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Hagenower Kreisblatt

18. Dezember 2017 | 17:54 Uhr

Vorderhagen : Rätselhaftes Fischsterben

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In einem Arm der Alten Sude beim Schöpfwerk Mahnkenwerder verendeten Hunderte von Brassen

In einem Arm der Alten Sude in der Nähe des Schöpfwerkes Mahnkenwerder zwischen Vorderhagen und Bandekow wurden Hunderte von verendeten Fischen entdeckt. „Ein Angelkollege hat die Fische am Montag bemerkt und Bescheid gegeben“, sagt Ingo Schlicht, Gewässerwart des örtlichen Angelvereins „Untere Sude“ bei einem Treffen mit der SVZ . Er informierte sofort Jörg Icker, den Gewässerwart des Regionalanglerverbandes Südwestmecklenburg, der zwölf Angelvereine betreut, und beide zusammen die Boizenburger Polizei. „Doch die waren genauso ratlos wie wir“, so Schlicht. Denn das Rätselhafte an diesem Fischsterben ist, dass es sich vor allem um Brassen handelt, die um die 1000 Gramm oder mehr wiegen. Nur vereinzelt wurden auch Hechte gesichtet. Jörg Icker wandte sich an die Untere Wasserbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim, um Hilfe bei der Auflösung des Rätsels zu bekommen. Bis gestern meldete sich von dort niemand zurück. Der Gewässerwart versuchte es auch beim Veterinärdienst des Kreises. „Doch die Tierärztin Sabine Tippelt meinte, ihr Amt könne nichts unternehmen, solange kein Seuchenverdacht besteht. Aber wenn das niemand untersucht, weiß man doch nicht, ob es eine Seuche ist“, kritisiert Icker.

Die beiden Gewässerwarte fühlen sich von den Behörden mit dem Problem allein gelassen. „Wir sind enttäuscht. Wir machen das hier schließlich alles ehrenamtlich und keiner hilft uns“, so Icker. Also wandten sich die beiden Gewässerwarte am Donnerstagabend an die SVZ.

Bei dem Treffen vor Ort am Freitag schwammen immer noch so viele tote Brassen auf der Wasseroberfläche des alten Sudearms, dass einem der Appetit auf Fisch erst einmal vergeht. Der Rest der insgesamt ca. 300 verendeten Fische verfault jetzt auf dem Gewässergrund. Auch keine schöne Vorstellung ....

„Wir hatten so etwas noch nie“, meint Icker. „Es kann an Sauerstoffmangel liegen. Bevor der Regen kam, wurde jede Menge Gülle zwischen Brahlstorf und Sückau ausgebracht.“

Sein Kollege vom Landesangelverband, Marko Röse, der derzeit im Urlaub ist, sei per Whatsapp informiert worden und vermute, dass der Sauerstoffmangel durch das Brackwasser entstanden ist, das wochenlang auf den Wiesen stand und nun in die Gewässer zurückfließe.

„Im Brackwasser entstehen Faulgase“, erklärt Ingo Schlicht. Er weiß auch, dass der Wasserpegel in dem alten Sudearm durch das Schöpfwerk Mahnkenwerder immer auf einer Höhe gehalten wird und dadurch das Wasser auch eigentlich in diese Richtung fließt. Um so erstaunlicher sei die Konzentration der toten Fische an dieser bestimmten Stelle weiter entfernt. „Wenn man auf der anderen Seite des Schöpfwerks steht, sieht man, was für ein Dreck aus dem alten Sudearm kommt“, berichtet er außerdem.

Jörg Icker kann Ähnliches aus der Gegend von Sückau berichten. Aber all das würde trotzdem nicht erklären, warum vor allem diese eine Sorte Fische betroffen sei und davon nur die großen und nicht die kleinen. Die beiden Gewässerwarte machen sich Sorgen, dass das rätselhafte Fischsterben auch auf andere Fischbestände übergreifen könnte. „Wir besetzen die Gewässer jedes Jahr mit Fischen im Wert von etlichen Tausend Euro“, geben beide zu bedenken.

Der Landkreis war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen.

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