Wittenburg : Platt trifft den Nagel auf den Kopf

Mit illustrierten Kinderbüchern wie diesem hilft Traute Wiech Neulingen, die plattdeutsche Sprache zu erlernen.
Mit illustrierten Kinderbüchern wie diesem hilft Traute Wiech Neulingen, die plattdeutsche Sprache zu erlernen.

Wittenburgs Ehrenbürgerin Traute Wiech über die Schönheit des Niederdeutschen

svz.de von
24. Mai 2018, 12:00 Uhr

Eigentlich wollte Traute Wiech Biologie und Geografie in Rostock studieren. Doch es kommt anders. Stattdessen studiert die geborene Grevenerin Deutsch, Schwedisch und Russisch auf Lehramt in Greifswald. Doch abseits ihres Studium, erlernt Traute Wiech noch eine weitere, weitaus traditionellere Sprache – Plattdeusch. Schon ihre Eltern sprechen nur Platt miteinander, mit ihren Kindern jedoch sprechen sie hochdeutsch. Auch Traute Wiechs Mann spricht gut und sehr gerne Platt, jedoch nur mit seiner Schwiegermutter, nicht mit seiner Frau. Trotzdem packt die 77-Jährige die Leidenschaft an der Plattdeutschen Sprache. Sie lernt sie nicht nur, sondern versucht auch, sie der nächsten Generation weiter zu geben. Auch nachdem die Wahl-Wittenburgerin in Rente geht, veranstaltet und organisiert sie im Rahmen des Wittenburger Kulturvereins Plattdeutsch-Programme. Im Januar wurde sie für Engagement für die Plattdeutsche Sprache von der Stadt Wittenburg als Ehrenbürgerin ausgezeichnet.

Mit SVZ-Volontärin Jacqueline Wort spricht die passionierte Plattsnackerin über die Eigenheiten der niederdeutschen Sprache.

Was ist das besondere an der plattdeutschen Sprache?

Das besondere ist eigentlich, dass die Sprache zwar immer den Nagel auf den Kopf trifft, aber nie beleidigend sein kann. Sie ist sehr direkt, aber immer mit einem gewissen Humor verbunden. Wenn man beispielsweise sagt: „Der ist aber ganz schön bregenklötterig“, dann weiß man genau, was gemeint ist und trotzdem kann eigentlich niemand beleidigt sein.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für diese Sprache so begeistert haben?

Zu DDR-Zeiten mussten wir ja immer Elternbesuche durchführen. Und als ich in Zarrentin tätig war, waren hauptsächlich Großeltern da, die meistens nur Platt gesprochen haben. Und damit ich mit meinem Hochdeutsch nicht abgehoben wirke, habe ich halt auch Plattdeutsch gesprochen. Ich hatte es ja täglich in den Ohren. Vor zwölf Jahren hatte ich dann noch ein einschneidendes Erlebnis, dass mich dazu ermutigt hat, mit dem Plattdeutsch weiter zu machen. Ich saß im Zug neben einem Mann, mit dem ich ins Gespräch kam. Wie sich herausstellte war es Prof. Dr. Wilhelm Simon, der zu dieser Zeit in Deutschland unterwegs war, um sich für eine einheitliche plattdeutsche Orthografie und Grammatik einzusetzen.

Wie gehen die Menschen dieser Region mit ihrem sprachlichen Vermächtnis um?

Eigentlich können noch sehr viele Plattdeutsch, aber wirklich nur ältere. Wenn wir unsere Programme aufführen, kommen immer viele Leute und hören begeistert zu, aber wenn man die Leute dann nach vorne holt und in das Programm mit einbinden möchte, möchte das keiner. Und das fehlt uns – Menschen, die mitmachen.

Woran könnte es Ihrer Meinung nach liegen, dass immer weniger junge Menschen plattdeutsch sprechen und schreiben?

An der modernen Technik. Da geht es alles in Englische hinein. Wer möchte da noch Plattdeutsch lernen?

Warum sollte Plattdeutsch für die nachfolgende Generation bewahrt werden?

Das liegt eigentlich darin begründet, dass es eigentlich zum Land Mecklenburg-Vorpommern gehört. So wie das Bayerische zu Bayern gehört und das Sächsische zu Sachsen, so gehört das Plattdeutsche oder auch Niederdeutsche zu Norddeutschland.

Was, denken Sie, kann für jüngere Generationen interessant am Erlernen der plattdeutschen Sprache sein?

Es gibt so wunderbare Ausdrücke, die es nur im Plattdeutschen gibt. Und wenn man damit beginnt, indem man fragt ’Was ist ein Boddervagel?’ Kein Mensch weiß das. Wissen Sie es? Das ist ein Schmetterling. Und mit solchen Formulierungen oder einfachen plattdeutschen Reimen, da kann man schon etwas bewirken und die Schüler begeistern. Man muss jedoch aufpassen, dass man das Plattdeutsche nicht ins Negative herabsetzt. Denn leider wird es oftmals als die Sprache der Dummen oder die Sprache der Bauern gesehen.

Birgt das Erlernen der plattdeutschen Sprache Schwierigkeiten?

Eigentlich gibt es keine Schwierigkeiten, denn es gibt im Plattdeutschen keine Orthografie und keine Grammatik. Man kann schreiben und sprechen wie man möchte. Aber man muss trotzdem genauso die Vokabeln und die Formulierungen lernen wie in anderen Sprachen auch. Das ist nun mal so.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen