Darchau : Projekt Elbbrücke: Letzter Strohhalm bleibt MV

Die Elbfähren (hier „Tanja“) sichern im Amt die Verbindungen zur anderen Elbseite.
Die Elbfähren (hier „Tanja“) sichern im Amt die Verbindungen zur anderen Elbseite.

Arbeitsgruppe „Ergebnisoffene Prüfung von Elbbrücken-Varianten“ legt Kreistag ersten Zwischenbericht vor

von
20. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Offiziell liegt das Projekt Elbbrücke im Amt Neuhaus zurzeit auf Eis. Im Hintergrund lotet allerdings die Arbeitsgruppe „Ergebnisoffene Prüfung von Elbbrücken-Varianten“ des Kreistags Chancen aus, das Thema erneut auf die Tagesordnungen der politischen Gremien zu bringen. Nach gut einem Jahr hat Berni Wiemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe, nun einen ersten Zwischenbericht vorgelegt.

„Wir wurden vom Kreistag beauftragt baulich-technische Alternativen, Finanzierungsmöglichkeiten und eine mittelfristige Verbesserung der verkehrlichen Anbindung des Amtes Neuhaus an den Landkreis Lüneburg zu prüfen“, erklärt Wiemann. Mit wenigen Ausnahmen habe sich die Gruppe, seit ihrer Gründung am 19. Dezember 2016, monatlich getroffen. Und bei den Sitzungen habe sich gezeigt: „Es gibt im Prinzip keine Alternativen zu der bisher geplanten Brücke, die kostengünstiger sind. Die Stelle ist die richtige, ebenso die Bauweise, als Schrägseilbrücke.“

Daneben sei die bessere verkehrliche Anbindung des Amtes Neuhaus in Angriff und weitestgehend abgeschlossen worden. Dabei spiele das integrierte Mobilitätskonzept des Landkreises eine wichtige Rolle, in das die Gemeinde mit einbezogen werden soll. Eine optimale Anbindung gibt es aber wohl nur mit einer Brücke. Sie könnte die wirtschaftliche Entwicklung in der Region vorantreiben, meint Wiemann. „Linkselbisch haben wir einen Arbeitskräftmangel, Zuwanderung und eine Kostenexplosion bei Mieten. Rechtselbisch gibt es Arbeitsplatzverluste, Abwanderung und Leerstand. Das Ziel muss sein, die wirtschaftliche Entwicklung durch eine bessere Verkehrsanbindung anzugleichen.“

Daran habe laut Wiemann auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim Interesse. Gespräche mit Rolf Christiansen, Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, habe es schon gegeben. Eine entscheidende Hilfe bei der Finanzierung ist aus dessen Kasse aber offenbar nicht zu erwarten. Und die Kosten sind noch immer der Knackpunkt für das Projekt. „Wir müssen einen Schulterschluss versuchen“, so Wiemann. „Denn um den Bau finanziell zu stemmen, müssten die beiden Länder Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern (MV) sowie die Landkreise Lüneburg und Ludwigslust-Parchim zusammenarbeiten.“

Ein schwieriges Unterfangen: Schon im Mai 2015 hatte MVs Innenminister Lorenz Caffier deutlich gemacht, dass eine finanzielle Förderung durch sein Land nicht möglich sei. Das bekräftigte Finanzminister Mathias Brodkorb nochmals vor wenigen Tagen in einer Antwort an Landrat Manfred Nahrstedt.

Dieser hatte im Auftrag der Arbeitsgruppe und des Vereins Brückenbauen e.V. angefragt, ob MV Fördergelder vom Bund erhalten habe, die eigentlich Niedersachsen zustehen würden. Hintergrund sind Mittel u.a. aus dem Fonds Deutsche Einheit und dem Solidarpakt I und II. Die Höhe dieser Fördergelder sei entsprechend der Einwohnerzahlen vom 30. Juni 1991 berechnet worden. Damals gehörte das Amt Neuhaus noch zu MV, erst 1993 wurde es rückgegliedert. 6 100 Einwohner wurden damit zu Niedersachsen, für sie habe aber MV Geld bekommen.

Ob zu Unrecht, soll nun ein Gutachten von Prof. Dr. Bernd Hartmann zeigen. „In einem Vorgutachten ist er zu dem Schluss gekommen, dass der Landkreis Lüneburg keine Ansprüche geltend machen kann, aber eventuell das Land Niedersachsen“, so Wiemann. „Auch wenn es so ist, wollen wir lieber in Freundschaft verhandeln. Der moralische Druck auf MV würde aber wachsen.“ Ohne Hilfe vom Nachbarland, und da ist sich Berni Wiemann sicher, bleibt die Elbbrücke nur ein Wunschgedanke.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen