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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 22:49 Uhr

Vellahn : Rätselhafter Knochenfund in Kirche

vom

Die derzeitigen Bauarbeiten an der Vellahner Pfarrkirche haben kürzlich einen unerwarteten Fund zu Tage gebracht: Beim Graben unter der Nordempore des Gotteshauses sind Arbeiter auf Knochen gestoßen.

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2012 | 06:45 Uhr

Vellahn | Die derzeitigen Bauarbeiten an der Pfarrkirche haben kürzlich einen unerwarteten Fund zu Tage gebracht: Beim Graben unter der Nordempore des Gotteshauses sind Arbeiter auf Knochen gestoßen. Die Bauexperten staunten nicht schlecht, als der Mini-Bagger eine gefüllte Schaufel ans Tageslicht beförderte. Statt Erde fanden sich darin etliche Knochenfragmente - vermutlich aus alten Gräbern. Ob sie menschlicher oder tierischer Natur sind, soll ein Anthropologe, also ein Wissenschaftler, der Menschen und ihre Entwicklung untersucht, genauer klären. Heute wird Pastor Christian Lange die sterblichen Überreste samt der lang erwarteten Expertise zurück erhalten.

"Am Freitag sollen die Knochen dann bei einer würdevollen Andacht wieder dem geweihten Boden übergeben werden. Und zwar unweit der Stelle, an der sie gefunden wurden", berichtet der Seelsorger, der seit Frühjahr 2011 für die rund 1020 Kirchgemeindeglieder aus Vellahn-Pritzier zuständig ist. Noch gut erinnert sich der 32-Jährige an den Fund. "Wir haben gleich das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege eingeschaltet und von dort wurde ein Archäologe geschickt, der alles dokumentiert hat. Wir haben jetzt in dem Boden eine Öffnung gelassen, um die Knochen wieder der Erde übergeben zu können. Das ist nämlich so üblich."

Das momentane Baugeschehen in der Kirche hat einen guten Grund. Ein Treff für Jung und Alt ist unter dem klerikalen Dach geplant. Nachdem zu Beginn der Arbeiten unter anderem elf Kirchenbänke ausgebaut worden sind, sie werden um ein Drittel eingekürzt, um Platz zu schaffen für eine Treppe in die Empore, hatte ein kleiner Bagger die Regie übernommen (SVZ berichtete). Eine Glasfront bis auf Fußbodenhöhe soll später die Ansicht verschönern, wo sich momentan noch eine Baufolie an die Rüstung schmiegt. Denn ein Gemeindezentrum wird direkt im Gotteshaus entstehen - mit einem etwa 31 Quadratmeter großen Gemeinderaum und darüber mit einer Winterkirche, die auf 49 Quadratmetern etwa 50 Plätze bietet. Denn im Herbst 2010 war das zweite Pfarrhaus einem Brand zum Opfer gefallen. Für die Zusammenkünfte der Kirchgemeindeglieder wurde es daraufhin einfach zu eng. Sie müssen seitdem den kleinen Keller im jetzigen Pfarrhaus gegenüber der Kirche als Gemeinderaum nutzen. Vier neue Räume plus Sanitärbereich sollen deshalb insgesamt bis voraussichtlich 8. Dezember dieses Jahres entstehen, durch die der sakrale Charakter des Gebäudes jedoch nicht beeinträchtigt wird. Dann soll Einweihung gefeiert werden. Zudem kann die Kirche künftig nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für weltliche Veranstaltungen wie Tagungen, Lesungen, Gemeindenachmittage und andere Zusammenkünfte genutzt werden. Zum Glück ist die Kirchgemeinde in der glücklichen Lage, dass die Versicherung finanzielle Mittel für das abgebrannte Pfarrhaus zur Verfügung stellt. Zusammen mit dem Geld des Kirchenkreises und der örtlichen Kirchgemeinde ist das Projekt also gesichert. Für Gemeindezentrum, Dach und Fassade sollen bis 2013 etwa 650 000 Euro investiert werden, berichtet der Pastor weiter, der außerdem vermutet, dass es unter der Kirche noch einige unentdeckte Gruften gibt.

"Es war früher durchaus üblich, Menschen in der Kirche zu bestatten. Je wichtiger die Person war, desto dichter wurde sie am Altar beigesetzt", weiß Lange. So könnte es beispielsweise unter dem Chorraum am Altar durchaus solch eine letzte Ruhestätte geben, "Wir werden aber jetzt nichts aufmachen, um danach zu suchen. So lange nichts absackt, gibt es auch für uns keinen Grund, aktiv zu werden. Unser Bemühen ist es nämlich, baulich so wenig wie möglich an der Kirche zu verändern."

Im 1194 erstmals urkundlich erwähnten Vellahn stand bis 1881 übrigens die älteste Dorfkirche Mecklenburgs überhaupt, ein turmloser Feldsteinbau aus dem späten 12. Jahrhundert. Für die große Gemeinde wurde von 1882 bis 1885 der heute bestehende Backsteinbau nach Entwürfen des Landesbaumeisters Hermann Schlosser unter Mitwirkung des namhaften Schweriner Architekten Theodor Krüger errichtet.

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