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Polnische Leiharbeitsfirma füllt Lücken mit Landsleuten : Polnischer Arbeitsexpress steht unter Volldampf

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Sie sind meist jung, gut ausgebildet, kommen nicht nur des Geldes wegen und sie sprechen fast ausschließlich polnisch. Die Rede ist von Leiharbeitern aus dem Nachbarland die gezielt nach Westmecklenburg gebracht werden.

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2013 | 08:58 Uhr

Wittenburg/Gallin | Sie sind meist jung, gut ausgebildet, kommen nicht nur des Geldes wegen und sie sprechen fast ausschließlich polnisch. Die Rede ist von Leiharbeitern aus dem Nachbarland, die von der polnischen Zeitarbeitsfirma "Work express" gezielt nach Westmecklenburg gebracht werden. Inzwischen arbeiten allein im westlichen Teil des Landkreises mehr als 100 Leute. Tendenz, schnell steigend. Mit den oft üblichen Drückermethoden will das in Katowice ansässige Unternehmen nichts zu tun haben.

"Wir entsenden ausschließlich Polen, wir zahlen den im Westen üblichen Lohn von mindestens 8,19 Euro die Stunde und wir haben mit Werksverträgen nichts zu tun", betont Projektmanager Krzysztof Kobeldis. Der hätte auch gern erzählt, wo seine Leute überall zum Einsatz kommen, doch das wollten die betroffenen Firmen auf keinen Fall in der Zeitung lesen. Aus Sicht der Polen typisch, denn sie haben praktisch jeden Tag mit Vorurteilen zu kämpfen. "Da bekommen wir die ganze Bandbreite der gängigen Vorurteile zu spüren. Wenn wir dann eine Weile zusammengearbeitet haben, hört das dann auch auf", weiß Roman Brol von "Work express" aus eigener Erfahrung. Die Firma gehört mit insgesamt 4000 bis 5000 Beschäftigten auch in Polen zu den Großen der Branche. Der Auftritt der Polen bleibt nicht unbemerkt, wird jedoch als Teil des flexiblen Arbeitsmarktes gesehen. "Grundsätzlich haben wir als DGB nichts gegen die Freizügigkeit des Arbeitsmarkts und wir sind auch nicht Anhänger protektionistischer Tendenzen. Wichtig ist nur, dass es im Betrieb den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit gibt und nicht mittels der Leiharbeit tarifliche Regelungen ausgehebelt werden", mahnte Ingo Schlüter vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Schwerin. Auch die Vereinigung der Unternehmerverbände für MV kann an dem aktiven Geschäftsgebaren der Polen nichts Schlechtes finden, wie Sprecher Jens Matzschens auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte. "Wir haben jetzt erst seit wenigen Monaten die Freizügigkeit für polnische Arbeitnehmer. Das was da passiert, ist gut für die Harmonisierung des Arbeitsmarktes in Europa. Und wenn es keinen Bedarf in der Region gäbe, könnte das Unternehmen auch nicht so agieren. Wichtig ist, dass Regeln eingehalten werden. Doch da gibt es aus unserer Sicht auch inzwischen ein strenges Korsett für die Firmen, damit es eben kein Lohndumping gibt."

Das sehen auch die Polen so. Offiziell müssten sie nur den im Osten üblichen Mindestlohn zahlen. "Das können wir aber nicht, weil viele unserer Leute schon sonstwo in Europa gearbeitet haben. Die haben klare Vorstellungen. Und um die Leute zu gewinnen, zahlen wir den höheren Mindestlohn", so Projektmanager Kobeldis. In seinem Geschäft geht es nicht um Hilfskräfte. Dafür würde sich der Aufwand nicht lohnen. Immer mehr würden sich Firmen auch gezielt an die Polen wenden, weil sie Fachkräfte wollen. Und das nicht für ein paar Tage sondern möglichst dauerhaft. Man mache sich dann in der Heimat auf die Suche nach entsprechenden Fachleuten. "Alles bekommen wir aber auch nicht hin, wir wollen auch nicht zu viel versprechen", gibt Roman Brol in fast akzentfreiem Deutsch zu. Doch etliche Firmen habe man schon helfen können, zum Teil mit kompletten Brigaden.

Und für die Polen? Für die lohnt sich das, vor allem für jüngere Leute. Das erfuhr SVZ in einem Gespräch mit jungen Polen in einer Unterkunft in Wittenburg. Trotz des Aufschwungs in der polnischen Wirtschaft ist für viele Polen ein Job in Deutschland immer noch sehr erstrebenswert. Gemessen an dort üblichen Durchschnittslöhnen können sie immer noch das Vierfache des in der Heimat Üblichen verdienen. Nicht wenige Polen sind daher auch gekommen, um für immer zu bleiben. Erst vor ein paar Tagen feierten zwei Angestellte in der Nähe von Lüttow Hochzeit.

Fachkräftemangel, das ist auch aus Sicht von Veronika Sohra von der Bundesagentur für Arbeit, die treibende Kraft auf dem Arbeitsmarkt. Die Expertin vom Arbeitgeberservice sieht Agieren der Polen ganz sachlich. "Der Markt ist da, die deutschen Leiharbeitsfirmen können den Bedarf schon lange nicht mehr decken. Und mit Lohndumping auf Kosten der Stammbelegschaft haben die Leiharbeiter bei uns nur noch wenig zu tun. Ich kenne so gar eine Firma, in der die Leiharbeiter mehr bekommen als die Stammbelegschaft. Viele Firmen haben jetzt schon ein Problem auf der Suche nach den richtigen Leuten. Da sind ausländische Leiharbeitsfirmen ein Teil der Lösung. Denn der Mangel an guten Leuten wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen."

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