Hagenow : Rebellische Kinder in Alter Synagoge

Sven Ochsenreither hängt das Bild „the princess und the pilot“ in der Alten Synagoge auf.
Sven Ochsenreither hängt das Bild „the princess und the pilot“ in der Alten Synagoge auf.

Künstler Sven Ochsenreither eröffnete gestern Ausstellung in Hagenower Alter Synagoge

svz.de von
16. März 2014, 21:51 Uhr

Kinder haben es Sven Ochsenreither anscheinend angetan. Der Künstler eröffnete gestern in der Alten Synagoge seine Ausstellung mit dem Titel „weder/noch“. „Ich bin in einer konkreten Lebenssituation auf das Thema ,Kinder’ aufmerksam geworden“, sagt der 43-Jährige, der selbst Vater von drei Steppkes ist. Seit 2003 beschäftige ihn nun schon dieses Thema. War die Kinderfigur zunächst noch in einer bestimmten Situation eingebettet, wie beispielsweise auf dem Spielplatz, so erscheint die Figur nun für sich, losgelöst von bestimmten Szenarien. Anregungen für seine „Kinder“ holt er sich nicht nur aus dem Alltag, sondern auch aus Comics, Märchen oder anderen Geschichten. So heißt ein großformatiges Bild auch „Rotkäppchen“, auf einem anderen sieht die zierliche Figur aus wie eine Prinzessin. Sven Ochsenreither, der in Zölkow bei Crivitz lebt, ist durch einen Bekannten auf die Alte Synagoge aufmerksam geworden. Henry Gawlick, Leiter des Museums Alte Synagoge, ist von Ochsenreithers Bildern begeistert. „Wie er es schafft, den Kindern Halt im ,Nichts’, vor einer leeren Fläche zu geben, ist faszinierend“, sagt Gawlick. In einem Gespräch mit dem Künstler wurde Wissenswertes sowohl zu den Werken als auch zum Thema an sich vermittelt. Seitdem er die Kinder nicht mehr in Situationen einbette, sondern sie nur noch auf sich selbst „reduziere“, wirken sie offener, mitunter auch rebellischer. Für Gawlick ist ganz klar, dass Ochsenreithers Bilder in der Synagoge hängen, da das Haus den Namen des 1942 letzten jüdischen Kindes in Hagenow, Hanna Meinungen, trägt. Deshalb sei das Thema der Ausstellung für ihn auch mit einer gewissen Spannung und Würde verbunden. Henry Gawlick sieht in den „Kindern“ mehr als nur liebenswürdige Geschöpfe. Für ihn spiegeln sie auch ein Ebenbild von Erwachsenen wider. „Dieses ,Sich-gerade-so-auf-einem-Kegel-halten-können’ kennen wir Erwachsene doch auch“, sagt Gawlick.

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