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Viele Betriebe zahlen lieber Strafen, als Behinderte einzustellen : Perspektive trotz Handicap

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Die Chancen auf einen Job sahen für Martin Kirsch nicht gut aus. Der 19-Jährige ist schwer krank. Doch er hat sich von den Absagen nicht unterkriegen lassen, mehrere Praktika und Ferienarbeit absolviert - mit Erfolg.

Toddin | Die Chancen auf einen Job sahen für Martin Kirsch nicht gut aus. Der 19-Jährige aus Hagenow ist schwer krank, zu 70 Prozent behindert durch die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, die seine Lunge verschleimt und ihm die Luft abschnürt. Doch er hat sich von den Absagen nicht unterkriegen lassen, mehrere Praktika und Ferienarbeit bei Schmitz Cargobull in Toddin absolviert - mit Erfolg. Zwar konnte er nicht wie gewünscht eine Ausbildung in der Produktion beginnen. Das hätte ihn körperlich überlastet, sagt der Hagenower. Stattdessen begann er eine Lehre im Büro als Industriekaufmann.

Solche Beispiele lobt Cornelia Pollin. Sie kümmert sich um die Vermittlung schwerbehinderter Menschen bei der Arbeitsagentur und ist anlässlich der bundesweiten Aktionswoche zur Integration behinderter Menschen ins Arbeitsleben mit ihren Kollegen verstärkt auf Unternehmen zugegangen. Die Devise: Aufklärung über Sinn und Notwendigkeit von Integration, und Aufklärung über Fördermöglichkeiten für die Einstellung gehandicapter Arbeitnehmer. Schließlich "gibt es immer noch viele Vorbehalte, dass solche Menschen nicht so leistungsfähig sind, öfter ausfallen und speziellen Kündigungsschutz genießen", sagt Cornelia Pollin.

Ab 20 Beschäftigten müsse ein Betrieb fünf Prozent Schwerbehinderte einstellen. Ansonsten drohen Abgaben von bis zu 5000 Euro im Jahr. Bei großen Unternehmen auch um einiges mehr. Doch noch etwa die Hälfte der Betriebe zahle lieber die Abgabe, so Cornelia Pollin. Auf der anderen Seite suchen 1500 gehandicapte Menschen im Agenturbezirk Westmecklenburg einen Job.

Steffen Griesbach, Geschäftsführer von Schmitz Cargobull, beschäftigt derzeit sieben Menschen mit Einschränkungen. Dass das gleichzeitig auch Abstriche fürs Unternehmen bedeutet, sei ihm bewusst. "Natürlich fällt Herr Kirsch mal aus", sagt Steffen Griesbach. Dafür sei er motiviert, sehr lernbereit und wolle viele Aufgaben übernehmen. "Ich fühle mich super integriert", beschreibt Martin Kirsch das Verhältnis zu den Kollegen. Vor allem, weil er für seine Arbeit geschätzt werde und sein Handicap nicht ständig vordergründig sei. Somit steht dann auch einer Übernahme für zunächst ein Jahr nach der Ausbildung nichts im Wege.

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erstellt am 09.Dez.2011 | 06:03 Uhr

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