Rodenwalde : Rätselraten um den Stinkergraben

Hans-Peter Greve in einem der modernen Milchvieh-Ställe: „Wenn es Gülle war, kann sie nicht von uns gekommen sein.“ Fotos: Pohle
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Hans-Peter Greve in einem der modernen Milchvieh-Ställe: „Wenn es Gülle war, kann sie nicht von uns gekommen sein.“ Fotos: Pohle

Angebliche Gülleeinleitung von Rodenwalde weiter unklar/ Alte Kläranlage in Verdacht / Landwirt gibt Garantie für sein Unternehmen

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09. Januar 2016, 07:15 Uhr

Es war am vorletzten Tag des alten Jahres, als aus Rodenwalde die Einleitung von mehreren tausend Liter Gülle in einen Graben gemeldet wurde. Das sorgte für viel Aufregung und offizielle Ermittlungen durch Polizei und Kreis. Inzwischen ist nicht mehr klar, ob es überhaupt Gülle war und woher die Einleitungen kamen. In Verdacht geraten ist jetzt eine Ural-Kläranlage, die zu einem Wohnblock mit 18 Wohnungen gehört. Der Überlauf der Grube mündet in den Graben. Sicher ist sich  bisher nur einer: Landwirt Hans-Peter Greve. Der Chef des örtlichen Milchhofes und der Agrarvereinigung ist sich sicher: „Wenn es denn Gülle war, dann kam sie garantiert nicht von uns. Das haben wir überprüft und wir sind da auch von der Polizei kontrolliert worden, die jeden Gullydeckel hier geprüft hat.“

Es ist nicht so, dass in Rodenwalde ein Mangel an Gülle herrschen würde. Im Milchhof mit seinen 1800 Milchkühen fallen im Jahr gut 50000 Kubikmeter an, dazu kommen noch einmal 5000 Kubikmeter aus dem Jungrinderbereich. Doch diese Gülle wird extra aufgefangen, in Behältern gelagert und das wird von Externen auch streng kontrolliert. Auch  Harald Elgeti vom Kreisbauernverband hatte sich gegen etwaige Verdächtigungen gegen Landwirte gewandt.

Woher kam dann die stinkende Fracht in dem Graben, der in das Flüsschen Schilde führt? Adolf Altmann, früherer Bürgermeister in Rodenwalde , hat ganz klar die alte Kläranlage auf dem Sportplatz in Verdacht. Der betreffende Graben in Rodenwalde heiße nicht umsonst schon seit vielen  Jahren Stinkergraben. Früher war die für Uneingeweihte kaum sichtbare Grube  für den ganzen Ort da. Jetzt hängt nur noch der WBS-70-Block mit 18 Wohnungen dran. Mit einer Ausnahmegenehmigung, wie sowohl das Amt Zarrentin als auch die Untere Wasserbehörde des Landkreises bestätigte. Im Zuge der Feiertage könnte die alte Kläranlage besonders belastet und schließlich übergelaufen sein, so die Vermutung.

Fachdienstleiter Jochen Krippenstapel vom Landkreis  erklärte auf SVZ-Nachfrage, dass die Kläranlage für den Block  noch in diesem Jahr durch eine neue, vollbiologische Anlage ersetzt werden soll. Das werde auch geschehen, bestätigte ein Wohnungsverwalter aus Berlin, der im Auftrag der Besitzer  von der „Mistyrose Cassia Property GmbH“ tätig ist, die Ausschreibung dafür würde bereits laufen.

In den vergangenen Jahren hatte der Besitzer des Wohnblockes mehrfach gewechselt, so dass es zu der Ausnahmegenehmigung kam.

In der Tat ist auch für den Laien gut zu erkennen, dass es eine Verbindung von der Grube zu besagtem Graben gibt. Ständig plätschert dort eine wasserähnliche Flüssigkeit in den Graben, die eine leichte Schaumspur hinterlässt. Ob aber der Vorfall vom 30. Dezember tatsächlich mit dem Wohnblock zu tun hat, ist keineswegs sicher. Man könne es einfach nicht sagen, hieß es dazu vom zuständigen Landkreis. Das Ergebnis der am 30. Dezember gezogenen Probe liege noch nicht vor. Erst dann könne man sagen, ob es sich um tierische oder menschliche Stoffe gehandelt habe.

Und es gibt noch eine Unsicherheit: Im Bereich des alten Gutsgeländes weiß im Moment niemand so ganz genau, wo die Entwässerungsleitungen für das Oberflächenwasser und das Regenwasser verlaufen. Das soll in den kommenden Tagen noch einmal genau untersucht werden. Doch selbst wenn es eine Verbindung gäbe, würde das die angebliche Gülle in dem Graben immer noch nicht erklären.

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