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Hagenower Kreisblatt

24. Oktober 2017 | 02:42 Uhr

Amt Neuhaus : Ramschpreise für Häuslebauer

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ausschuss empfiehlt Grundstückspreis von 18,40 Euro pro Quadratmeter auf „Spargelfeld“. Vorwürfe gegen die Drei Parteiengruppe

Dass der Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Tourismus immer für eine hitzige Debatte gut ist, in der die konträren Meinungen der beiden Gruppen aufeinanderprallen, ist mittlerweile allgemein bekannt. Auf der vergangenen Sitzung gab es nicht nur Auseinandersetzungen um die Höhe des Abwasserpreises, sondern auch um die Förderung für den Bau von Eigenheimen. Gruppensprecher Thorsten Knebusch (Die Unabhängigen/FDP) sah im Rahmen dieser Diskussion Neuhaus sogar durch die Einführung „eines kleinen Sozialismus“ bedroht.

Doch der Reihe nach: Um den Zuzug von Familien anzukurbeln, hat die Gruppe Unabhängige/FDP den Antrag gestellt, Bauwillige auf dem „Spargelfeld“ mit 2500 Euro pro Kind begrenzt auf drei Jahre und höchstens 10 000 Euro zu fördern. Derzeit sind noch fünf Grundstücke zu haben, vier sind bereits reserviert. „Wenn wir diese letzten Grundstücke losschlagen, sind wir das Problem los“, begründet Thorsten Knebusch den Antrag, „Das Baugebiet der Gemeinde ist kläglich gescheitert, die Gemeinde sollte nicht Unternehmerin spielen. Am besten würden die Grundstücke verschenkt werden, aber wir wollen die Sache an den Zuzug von Familien koppeln, da wir durch mehr Personen im Amt eine höhere Bedarfszuweisung bekommen.“

Wolfgang Grewe von der Drei Parteiengruppe (CDU/Die Linke/SPD) reicht das nicht aus: „Es wird der Eindruck erweckt, wir wären dann alle Sorgen los. Was ist mit den Grundstücken gegenüber, wem gehören die? Beim ‘Spargelfeld’ könnte man auch über eine allgemeine Preisreduzierung nachdenken.“ Die Mehrheitsfraktion im Rat hat einen eigenen weitergehenden Antrag vorbereitet. „Der Ansatz, den Zuzug von Familien zu fördern, ist gut, schließlich gehört das zum Entwicklungsprogramm der Gemeinde. Aber nur fünf Bauplätze reicht uns nicht aus, überall im Amt wird mehr gebaut als auf dem ‘Spargelfeld’. Wir wollen eine Förderung für alle selbst genutzten Eigenheimneubauten im Gemeindegebiet“, erklärt Christian Fabel. Diese finanzielle Förderung nennt die Mehrheitsgruppe „Begrüßungsgeld“ und sie soll ebenfalls eine Unterstützung von 2  500 Euro pro Jahr und Kind (bis 16 Jahre) umfassen. Zusätzlich sollen auch Mieter unterstützt werden: Neumieter sollen einen Preisnachlass von 20 Euro pro Kind in gemeindeeigenen Wohnungen erhalten. Ebenfalls soll von der Gemeinde ein Baulücken– und Leerstandkataster erstellt werden, wie es im Entwicklungsprogramm des Landkreises vorgeschlagen wird.

„Es war mit diesem Antrag nicht gedacht, einen kleinen Sozialismus in Neuhaus zu bauen“, empört sich Thorsten Knebusch, „Wir wollen nur einen Schlussstrich unter den Spargelacker ziehen! Ein Begrüßungsgeld können wir uns als Gemeinde nicht leisten.“ Gänzlich unverständlich ist für Thorsten Knebusch die Förderung von gemeindeeigenen Mietwohnungen: „Ihr könnt doch nicht den privaten Anbietern mit unseren Schrottimmobilien Konkurrenz machen, geht’s noch? Die Wobau macht nur Miese und diese Wohnungen geben das auch gar nicht her. Der Leerstand zieht sich durch alle Gebäude. Diese Wobau muss verkauft werden und ihr wollt sie noch subventionieren? Wir sollten versuchen, Neuhaus so rentabel wie irgend möglich zu machen, und nicht auf Sozialismus setzen.“

Statt einer Erwiderung kommt vom Ausschussvorsitzenden Wolfgang Grewe ein Kompromissvorschlag: „Vielleicht ist es für dieses Thema zu früh. Wir sollten über eine Quadratmeterpreisreduzierung nachdenken.“ Nach einer kurzen Beratungspause fasst der Ausschuss den empfehlenden Beschluss, den Grundstückspreis auf dem „Spargelfeld“ um 5 Euro pro Quadratmeter laut Liste zu senken, wenn man bis zum 31. Dezember 2017 den Kauf tätig. Die Politiker hoffen so, die bereits reservierten Grundstücke schnell los zu werden.


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