Rasende Maut-Flüchtlinge

Dieser tschechische Lkw-Fahrer war nur 9 km/h zu schnell und durfte nach 15 Euro Strafe und einigen Ermahnungen weiterfahren.
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Dieser tschechische Lkw-Fahrer war nur 9 km/h zu schnell und durfte nach 15 Euro Strafe und einigen Ermahnungen weiterfahren.

Die Polizei im Landkreis geht entschlossener gegen die Lkw-Plage auf der Bundesstraße 5 vor. Sie kann zwar gegen die vornehmlich polnischen und tschechischen Mautflüchtlinge nichts unternehmen. Wohl aber gegen rasende Lkw. Denn die Brummins dürfen auf Bundesstraßen generell nur 60 km/h fahren.

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15. Oktober 2009, 09:10 Uhr

Kummer/Warlow | Den kleinen Blitz aus der hochmodernen Kamera am Straßenrand werden nur die aufmerksamen Lkw-Fahrer gesehen haben. Umso größer war dann zwei Kilometer weiter die Überraschung, als die Polizei zumindest einige Temposünder am Abzweig Warlow von der Straße holte. Normalerweise interessieren vor allem die polnischen Lkw-Fahrer deutsche Geschwindigkeitsmessungen nicht die Bohne. Da es kein Abkommen zwischen den Staaten gibt, werden die Fahrer auch nicht belangt. Die Polizei hat nur eine Chance, die tonnenschweren Raser zu stoppen: Sofort anhalten und kassieren. Das ist allein auf der B 5 in den vergangenen Tagen zweimal passiert. Und trotz Warnungen der Brummi-Lenker über CB-Funk sind den Beamten genügend Fahrer in die Messfalle gegangen. Denn an die eigentlich vorgeschriebenen 60 km/h Höchstgeschwindigkeit hält sich so gut wie kein Lkw-Fahrer, da machen auch die deutschen Fahrer keine Ausnahme. Vielmehr, so die Erfahrungen der Anwohner und der Polizei ziehen vor allem die Lkw mit Fernzielen gerade auf der B 5 gnadenlos durch, mit durchgehend 80 bis 90 km/h. Das entspricht dem Autobahntempo der Brummis, und so ist es auch gedacht. Die Bundesstraße 5 hat für Mautflüchtlinge 26 Jahre nach Eröffnung der A 24 nämlich ihren Reiz wiedererlangt. Um Gebühren zu sparen, preschen Kolonnen von meist drei bis fünf Lkw auf der gut ausgebauten Straße zwischen Berlin und Hamburg hin und her. Auf der B 191 und Teilen der B 106 sieht es nach Einschätzung der Ludwigsluster Polizeiinspektion kaum anders aus.

Selbst Motorradfahrer haben kaum ein Chance, sich ohne Gefahr zwischen die dicht auffahrenden Lkw zu quetschen. Dazu kommt die Geschwindigkeit. Dass es bisher noch nicht zu größeren Unfällen gekommen ist, grenzt an ein Wunder.

Die Polizei kann den tagtäglichen Wahnsinn auf den Bundesstraßen mit den von den Autobahnen flüchtenden Lkw nur eingrenzen, die Fahrt verbieten kann sie nicht. "Hier ist sicher eine politische Lösung gefragt", gibt Polizeioberrat Ingo Renk, der Chef der Polizeiinspektion zu bedenken. Er kündigte auch gleich weitere Kontrollen auf der B 5. "Gerade der Bereich zwischen Ludwigslust und Redefin gehört schon wegen der Unfallhäufigkeit zu unseren Schwerpunkten. Denn nicht nur die Lkw sind hier viel zu schnell unterwegs." Wie zur Bestätigung wurde erst in dieser Woche kurz vor dem Abzweig Warlow ein Pkw-Fahrer bei erlaubten 100 mit sagenhaften 151 km/h gestoppt.

Vorläufige Bilanz einer Kontrolle auf der Bundesstraße. In nicht einmal anderthalb Stunden wurden 24 Lkw als zu schnell gemessen, 14 davon waren mit ausländischen Kennzeichen unterwegs. In gleicher Zeit wurden auch 24 weitere Fahrzeuge als zu schnell geblitzt. Und das trotz Warnungen per Lichthupe und Durchsagen im Radio oder CB-Funk. Eigentlich müsste die Polizei nicht nur auf der B 5 ständige kontrollieren, doch dafür fehlen ihr schlicht die Technik und vor allem Polizisten. Es reicht nur für Stichproben.

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