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Boxen mit Michael Timm in Zarrentin : Profi lobt Mädels mit Schlagkraft

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Konzentrierter Blick. Fäuste am Kopf. Die Rechte von Kim Wildhagen knallt gegen die Hallenwand. Die Schülerin kneift ihre Augen zusammen. Für die 14-Jährige ist Boxen "keineswegs brutal, wie viele denken". Im Gegenteil.

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erstellt am 13.Mär.2012 | 09:46 Uhr

Zarrentin | Konzentrierter Blick. Fäuste dicht am Kopf. Die Rechte von Kim Wildhagen knallt gegen die Hallenwand. Die Schülerin kneift ihre Augen zusammen, als ist sie selbst erschrocken von ihrer Schlagkraft. Für die 14-Jährige ist Boxen "keineswegs brutal, wie viele denken". Ganz im Gegenteil. "Es ist befreiend und fördert die Selbstbeherrschung." Deshalb ist sie am Ball geblieben, hat die Mädchen der 7. bis 10. Klasse der Zarrentiner Fritz-Reuter-Schule zusammengetrommelt und gemeinsam mit ihnen ein Training mit dem bekannten Boxtrainer Michael Timm absolviert.

Seit März 2010 kommt der Sportler vier Mal im Jahr nach Zarrentin, um für "Sport statt Gewalt" Kinder und Jugendliche mit der Kunst des Boxens vertraut zu machen. Das soll jetzt noch öfter so sein. Einmal im Monat will Timm künftig an der Schule trainieren. Zur Freude vom stellvertretenden Schulleiter Norbert Möller, der selbst Sportlehrer ist. "Früher stand Kampfsport regulär auf dem Lehrplan. Leider ist das nicht mehr so, obwohl das die Raufereien auf dem Schulhof lenken könnte." Die Vorteile: Auspowern, und Werte und Philosophien vermitteln. "Sie lernen ihren Körper zu schützen und sich selbst und ihren Gegner zu achten", nennt Norbert Möller Beispiele. Deshalb ist der Sportlehrer froh, dass er seit kurzem immer montags und dienstags Selbstverteidigung, Kickboxen und Kung-Fu anbieten kann. Der Sportler El Basiouni hat sich angeboten, und die Schule sofort dankend zugesagt. Etwa zwölf Kinder nehmen während der Ganztagsschule daran teil.

"Cool, aber gar nicht so einfach", sagt Jennifer Kühn, die das erste Mal den Box-Handschuh übergestülpt hat. Ihre Gegnerin zuckt zurück und fasst sich ins Gesicht. "Aua." Beide kichern. Die Mädchen sollen unter sich, ganz in Ruhe und ohne Zuschauer, an den Sport herangeführt werden, so Norbert Möller. Und Vertrauen und Gefühl für den eigenen Körper gewinnen. Sport statt Gewalt sei bei Mädchen nicht das vordergründige Thema. "Sie sind weniger gewaltbereit, aber sportbegeistert."

Soweit, dass Kim Wildhagen schon einen eigenen Box-Sack zuhause hängen hat und regelmäßig die Fäuste fliegen lässt. "Ich würde das auch an der Schule gerne öfter machen", sagt die Schülerin. Die anderen Bewegungsabläufe, das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Klassen - Boxen sei zwar ein außergewöhnliches Hobby, vor allem für Mädchen, aber toll. Die 14-Jährige fährt sogar zu großen Kämpfen nach Hamburg. Und jetzt mit so einer Größe wie Michael Timm zu trainieren - "Super", sagt Kim. Sie hält die Fäuste hoch. Ihre Gegnerin Lara Leverenz schlägt abwechselnd ihre Linke und Rechte gegen die Handschuhe von Kim. Dabei hüpft sie locker auf den Fußsohlen. "Denkt an die Beinarbeit", ermahnt Michael Timm die Mädchen. "Die Koordination von Armen und Beinen ist ganz wichtig", erklärt der Trainer. "Und die Beweglichkeit." Weit mehr also, als "einfach wahllos drauf losschlagen". Und ganz wichtig im Sinne von Sport statt Gewalt: Für jedes Problem gebe es immer eine Lösung.

Timm schaut genau hin, verbessert und zeigt, wie es aussehen muss. "Sehr gut", lobt er Lara, die weiter konzentriert auf Kims Fäuste zielt. So langsam zeichnen sich Schweißperlen auf ihrer Stirn. "Ganz schön anstrengend, aber es macht Riesenspaß." Und weil man sich dabei so auspowern kann, wollte die Schule - wenn schon nicht als Unterrichtsfach - Boxsäcke aufhängen, um Aggressionen während der Pausen abzubauen oder gar vorzubeugen. Doch die Auflagen dafür, wie Aufsicht durch Lehrer oder räumliche Voraussetzungen, könnten nicht gewährleistet werden, bedauert Lehrer Norbert Möller.

Dafür hält Michael Timm die Schüler jetzt öfter in Schwung. Die Fäuste der Mädels prasseln zum Abschluss nochmal gegen die Wände der Halle. Dabei vergessen Kim und ihre Mitschülerinnen eines nicht: das Lächeln. Neben allem sportlichen Ehrgeiz.

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