20 Fragen zum Wochenende : „Platt hat nichts Geschnörkeltes“

Für Wolfgang Kniep  ist das Plattdeutsche geradezu eine Lebensphilosophie.
Für Wolfgang Kniep ist das Plattdeutsche geradezu eine Lebensphilosophie.

Buchautor und Liedermacher Wolfgang Kniep aus Leisterförde würde gern malen können, hasst Borniertheit und liebt seine Heimat

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09. August 2015, 08:45 Uhr

Norddeutsche Küche unterhaltsam kombinieren, mit lustigen wie sinnlichen Geschichten, das vermag Wolfgang Kniep nicht nur in seinem neuesten Buch. Dem Siebten. „Schatz, lass uns kochen!“, lautet die augenzwinkernde Aufforderung des gebürtigen Leisterförders, der tief verwurzelt scheint in seiner angestammten Heimat. Der dieses Wort gern benutzt, ohne dass es sich abnutzt. Viel Raum für Phantasie und der unverbaute Blick von seiner Terrasse ins weite Land, das ist es, was der Autor, Texter, Komponist, Sänger, Pädagoge und Gillhoffpreisträger braucht, wie die Luft zum Atmen. Für den das Plattdeutsche geradezu eine Lebensphilosophie ist. Weil es nicht geschnörkelt daherkomme, sondern ehrlich, geradeheraus und traditionell sei. Und mitunter eben auch zärtlich.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier stellte dem 65-Jährigen im Schatten des alten Gärtnerei-Schornsteines die Fragen zum Wochenende.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Leben und leben lassen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?

Auf der heimischen Terrasse, wo ich so schön in die Weite gucken kann.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Beim Aushelfen in der Gärtnerei meines Vaters. Das war mein erstes Ostgeld. Mein erstes Westgeld bekam ich kurz nach der Maueröffnung bei einer Mugge in Hamburg.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Was ich für die DDR-Mark gekauft habe, weiß ich nicht mehr. Aber für das erste bundesdeutsche Geld habe ich mir ein Kugel-Mikrofon gekauft, um mir langsam eine Gesangsanlage aufzubauen. Das benutze ich heute noch.

Wo findet man Sie am ehesten?

Im Garten rund um das Haus. Der ist in einem mäßig gepflegten Zustand. So ein Zwischending von verwildert und kontrolliert wachsend.

Was stört Sie an anderen?

Borniertheit

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Ganz klar meine Frau Ingrid. Sie hat es bisher seit 45 Jahren mit mir ausgehalten. Trotz oder gerade wegen meiner Macken und Marotten. Sie war immer tapfer. (grinst versonnen). Das war sicher nicht immer leicht mit mir. (wird für Sekunden ernst)

Was würden Sie gerne noch können?

Malen. Alles, was mir in den Kopf kommt, in ein Bild zu setzen, wäre eine Fähigkeit, die mir leider abgeht. Ich bewundere das bei anderen Leuten, die das können. Das ist auch der Grund, warum ich immer Illustratoren, wie zum Beispiel „Ede“, für meine Bücher brauche. Ich würde das gern selber können. Ehrlich.

Was bedeutet Ihnen persönlich Glück?

Die Fähigkeit, sich an kleinen Dingen zu freuen. Der Gier zu trotzen, die heute so um sich greift und sich immer breiter macht.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, einer der letzten Charakterköpfe. Solche wie ihn gibt es heute kaum oder gar nicht unter unseren Spitzenpolitikern. Das sage ich als parteiloser Mensch.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?

Für den bin ich nicht zuständig. (lacht)

Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?

Einheimische Küche, die ich experimentell abändere. Spannende Sache.

Welches Buch lesen Sie gerade?

„Gesammelte Werke“ von Eugen Roth. Die habe ich von meiner Tochter zu Weihnachten bekommen. Mit ihnen werde ich wohl noch einige Jahre zu tun haben. Sie umfassen Erzählungen, Gedichte und heitere Vers-sammlungen, die Roth schon zu Lebzeiten zu einem Klassiker des Humors werden ließen...

Worauf könnten Sie niemals verzichten?

Auf das Landleben. In der Stadt zu wohnen, wäre für mich eine große Strafe.

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?

Die Kurische Nehrung bereisen. Das wäre ein Ort, wo sich auch meine Frau wohlfühlen würde. (Die Kurische Nehrung ist eine schmale, aber fast hundert Kilometer lange Landzunge, die das Haff von der Ostsee trennt. Sie liegt zwischen Klaipeda (dt.: Memel) und Lesnoje (deutsch: Sarkau), von dem heute 52 Kilometer zu Litauen und 46 Kilometer zu Russland gehören. Seit 2000 gehört sie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Anm. d. R.)

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?

Nein.

Wo ist für Sie Heimat?

In Leisterförde. Hier habe ich meine Wurzeln. Dank des Mauerfalls kann ich hier wieder leben.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

1. Dass die Menschen wieder lernen, die Natur zu achten 2. Dass die Menschen, die bei mir etwas gelernt haben, so bleiben wie sie sind und das Gelernte weitergeben. 3. Dass mein Anwesen mal nicht in böse Hände fällt.

Verraten Sie uns etwas, was kaum jemand über Sie weiß?

Ich bin im Grunde menschenscheu.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Dr. Michael Paasch aus Boizenburg, ein Arzt und begeisterter Natur-Hobby-Filmer. Ein Seelenverwandter.

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