Neuer Deich für Wehningen : Pflichtgefühl und Geldsorgen

Die Variante I (braune Linie) könnte als Deich gewidmet und gefördert werden, schließt allerdings das Einzelgehöft in Richtung Rüterberg aus.
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Die Variante I (braune Linie) könnte als Deich gewidmet und gefördert werden, schließt allerdings das Einzelgehöft in Richtung Rüterberg aus.

Zwischen Wehningen, Löcknitzwehr und Rüterberg soll ein neuer Deich gebaut werden.

svz.de von
03. Februar 2018, 16:00 Uhr

Eine schwierige Aufgabe hatten die Mitglieder in ihrer letzten Sitzung auf dem Tisch: Das Abwägen zwischen vier möglichen Bauvarianten eines geplanten Deiches für die Ortslage Wehningen. „Wieso sollen hier die Gemeindevertreter eine Entscheidung treffen?“, fragt Ausschussmitglied Wolfgang Grewe in die Runde, „Wir sind keine Experten für Deichbau. Das Land sollte entscheiden, welche Variante die beste ist. Ich fühle mich damit überfordert.“

Im Auftrag der Gemeinde hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eine Machbarkeitsstudie vorlegt, in der vier verschiedene Varianten eines geplanten Deichbaus zwischen dem Löcknitzwehr in Wehningen und dem mecklenburgischen Rüterberg im Hinblick auf ihre Kosten, die Aufwendungen für den Bau und die Naturverträglichkeit geprüft werden. Anlass ist ein mögliches weiteres Jahrhunderthochwasser, ein so genanntes HQ 100. Beim Hochwasser im Sommer 2013 musste bereits der Waldweg zwischen Wehningen und Rüterberg einseitig aufgeschüttet werden, um ein Überlaufen zu verhindern. Bei einem erneuten Hochwasserereignis ohne Schutz bestehe die Gefahr, dass der Weg überschwemmt würde, die Ortslage Wehningen nicht ausreichend geschützt wäre und das Wasser in Richtung B 195 laufe. Eine der wichtigsten Zufahrten ins Amt Neuhaus wäre so blockiert, Wasserstände von über einem Meter auf der Straße könnten erreicht werden. Als Hochwasserschutz sei die geplante Maßnahme, die aus Fördergeldern und einem Gemeindeanteil finanziert werden soll, „unbedingt notwendig und sinnvoll“, so Oliver Richter vom NLWKN.

Alle vier Trassen haben Vor- und Nachteile im Hinblick auf Bauweise, Kosten und Naturverträglichkeit. Schließlich führen alle Varianten zum Großteil durch sensible Biosphärenreservats-C-Gebietsteile, was einen sehr hohen Aufwand an Kompensationen für den Naturschutz bedeuten würde. Schnell für sich ausgeschlossen haben die Ausschussmitglieder die Varianten III und IV. Sie wären sehr teuer und aufwendig. Zudem wäre zumindest bei Variante IV eine Kooperation mit Mecklenburg-Vorpommern nötig.

Strittig bleibt bei den Varianten I und II der Hochwasserschutz für das einzeln liegende Gehöft in Richtung Rüterberg: „Ist man jedem Bürger verpflichtet?“, fragen sich deshalb die Ausschussmitglieder. Bei Variante II, einem Damm mit reduzierter Höhe, der durch den Wald bis an den Rüterberger Deich heranreicht, würde das Gehöft miteingeschlossen. Bei dieser Variante ist aufgrund der nicht normgerechten Maße eine Widmung als Deich und somit auch ein Teil der Finanzierung fraglich. Allerdings wäre so ein sauberer Lückenschluss mit dem Mecklenburger Deich gewährleistet, merkt Christian Möhring an. Variante I, die mit ca. 1,3 Millionen Euro veranschlagt wird und somit die günstigste Möglichkeit darstellt, sieht einen ca. 500 Meter langen genormten Deich entlang des Waldweges vor. Abgeschlossen würde er von einer Höhenlage, wobei der Einzelhof außen vor bliebe.

„Ich sehe keine Notwendigkeit, den Hof miteinzuschließen“, kommentiert Klaus Niederhoff, „Er hat eine Zufahrt von Rüterberg. Das würde uns eine halbe Million mehr kosten.“ Ähnlich formuliert es der Ausschussvorsitzende Thorsten Knebusch: „Anfangs habe ich es so gesehen, wir sind jedem Bürger verpflichtet, das hieße Variante II. Wir haben aber auch eine Stabilisierungsvereinbarung mit dem Land unterzeichnet, deshalb kann es aus Kostengründen nur Variante I sein.“ Die Ausschussmitglieder einigten sich schließlich darauf, als nächsten Schritt eine Stellungnahme des Neuhauser Deichverbandes zu den Varianten einzuholen.

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