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Schwerstmehrfachbehinderte : Pflege Behinderter kennt keine Pause

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Chef des Lebenshilfewerkes fordert deutliche Anhebung der Einstiegsgehälter bei den Pflegekräften und einheitliche Maßstäbe

von
erstellt am 27.Dez.2014 | 08:00 Uhr

Wittenburgs Bürgermeisterin Margret Seemann und der Chef des Lebenshilfewerkes Hans-Joachim Grätsch haben zum Weihnachtsfest auf deutliche Mißstände bei der Bezahlung der Pflegekräfte in der Region aufmerksam gemacht. Beide forderten bei einem Besuch in der Hagenower Pflege- und Fördereinrichtung für schwerstmehrfachbehinderte Menschen, dass sich sich bei der Bezahlung der Fachkräfte schnell etwas ändern müsse. Vor allem die Einstiegsgehälter in diesem Bereich seien viel zu niedrig, berichtete Grätsch. Schon in naher Zukunft werde es enorm schwierig, richtige Fachkräfte zu finden. Allerdings sei die Politik immer noch taub auf diesem Ohr, sie müsse die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen.

Seemann war nicht in ihrer Funktion als Bürgermeisterin einer Stadt in die Einrichtung gekommen. Sie war vielmehr aus privater Verbundenheit da. Als Jugendliche hatte sie noch die Zustände im damaligen Behindertenheim Glaserhorst miterlebt und hält seit der Wende engen Kontakt zu den Einrichtungen des Lebenshilfewerkes. Und so galt ihr Besuch nicht nur den Beschäftigten, die über die Feiertage sich um die Bewohner rund um die Uhr kümmerten, sondern auch und gerade den behinderten Menschen. Der Besuch der Delegation mit der Führung des Lebenshilfewerkes am 24. Dezember gehört schon zu einer guten Tradition. Silke Lindenau, die die Einrichtung in der Schweriner Straße erst seit wenigen Wochen leitet, berichtete den Gästen von der Dienstplanung, der Organisation der Pflege und der Aufregung vor der anstehenden Bescherung. Und sie erzählte, dass auch beim Betreuungsschlüssel etwas getan werden müsse. „In einer vergleichbaren Einrichtung in Bayern hätten wir vier bis fünf Stellen mehr für die gleiche Zahl der zu Betreuenden zur Verfügung. Das kann man eigentlich nicht verstehen.“

Wenig Verständnis zeigte Hans-Joachim Grätsch auch über die Unterschiede in der Bezahlung der Fachkräfte in der Region. Viele, auch und gerade in Westmecklenburg, würden mit niedrigen Löhnen abgespeist. Grätsch: „Wir sind froh, dass wir vor Jahren per Klage den Bundesangestelltentarif zu 100 Prozent durchgesetzt haben. Wir wissen aber auch, dass wir damit eine Ausnahme sind. Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen begreifen, das Pflege nicht zum Nulltarif zu haben ist.“

 

 

 

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