Jagd : Preise für Schwarzwild im Sturzflug

Im Visier der Jäger: Durch Jagdaufrufe und -anreize solll der Wildschweinbestand gesenkt werden.
Im Visier der Jäger: Durch Jagdaufrufe und -anreize solll der Wildschweinbestand gesenkt werden.

Zu viel Wildschweinfleisch auf dem Markt setzt Wildhändler unter Druck

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11. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Für Freunde von Wildschweinbraten oder -gulasch stehen rosige Zeiten an, das meint Hannes Koopmann vom Forstamt Jasnitz. „Die Preise für Fleisch vom Wildschwein werden für den Verbraucher sicherlich fallen.“ Hintergrund ist das Sofortprogramm zur Reduzierung der Schwarzwildbestände. „Es soll Anreize schaffen, mehr Wildschweine zu erlegen“, so Koopmann. „Das Ganze ist eine Präventionsmaßnahme gegen die Afrikanische Schweinepest, die sich in einigen Ländern Osteuropas ausgebreitet hat. Sind weniger Tiere im Bestand, wird die Ansteckung schwieriger.“

Ein Bestandteil des Programms ist beispielsweise die Aufwandsentschädigung, landläufig auch Pürzelprämie genannt. Seit dem ersten Dezember können private Jäger für jedes erlegte Wildschwein eine Entschädigung in Höhe von 25 Euro beantragen. Daneben wurde auch das Jagdrecht geändert. „Die Freigaben wurden gelockert, das spüren wir schon jetzt. Obwohl unser Forstamt kein Schwerpunkt beim Schwarzwild ist, gehen die Zahlen auch bei uns nach oben“, erzählt Koopmann. Mit Blick auf die Afrikanische Schweinepest sei das grundsätzlich gut. Dennoch gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. „Die fleischverarbeitenden Betriebe haben Angst mit Schwarzwild überschwemmt zu werden.“

Noch habe er wenig damit zu tun, meint Ingo Spindler, Inhaber von Spindler Wildbearbeitung in Hagenow. „Aber es wird kommen, und der Markt ist sowieso schon dicht.“ Für Christian Reyers vom Jagdhaus Dellien sind die gelockerten Freigaben schon jetzt spürbar. Jäger würden immer mehr Wildschweine zu ihm bringen. „Aktuell zahlen wir deshalb 80 Cent pro Kilo. Das ist für uns schon wenig. Im Sommer waren es noch zwei Euro. Große Händler zahlen aber mittlerweile nur noch zehn bis 20 Cent pro Kilo, und das nur für gute Schüsse.“ Wenn ein Schuss dagegen etwas daneben ging, sei es noch weniger. Einige würden dann lediglich noch eine kostenlose Abnahme anbieten.

Davor hatte schon die Geschäftsführerin des Landesjagdverbandes, Kati Ebel, Mitte Oktober gewarnt, nachdem dem Aufruf von Agrarminister Backhaus zur massiven Jagd auf Wildschweine. Wenn Großhändler die Tiere nicht kaufen, müssten sie von den Jägern privat vermarktet werden. Es dürfe nicht soweit kommen, dass Wildschweine über die Tierkörperentwertung entsorgt werden.

Gerade darauf scheint es aber hinauszulaufen. Die Großhändler stehen unter Druck, es ist zu viel Fleisch auf dem Markt. Da können sie es sich offenbar leisten schlechte Schüsse rigoros auszusortieren. Daneben zeige sich schon ein weiteres Problem. „Schwarzwild wird teilweise nicht mehr als hochwertiges Wild dargestellt“, so Christian Reyers. Auch werde damit begonnen es zu verramschen.

Soweit will das Forstamt Jasnitz nicht gehen. Aber auch hier sind sich alle der Problematik bewusst. „Wir wollen Möglichkeiten schaffen, Schwarzwild breiter zu vermarkten“, so Hannes Koopmann. „Der Preis wird wohl runtergesetzt.“

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