Wittenburg : Photovoltaik-Park als letzte Notlösung?

Laufkatze auf dem umstrittenen Grundstück, auch diese Anlage müsste abgerissen werden.
Laufkatze auf dem umstrittenen Grundstück, auch diese Anlage müsste abgerissen werden.

Energiepark direkt an der A 24 würde Filetgrundstück auf 20 Jahre blockieren. Wittenburg will sich nach jahrelangem Grundstücksstreit dennoch darauf einlassen.

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02. März 2016, 05:00 Uhr

Normalerweise käme niemand auf die Idee, auf einem hervorragend gelegenen Grundstück direkt an der Autobahn einen Energiepark mit Solarzellen zu errichten. Doch mit dem Grundstück der ehemaligen Baustoffversorgung Wittenburg ist schon seit vielen Jahren nichts mehr normal. Und die Stadt Wittenburg steht nach etlichen Niederlagen vor mehreren Gerichten gegen den Grundstückseigner Manfred Kuehmichel unter gewaltigem Druck. Und so kam das Angebot der Firma Enerparc AG, auf den 82 000 Quadratmetern für 20 Jahre Photovoltaikanlagen errichten zu wollen, gerade recht.

Doch es wird selbst im besten Fall ein komplizierter Deal mit vielen Unbekannten. Die Stadt müsste das Grundstück kaufen, was sie zu den gegenwärtigen Angeboten eigentlich will. Zuletzt war von 1,35 Millionen Euro die Rede, Gutachter halten selbst 1,2 Millionen für zu teuer. Zweite Unsicherheit: Das Unternehmen Enerparc weiß bis heute noch gar nicht, ob sich das alles rechnet. Zunächst müsste man sich an einem Ausschreibungsverfahren beteiligen, um zu erfahren, mit welcher Einspeisevergütung zu rechnen ist. Die müsste hoch genug sein, um die Investitionen zu decken und die Pachten zu bezahlen. Zu den Kosten gehört die auf gut 300 000 Euro geschätzte Räumung des immer noch vermüllten Geländes.

Die Stadt Wittenburg will, wenn sie denn zustimmt, eigentlich nur Plus-Minus-Null aus der Sache herauskommen. Das bedeutet, die Pachtzahlungen müssten die Kosten für den Kaufkredit decken. Sollte das alles klappen, würde das in Hamburg ansässige Unternehmen nach 20 Jahren das Gelände wieder räumen und die Stadt Wittenburg könnte das Grundstück vermarkten.

Nach der jüngsten Sitzung in der Stadtvertretung ist es so, dass wenigstens weiter verhandelt werden soll. Das wurde beschlossen, obwohl fast alle Stadtvertreter bekannten, Bauchschmerzen bei dem Thema zu haben.

Auch Bürgermeisterin Dr. Margret Seemann ist nach eigenem Bekunden weit davon entfernt, völlig begeistert eine Lösung anzustreben. Erst einmal gehe es darum weiter zu verhandeln.

Doch die Erwartungen der Stadt erhielten auf der jüngsten Sitzung der Vertretung einen Dämpfer, als die Vertreter von Enerpac öffentlich bekannten, noch keine genauen Zahlen liefern zu können. Genau das war aber zuvor z. B. bei der Sitzung des Bauausschusses versprochen worden. Wann nun genaue Zahlen auf dem Tisch liegen, weiß niemand, das kann Wochen dauern.

Grundstücksbesitzer Manfred Kuehmichel hatte sich in der Sache immer entspannt gegeben und seine finanziellen Forderungen für angemessen gehalten. Der Unternehmer aus dem hessischen Meerenberg-Allendorf hatte das Grundstück der früheren Baustoffversorgung nach der Wende gekauft und immer auf eine Verwertung gedrängt. Seit vielen Jahren, das hat er in Gesprächen mit unserer Redaktion auch immer wieder bestätigt, beharrt er auf der Position, dass die Stadt doch das Grundstück kaufen und vermarkten soll. Das war auch beim gestrigen Gespräch der Fall. Er wolle die Sache seriös und sicher zu einem guten Ende bringen. Das würde Wittenburg auch gern, aber angesichts der Kosten auf dem Markt in Mecklenburg sehe man trotz bester Lage keine Chancen dafür. Dennoch mehren sich bei den Stadtvertretern die Stimmen, die doch zum Kauf raten, um das Thema endlich vom Tisch zu bekommen. Denn eigentlich hat Wittenburg keine Reserveflächen mehr für Gewerbeansiedlungen.

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