus Zarrentin, Neuhof und Wittenburg sind dabei - mit Kurven in den Größen 44 bis 38. "Alles ist dabei." Sie sind klein oder groß, schmaler oder kurvig, und repräsentieren die "normale Frau", so die Künstlerin. Die weiblichen Zuschauer sollen sich mit ihnen identifizieren und sagen, "wow, das traue ich mich auch zu tragen".

Schon ihr ganzes Leben macht Renate Hille Recycling. Als Kind hat sie Schrauben zusammengesetzt - heute verschönert sie gebrauchte Alltagsgegenstände. Auf die Mode ist sie aber erst vor etwa zwölf Jahren gekommen, seit sie in Neuhof lebt. "Ich brauchte einen Mantel", erinnert sie sich. Sie bringt sich das Nähen bei, und es entwickelt sich nach und nach. Viele wollten später etwas kaufen.

Doch von Kommerz hält sie nichts. Viel lieber werkelt sie den ganzen Tag. "Das ist mein Leben." Und die Ideen gehen ihr nie aus und damit auch nicht die Geschenke an andere.

 

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