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Freiwilliger Verzicht auf spezielle Pflanzenschutzmittel umstritten : Pestizideinsatz unter Beobachtung?

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In den vergangenen Jahren sind rund 16 % der europäischen Bienenvölker verschwunden. Nach Meinung von Experten sollen Pflanzenschutzmittel dazu beitragen und regen einen Verzicht an. In der Region ist das umstritten.

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2013 | 10:19 Uhr

Bantin/Hagenow | In den vergangenen Jahren sind rund 16 Prozent der europäischen Bienenvölker verschwunden, heißt es in einer Studie der Europäischen Union. Vom Rückgang besonders stark betroffen sind die Länder Großbritannien, Tschechien, Schweden und Deutschland. Bestäuberinsekten wie Honig- und Wildbienen helfen bei der Befruchtung von rund 84 Prozent der Obst- und Gemüsesorten in Europa.

Nach Meinung von Experten sollen Pflanzenschutzmittel möglicherweise zum Bienensterben beitragen. Die EU-Kommission hat deshalb die Mitgliedsstaaten aufgefordert, zwei Jahre lang auf den Einsatz von speziellen Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Neonikotinoide zu verzichten. Sie sollen laut einer Studie nicht unmittelbar tödlich auf die Bienen wirken. Aber den Insekten ginge der Orientierungssinn verloren, sie finden nicht zurück in den Bienenstock. So ein freiwilliger Verzicht ist in unserer Region umstritten.

"Wenn einzelne Mittel wissenschaftlich nachweislich für die Bienen schädlich sind, müssen sie verboten werden", vertritt Harald Elgeti, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, seinen Standpunkt. Für den Bienenexperte, Dr. Winfried Dyrba, aus dem Bantiner Bienenzuchtzentrum geht es nicht darum, ob ein generelles Verbot ausgesprochen werden muss oder nicht.

"Da Pestizide sehr unterschiedlich in Wirkung, Giftigkeit und Beständigkeit in der Umwelt sind, sollte es vielmehr darum gehen, jedes Pestizid, wie bisher, einer Einzelfallprüfung zu unterziehen", betont er im Gespräch mit SVZ. Nach seinen Worten sollte ohnehin mit den Mitteln äußerst verantwortungsbewusst und gezielt umgegangen werden. "Maßstab sollte sein: So wenig wie möglich, aber auch so viel wie nötig im Rahmen der bestehenden Bienenschutzverordnung einzusetzen, um einen Schädlingsbefall in den Landwirtschaftskulturen gezielt und wirksam zu bekämpfen. Zusätzlich sollte der Landwirt den Wechsel von Fruchtfolgen einhalten, um der Entwicklung von Schädlingen keinen Vorschub zu leisten", betont Dr. Dyrba.

Wie er weiter sagte, hat sich im Bezug auf Landwirtschaft und Imkerei ein partnerschaftliches Verhältnis mit regelmäßigem Austausch bestens bewährt.

Stichwort: Bedeutung der Honigbiene

Die Honigbiene ist wirtschaftlich eine Größe. Um das nachzuvollziehen, reicht meist schon diese Zahl: Rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hängen in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab. Schließlich verdanken wir ihnen nicht nur wertvollen Honig, denn als emsige Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen sowie als wichtiges Bindeglied in vielen Lebensge
meinschaften nehmen sie eine bedeutende Rolle ein. Anders gesagt: Reiche Ernten, üppiges Wachstum und natürliche Artenvielfalt hängen stark von Bienen ab. Auch wenn viele andere Insekten in Sachen Bestäubung unterwegs sind, die Honigbiene kommt – gerade bei den Kulturpflanzen – auf einen vorderen Platz. Kein Wunder, schließlich hatten Bienen und Pflanzen mehr als 100 Millionen Jahre Zeit, sich perfekt aneinander anzupassen.

Quelle: Deutscher Imkerbund e.V.


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