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Protest gegen Musikfestival in Wittenburg : Polizeinotruf schon vor der Party

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Am Freitag soll ein entspanntes Musikspektakel beginnen, doch Anwohner und Behörden sorgen in Wittenburg für reichlich Misstöne schon vor dem Fest. Das Amt hat sogar ein Beschwerdetelefon eingerichtet.

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2012 | 06:34 Uhr

Waschow | Für die einen ist es Entspannung pur, für die anderen der blanke Horror: Wenn Tino Amann heute Mittag die ersten Platten auflegt, dann freut er sich auf ein erholsames Wochenende auf der Festwiese an der Waschower Chaussee. "Die Leute, die herkommen, wollen abschalten, ihre Seele baumeln lassen, Spaß haben."

Spaß - der vielen Bewohnern in den angrenzenden Dörfern offensichtlich schon im Vorfeld der Party vergangen ist. Bereits in der Nacht zu Mittwoch haben sich Ziggelmarker am Telefon bei Wittenburgs Bürgermeister Norbert Hebinck über das laute Basshämmern nachts um halb eins und um halb fünf beschwert. Und in der Nacht zu gestern schließlich wählt Wittendörps Bürgermeister Jürgen Nadzeika den Polizeinotruf. "Es gab massive Beschwerden wegen Ruhestörung", sagt er. "Glücklicherweise war zehn Minuten nach meinem Anruf wieder Ruhe."

Dabei ist das Musikfestival auf der zehn Hektar großen Freifläche zwischen Waschow und Wittenburg noch nicht einmal losgegangen. Erst heute Abend wird Tino Amann seine Anlage richtig aufdrehen. Er hat die Boxen unter dem bunt glitzernden Foliendach extra so ausgerichtet, dass die Töne auf der Tanzfläche bleiben. "Wir arbeiten mit einem Gegenschallsystem, da sollte nicht so viel nach außen dringen." Der gebürtige Mecklenburger ist der Veranstalter des Festivals. Er rechnet mit vielleicht 1000 Besuchern. Dass er hier im Vorfeld auf so viel Gegenwind stößt, überrascht ihn. "Wenn wir in Hamburg oder Berlin spielen, ist das ein Happening. Ärger gibt’s kaum und dort sind wir mitten in der Stadt."

Hier in Wittenburg hätte man dem jungen Mann aus Pinneberg das Festival am liebsten verboten. "Wir wissen aus Erfahrung, dass das nur Ärger gibt", sagt Wittenburgs Bürgermeister Norbert Hebinck. "Diese Veranstaltung ist so überflüssig wie ein Kropf." Sein Ordnungsamt habe dem Veranstalter einen zehn Seiten langen Auflagenkatalog zukommen lassen. "Wenn er sich daran nicht hält, dann können wir die Veranstaltung kippen", sagt Jürgen Gohr. Der Fachbereichsleiter für Bürgerdienste wird heute Morgen mit anderen Behördenvertretern prüfen, ob sich Amann an die Regeln hält. "Er ist aber jetzt schon auf einem guten Weg, mich sauer zu machen", sagt Gohr. Denn mit den lauten Probeläufen mitten in der Nacht habe er ganz klar gegen Absprachen verstoßen."

Tino Amann fühlt sich gut vorbereitet. Er hat Dutzende Dixi-Toiletten auf das Gelände karren lassen, es wird abgetrennte Duschkabinen geben, weitläufige Parkplätze, eine Fläche für die Zelte, jede Menge Stände und eine Shisha-Wasserpfeifen-Lounge. "Ich habe viel in dieses Fest investiert", sagt er. "Das lasse ich mir jetzt nicht kaputt machen." Hält er sich an alle Auflagen, wird die Stadt ihm das Fest nicht verbieten. "Die Behörden tun alles, was gesetzlich möglich ist, um es erträglich zu gestalten", sagt Hebinck. Der Bürgermeister hätte sich gewünscht, dass der Verpächter der Partyfläche, Walter Strube, vorher an die Stadt herangetreten wäre. "Von einem Stadtvertreter und Kreistagsmitglied kann man das doch erwarten." Doch der Zarrentiner Abgeordnete Strube (60) hat da seine eigene Meinung. "Freiheit ist für alle Menschen da. Egal, wie alt sie sind", sagt er. Das gilt ja auch für Schützen, Radler, Skifahrer oder Jäger. "Dann muss man eben auch mal dulden, dass junge Menschen 48 Stunden auf einer Stelle trampeln möchten." Denen, die das aufregt, rät er, mal selbst hinzufahren und am besten gleich die Kinder und Enkel mitzunehmen.

Für die, die sich ab heute von der Musik gestört fühlen, hat das Amt ein Beschwerdetelefon eingerichtet. Die Nummer 038852-33445 ist rund um die Uhr erreichbar.

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