Neuhaus : Poststreik: einfach nur noch genervt

Mit leeren Händen stehen Ramona Eissing, Mandy Schaurich, Simone Mlik und Wiltrud Tewes im Laden.
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Mit leeren Händen stehen Ramona Eissing, Mandy Schaurich, Simone Mlik und Wiltrud Tewes im Laden.

Jeden Tag haben Wiltrud Tewes und ihre Mitarbeiterinnen mit frustrierten Kunden zu tun / 5000 Werbebriefe nicht bei Kunden angekommen

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01. Juli 2015, 08:00 Uhr

„Meine Mitarbeiterinnen und ich sind nur noch genervt und die Kunden sind genervt. Der Streik geht nun in die vierte Woche, unser Verständnis für den Poststreik ist aufgebraucht.“ Wiltrud Tewes macht ihrem Ärger Luft und hofft, dass der Streik bald ein Ende nimmt. Kunden schimpfen und verstehen häufig nicht, dass die Mitarbeiterinnen zum Elektrofachgeschäft von Wiltrud und Bernd Tewes gehören und keine Postangestellten sind.

„Wir können keine Auskünfte erteilen, denn wir selbst bekommen überhaupt keine Informationen von der Post, was ich wirklich schlimm finde“, so Wiltrud Tewes. Sie fürchtet den heutigen Tag, wo viele Arbeitslosengeldbezieher in der Postfiliale stehen werden, um ihren Scheck abzuholen. Doch der ist dann nicht da.

Für das Geschäft und für den Elektroinstallationsbetrieb wird, wenn es geht, bei Bestellungen auf andere Paketdienste ausgewichen. Aber weil Ersatzteile nicht nach Neuhaus kommen, wurde der Monteur schon in Urlaub geschickt. „Wir haben zurzeit auch einen Inventurverkauf mit reduzierten Preisen und hatten dafür 5000 Briefe drucken und verschicken lassen. Wo die jetzt herumschwirren, weiß ich nicht. Es ist auf jeden Fall kein einziger bei einem Kunden angekommen. Wir haben daher beschlossen, den Inventurverkauf noch bis zum 10. Juli zu verlängern“, ist Wiltrud Tewes frustriert. Seit dem 9. September im Jahr 2003 führt sie die Postfiliale in ihrem Geschäft. Sonst ist immer was los, aber jetzt hat sich die Kundenzahl halbiert. Das innerhalb der Bundesrepublik tatsächlich noch 80 Prozent der Briefe und Pakete zugestellt werden, wie die Post immer behauptet, glaubt die Geschäftsinhaberin nicht. Sie hört sich jeden Tag die Geschichten der Postkunden an. Wie die der 80-jährigen Dame, der man den Telefonanschluss stillgelegt hat. „Die Rechnung hat sie nicht gleich bezahlt, eine Mahnung nicht bekommen und dann ging das Telefon nicht mehr. Wir haben die Auskunft erhalten, dass die Stilllegung automatisch in einer bestimmten Frist erfolgt, aber so eine alte Dame ist ja bestimmt auf ihr Telefon angewiesen.“

Rechnungen gehen raus und werden nicht beglichen, weil sie die Leute nicht erreichen. „Die Agrarproduktion kann ihre Tiere nicht verkaufen, weil das Gesundheitszeugnis nicht eintrifft, Medikamente kommen nicht an, abgegebene Blutproben verderben auf dem Weg ins Labor, es gibt unzählige Bespiele, die wir hier gehört haben und die eine Belastung für die Menschen darstellen und keiner weiß, wie es weitergeht.“

Wenn die Mitarbeiterinnen auch keine Auskunft geben können, so nennen sie den aufgebrachten Kunden immer die „Hotline in Streikfragen!“ (0228-76367650). „Man braucht da aber eine gehörige Portion Geduld“, so Mandy Schaurich.

Den kompletten Beitrag finden Sie im e-Paper Programm unserer Zeitung und natürlich in der Printausgabe am Mittwoch.

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