Hagenow/Wittenburg : Pflegediensten fehlen die Fachkräfte

Für Luise und Walter Schütt  aus Hagenow ist Schwester Petra (l.) die gute Seele.
Für Luise und Walter Schütt aus Hagenow ist Schwester Petra (l.) die gute Seele.

Sie sind oft die einzigen Ansprechpartner für Pflegebedürftige. Dabei brauchen die Schwestern und Pfleger selbst Hilfe von der Politik

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28. September 2017, 21:00 Uhr

Den Pflegendiensten fehlen die Fachkräfte. So die einhellige Meinung der Pflegedienstleiterinnen bzw. Betreiber von Pflegediensten, mit denen SVZ gestern sprach. So sagte Martina Sterth, von der AWO in Wittenburg, dass es schwierig sei, Fachkräfte für die ambulante und stationäre Pflege zu finden. „Außerdem sehe ich ein weiteres Problem bei uns: Immer mehr Mitarbeiter gehen in Rente, und dadurch bekommen wir ein Nachwuchsproblem. Außerdem wandern gut ausgebildete Fachkräfte in Richtung Westen ab, weil dort die Bezahlung einfach besser ist“, sagt sie im SVZ-Gespräch.

Auch Martina Stern, die Chefin eines Pflegedienstes in Hagenow, sieht ein Fachkräfteproblem. Nach ihren Worten gibt es einen kontinuierlichen Patientenzuwachs, und die Nachfrage nach Pflegeangeboten können nicht mehr befriedigt werden, weil auch ihr Dienst an Kapazitätsgrenzen stößt.

Für Kerstin Wein, der Fachbereichsleiterin des Verbandes Südwestmecklenburg der Volkssolidarität – sie ist für 60 Mitarbeiterinnen in drei Sozialstationen zuständig – ist es generell schwierig Fachkräfte, zu bekommen.

„Natürlich haben wir gut ausgebildete Mitarbeiterinnen. Aber wir suchen für die gesamten Aufgaben im ambulanten Bereich ständig neue Fachkräfte. Die Fälle, bei denen die Patienten aus den Krankenhäusern in die Häuslichkeit kommen, werden immer intensiver. Die Arbeit insgesamt wird immer aufwendiger, und hierbei sind wir gefordert“, sagt sie gestern im SVZ-Gespräch.

Und bei den Pflegekräften, die die Behandlungspflege ausführen, legt der Verband großen Wert darauf, dass sie weiter qualifiziert werden, damit sie die Fachkräfte in ihrer Arbeit unterstützen können. Die Volkssolidarität betreut in den drei Sozialstationen an die 400 Patienten. Irgendwann sei eben die Grenze der Belastung für die Mitarbeiter erreicht. Und was macht die Volkssolidarität, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken? Nach den Worten von Kerstin Wein werden zunächst die jeweiligen Pflegeteams, die sich aus Fach- und Pflegekräften zusammensetzen, „gehegt und gepflegt“. Zudem bedarf es aus ihrer Sicht eine neue Regelung der berufsbegleitenden Ausbildung zur Fachkraft auf dem zweiten Bildungsweg.

Zu ihnen gehört Petra Siems, die vor 15 Jahren als Quereinsteigerin – sie ist von Beruf Frisörin – als Pflegekraft bei der Volkssolidarität begann und sich dann zur Fachkraft qualifizierte. Mehr als hundert Kilometer legt sie jeden Tag in ihrem „Pflegetaxi“ zurück. Die meisten Patienten leben in Hagenow, aber zu manch einem fährt die Pflegefachkraft auch über die Dörfer. Rund 20 Senioren zwischen 65 und 97 Jahren befinden sich in ihrer Obhut. Sie habe ihren Traumberuf gefunden und wolle nichts anderes machen, so Schwester Petra, wie sie auch von Luise (84) und Walter (85) Schütt aus Hagenow genannt wird. Für sie ist Petra Siems die gute Seele, die sich um die Belange der Senioren kümmert.

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