Prognos-Studie : Platz 370?! „Das spornt uns nur an“

<p>Schaubild für die Prognos-Studie: 402 Kreise gibt es in Deutschland, Ludwigslust-Parchim kam auf den 370. Platz, Schwerin auf Platz 352. Rechts sind die Hauptkriterien dargestellt, die Risiken steigen in dieser Darstellung je mehr sich die Farben dem blauen Spektrum nähern. Der Landkreis will diesen unrühmlichen Platz möglichst schnell verlassen.</p>
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Schaubild für die Prognos-Studie: 402 Kreise gibt es in Deutschland, Ludwigslust-Parchim kam auf den 370. Platz, Schwerin auf Platz 352. Rechts sind die Hauptkriterien dargestellt, die Risiken steigen in dieser Darstellung je mehr sich die Farben dem blauen Spektrum nähern. Der Landkreis will diesen unrühmlichen Platz möglichst schnell verlassen.

Vize-Landrat Wolfgang Schmülling will bei der Platzierung der viel beachteten Prognos-Studie künftig wenigstens die Landeshauptstadt schlagen

svz.de von
16. Juni 2016, 12:00 Uhr

Das hat gesessen: Einmal im Jahr wird im Zukunftsatlas der Prognos-Studie nach zahlreichen Indikatoren die Rangfolge der Landkreise bestimmt. Und Ludwigslust-Parchim, von Minister Till Backhaus seit Jahren als schönster und süßester Landkreis bezeichnet, landet abgeschlagen auf dem 370. Platz von 402.

„Das schmerzt, das tut weh, vor allem weil wir alle glauben, dass die gefühlte Lage deutlich besser ist. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es sich hier um eine bewährte Studie mit nachvollziehbaren Kriterien handelt. Und das ist zu akzeptieren. Wobei mich natürlich schon wurmt, dass ausgerechnet die Landeshauptstadt Schwerin mit Platz 352 doch deutlich vor uns liegt. Das spornt uns an, das wollen wir ändern“, zog Wolfgang Schmülling der stellvertretende Landrat eine Bilanz.

Schmülling zog aber auch viele Ergebnisse der Studie in Zweifel. „Wenn ich das alles so lese, dann geht es den Regionen, wo die großen Autokonzerne zu Hause sind, richtig  gut. Ob das nun München, Hannover, Wolfsburg oder Ingolstadt ist. Aber ob das nach den jüngsten Skandalen weiter so sein wird, ziehe ich mal in Zweifel. Wenn so ein Konzern Schnupfen hat, bekommt die Region gleich eine Lungenentzündung. Das ist bei uns anders. Wir sind von keinem Konzern abhängig, wir haben einen breiten Mittelstand mit vielen Betrieben. Das ist zwar nicht so dynamisch, aber auch solider.“

Gar nicht verstehen kann Schmülling die Beurteilung des Arbeitsmarktes in der Studie: „Wir sind kreisweit aktuell bei 6,6 Prozent, und ohne unsere Problembereiche stünde da längst eine 5 vor dem Komma. Damit sind wir bundesweit doch nicht hinten.“ Allerdings, das räumt der Sozialdemokrat ein, erhöhte sich mit der sinkenden Arbeitslosigkeit auch das Risiko für die Firmen in der Region, überhaupt noch passende Arbeitskräfte zu finden. Der Kampf um die Rückkehr von Pendlern habe gerade erst begonnen.

Für den erfahrenen Verwaltungsbeamten, der ursprünglich aus dem Ruhrpott kommt, ist in der Studie auffällig, dass die ostdeutschen Gebiete generell schlechter abgeschnitten hätten. „Ich bin mir nicht sicher, ob man 25 Jahre Aufholjagd nach der Wende mit durchgehender Aufbauarbeit in der Bundesrepublik Deutschland seit Kriegsende richtig verglichen hat.“

Aber Gejammere helfe nicht weiter. „Ich vergleiche das mal mit den Ansprüchen von Menschen, die wir in Einstellungsgesprächen haben. Und die erwarten ganz klar einen funktionierenden Nahverkehr, eine gute bis sehr gute Wohnqualität,  Schule oder Kindergärten in der Nähe, Einkaufsmöglichkeiten und nicht zuletzt eine sehr gute Internetverbindung. Daran werden wir gemessen, sonst kommt keiner her.“

Dem Landkreis kommt die Diskussion, die  die Rangliste ausgelöst hat, nicht ungelegen.  Arbeitet er doch seit Monaten an einem Kreisentwicklungskonzept. Bereits in den kommenden Tagen soll nach langer Vorbereitung der offizielle Anstoß dazu gegeben werden. Über alle möglichen Kanäle will der Kreis viele Menschen beteiligen und erreichen. Das wird nicht einfach, wie vergleichbare Projekte in der Vergangenheit gezeigt haben. Schmülling: „Verwaltung ist nur ein Teil des Systems. Wir sollten uns sowieso nicht so wichtig nehmen. Verwaltung ist Dienstleister und jeder sollte daran denken, dass hier Steuergeld dafür aufgewendet wird. Wir brauchen alle Ideen, gerade auch die der jungen Leute. Denn die werden von dem, was wir jetzt planen, direkt betroffen sein. Für uns alle wird es darauf ankommen, aus welcher Blickrichtung wir unsere Region betrachten. Wollen wir ruhig leben? Was ist mit dem Tourismus? Wieviele Verwaltungen werden wir uns in Zukunft noch leisten können? Aktuell haben wir im Kreis zu viele davon. Und wir werden sie in Zukunft kaum noch personell besetzen können. Das merken wir als Landkreis ja auch. Zwei Drittel unserer Beschäftigten sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. Wer soll die alle ersetzen? Insofern ist es spannend und im kommenden Jahr wollen wir bei der Studie Schwerin auf den Pelz rücken.“

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