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Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 19:47 Uhr

Amt Neuhaus : Plan gegen nächstes Hochwasser

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Verschiedene Maßnahmen an der Unteren Mittelelbe sollen verhindern, dass Flutfolgen wieder so extrem ausfallen

von
erstellt am 25.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Schon Ende 2015 sollte er fertig sein, nun liegt er vor und kann von der Homepage des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) herunter geladen werden, der „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der Unteren Mittelelbe“. Er beschreibt im Untersuchungsraum von der niedersächsischen Landesgrenze bei Schnackenburg bis hin zum Wehr bei Geesthacht eine Reihe von Maßnahmen, die - wenn sie denn ausgeführt worden sind - verhindern sollen, dass das Wasser der Elbe bei einem Hochwasserereignis über die Deiche fließt.


Deiche schützen enorme Werte


Denn würde es im schlimmsten Fall zu Deichbrüchen kommen, könnten diese enorme Schäden verursachen. Auch eine Schadenspotenzialanalyse gehört zum Rahmenplan. Die Analyse hat ergeben, dass die Deiche im untersuchten Gebiet Werte in einer Größenordnung von bis zu 4,7 Milliarden Euro schützen.

„Wir wollen erreichen, dass die Hochwasserscheitel - also die höchsten Wasserstände - nicht mehr so extrem ausfallen wie im Juni 2013“, beschreibt Karsten Petersen die Intention für den Rahmenplan. Er hat den Plan federführend in der NLWKN-Betriebsstelle Lüneburg aufgestellt. Untersuchte Maßnahmen sind zum Beispiel Deichrückverlegungen, die Anlage von Flutpoldern, die Beseitigung von Engstellen, Sedimentabgrabungen und auch der Rückschnitt des Aufwuchses im Vorland. Selbst der mögliche Bau eines riesigen Umfluters wurde untersucht.

An der Unteren Mittelelbe geht es darum, das Wasser möglichst schnell wieder los zu werden. Doch bei den vergangenen Hochwasserereignissen ist es immer höher aufgelaufen (siehe Grafik). Deichverbände und viele Menschen, die ihr Leben an der Elbe verbracht haben, sehen als eine wesentliche Ursache für die höheren Wasserstände bei Hochwasser den Aufwuchs im Deichvorland. Diplomingenieur Dr. Rudolf Adolf Dietrich aus Hohnstorf hat dazu Modellrechnungen erstellt, die die Höhe der Wasserstände zeigen, wie sie tatsächlich aufgelaufen sind und wie sie aufgelaufen wären ohne den Aufwuchs (Grafik).

Auch für den Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband (NDUV) ist die Verbuschung ursächlich für die hohen Wasserstände bei einem Hochwasserereignis. „Wir sehen die Bemühungen, den Abfluss zu verbesser, natürlich grundsätzlich positiv“, so Deichverbandsvorsitzender Wilhelm Siefert. Aber alle baulichen Maßnahmen würden lange dauern und die einzige Maßnahme, die kurzfristig und ohne großen, finanziellen Aufwand durchzuführen wäre, sei der Rückschnitt.

Doch hier gerät der Hochwasserschutz in Konflikt mit dem Naturschutz. Denn der aufgewachsene Silberweidenauenwald ist streng geschützt. Muss aus hydrologischen Gründen an einer der Engstellen Auenwald beseitigt werden, dann muss an anderer Stelle für Ersatz gesorgt werden. „Wir haben immer dafür plädiert, die Ersatzpflanzungen an den Nebenflüssen durchzuführen. Ich kann und will auch keinem erklären, wenn die Ausgleichsmaßnahmen nun doch an der Elbe selbst erfolgen“, so Siefert frustriert.

Der Rat der Gemeinde Amt Neuhaus hat in seiner Sitzung am 16. März einstimmig eine Resolution verabschiedet, die fordert, dass „im Rahmen des Gesetzes über die öffentliche Sicherheit die Hochwassergefahr durch massiven Gehölzrückschnitt endlich wirksam eingedämmt wird“. Johannes Haker aus Preten hatte im vorhergehenden Bauausschuss dazu vorgetragen. Er befasst sich seit Jahren intensiv mit der Materie und kann als gelernter Wasserbauingenieur nicht nachvollziehen, dass seiner Meinung nach nicht mehr für die Sicherheit der Menschen und ihrer Güter hinter den Deichen getan wird. „Ein entschiedener Rückschnitt wäre eine Maßnahme, die schnell greifen würde, aber der Naturschutz ist inzwischen übermächtig“, so Haker.

dr
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