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SVZ-Fragen zum Wochenende : Rätselfee im Reich der Kreuzwörter

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Anni Bauer, 92 Jahre alt und „Dorforiginal“, wohnt seit 1950 in Gammelin. Sie genießt heute noch jeden Tag so, als wenn es ihr letzter wäre

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Betritt man Anni Bauers Küche, empfängt einen sofort der Charme vergangener Zeiten. Antike Möbelstücke, wie Küchenschrank, Tisch und Stühle, fallen in dem kleinen, aber dennoch gemütlichen Raum, sofort auf. „Die hat mein Ehemann um 1950 rum, als wir hier hergezogen waren, ganz allein gebaut. Er war von Beruf Stellmacher und konnte nebenbei sehr gut tischlern. Damals baute er sogar ein Kinderbettchen“, erinnert sie sich. Bunte Alpenveilchen stehen liebevoll aufgereiht auf dem Fensterbrett und blühen fröhlich vor sich hin. „Die pflege ich schon sehr lange und stelle sie erst wieder hinaus, wenn der Frühling vor der Tür steht“, erklärt sie. Es miaut. Auf dem Küchenboden sitzt ein schwarzer Kater, dem es wohl so gar nicht gefällt, nicht sofort im Mittelpunkt zu stehen. Das Tier sei ihr vor einigen Jahren einfach zugelaufen, erklärt die Seniorin. Der kleine Stubentiger umschlängelt ihre Beine. Es hilft nichts. Er muss raus. An die frische Luft. „Du kleiner Frechdachs, du“, schilt die 92-Jährige ihren Kater scherzhaft, nimmt ihn kurzerhand auf den Arm und trägt ihn aus der Küche.

Anni Bauer, auch spaßeshalber von etlichen Einheimischen als „Dorforiginal“ betitelt, ist eine Frau, die ihrem hochbetagten Alter mit viel Bewegung und Humor zu trotzen scheint. Und allem Anschein nach, noch viel Lebensenergie besitzt. Doch die alte Dame, die gebürtig aus Dolle bei Magdeburg stammt, ist nicht nur Naturliebhaberin und dankbare Nachbarin, sondern bereits schon vierfache Groß- und Urgroßmutter. „Meine Familie wohnt zwar in Berlin, aber wir haben regelmäßig Kontakt“, erzählt sie. Langeweile käme bei ihr niemals auf. „Ich liebe es, meinen Kreuzworträtseln täglich nachzugehen und halte mich so geistig fit,“ verrät sie.

1950 heiratete sie ihren Mann Walter, der gebürtiger Gammeliner war. Sie zogen in das Haus ihrer Schwiegereltern und seitdem wohne sie in dem 500-Seelendorf. „Hier fühle ich mich wohl“, gesteht sie. Einsam sei sie nie, denn wenn sie in ihrem großen Garten arbeite, treffe sie ständig Bekannte, die an ihrem Zaun stehen bleiben und einen Plausch mit ihr halten. „Außerdem habe ich hier meine Freunde. Wir treffen uns regelmäßig zum Schnattern“, betont sie und lacht laut. Einmal im Monat nehme sie sogar an einer „Kaffeetafel“, die im örtlichen Feuerwehrhaus stattfinde, teil, um so ihre sozialen Kontakte zu pflegen. Am Leben so weit es möglich ist, teilzunehmen, es auch zu genießen, sei ihr größter Ansporn.

SVZ-Mitarbeiterin Franziska Meier beantwortete die hochbetagte Frau die beliebten Fragen zum Wochenende.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Wenn man so alt ist wie ich, hat man eigentlich kein Lebensmotto mehr (lacht). Aber ich habe immer auf mein Bauchgefühl vertraut.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Draußen in der Natur. Am liebsten bin ich in meinem Garten und arbeite dort.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als ich so alt war, dass ich Geld verdienen konnte, war bereits der Zweite Weltkrieg im Gange. Ich kam mit 18 Jahren zum Arbeitsdienst. Meistens für ein Jahr. Da war ich erst auf einem Bauernhof beschäftigt. Danach wurde ich durch den Kriegshilfsdienst nach Düsseldorf geschickt. Da arbeitete ich ein Jahr lang als Straßenbahnschaffnerin. Hinterher kam ich in die Artillerieschule. Dort wurde ich als Telefonistin eingesetzt. So lernte ich auch meinen Mann kennen. Der war damals in der Schreibstube tätig.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich dafür damals überhaupt Geld erhalten habe. Aber mein erstes Möbelstück kann ich noch nennen: es war eine Nähmaschine. Damals haben wir uns unsere Blusen, Kleider und Röcke noch selbst genäht. Die Maschine habe ich heute noch.
Wo findet man Sie am ehesten?
Zu Hause, im Garten.
Was stört Sie an anderen?
Ach, das ist mir egal, was die anderen machen. Ich mach’ doch auch das, was ich will.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Ich selber (lacht).
Was würden Sie gern noch können?
Nach Mallorca reisen. Ich bin damals so viel herumgekommen. Mein Mann und ich haben auch schon die gesamte Ostseeküste entlang bereist.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Dass ich weiterhin noch so selbstständig bin. Ich wache jeden Morgen auf und bin dankbar sowie glücklich, wenn ich mich noch selber anziehen kann, den Haushalt auch alleine gemeistert bekomme und mich versorgen kann.
Wen würden Sie gern einmal treffen?
Helene Fischer. Die kann gut singen. (lächelt)
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Butter, Wurst und Milch.
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich bekoche mich jeden Tag selbst. Meistens gibt es deutsche Küche. Aber eigentlich immer, worauf ich gerade Appetit habe. Meine Nachbarn sind so nett und nehmen mich jeden Freitag nach Hagenow zum Einkaufen mit. Ich bin ihnen daher sehr dankbar.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Familie, meine Freunde und meine Kreuzworträtsel. Ohne all das, wäre mir wahrscheinlich sterbenslangweilig.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich habe keine Träume mehr.
Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Ausdauernd
Wo ist für Sie Heimat?
Hier in Gammelin. Mein Sohn ist zwar vor vielen Jahren nach Berlin gezogen, hat dort eine Familie gegründet, aber ich lebe hier schon über fünfzig Jahre, hier sind meine Wurzeln und hier fühle ich mich wohl.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
1. Noch jünger zu sein.
2. Besser laufen zu können.
3. Mehr körperliche Kraft zu haben.
Verraten Sie uns, was kaum jemand über Sie weiß?
Ich hab keine Geheimnisse mehr.
Welches ist Ihre erste Erinnerung an das Reisen?
Meine Hochzeitsreise nach Kühlungsborn. 14 Tage lang waren wir im Sommer dort oben zu zweit unterwegs. Einfach nur traumhaft!

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