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Nahverkehrsplan in der Kritik : Pendlerstopp am Stadtrand Schwerins?

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Massive Kritik des Wirtschaftsausschusses am Nahverkehrsplan der Stadt: Landkreis will mit seinen Regionalbusse weiter direkt zum Hauptbahnhof fahren

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 06:30 Uhr

Der Landkreis und die Landeshauptstadt geraten jetzt beim Busverkehr heftig aneinander. Grund ist der neue Nahverkehrsplan in Schwerin. Wird der in seiner jetzigen Fassung umgesetzt, ist es vorbei mit der bisher freien Fahrt der Regionalbusse durch Schwerin bis zum Hauptbahnhof. Die Stadt Schwerin möchte, dass die von auswärts kommenden Busse entweder an der Stauffenbergstraße auf dem Großen Dreesch oder in der Kieler Straße in Lankow möglichst enden. Zudem sollen die Fahrten der auswärtigen Busse über den überlasteten Marienplatz deutlich reduziert werden. Der Wirtschaftsausschuss des Kreistages sieht die Schweriner Pläne nicht nur als Bruch einer jahrzehntelangen Tradition sondern mehr oder weniger als Kriegserklärung. „Wir sollen unsere Fahrgäste zwingen, auf dem Dreesch auszusteigen, eine neue Fahrkarte zu kaufen, um dann irgendwann einmal zum Hauptbahnhof zu kommen. Das kann ja nicht die neue Attraktivität des Nahverkehrs sein“, hatte Stefan Lösel, der neue Geschäftsführer des kreislichen Busbetriebes VLP im Ausschuss erklärt. Die Empörung dort war allgemein groß und einstimmig. So sollen jetzt gleich eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen ergriffen werden. So soll es noch im Frühjahr eine gemeinsame Sitzung der Wirtschaftsausschüsse von Ludwigslust-Parchim, Schwerin und Nordwestmecklenburg bei der IHK geben, um den Streit, der den Kreis Nordwestmecklenburg ebenso betrifft, zu lösen. Zugleich soll die Aktionsgruppe Verkehr bei der regionalen Planung wiederbelebt werden. Zugleich setzten die Fachleute im Kreis auf Verkehrsminister Christian Pegel, der den „offensichtlichen Unsinn“ regeln soll. Zusätzlich wollen die Kreispolitiker mit den Fraktionen in der Schweriner Stadtvertretung direkt sprechen,

In Schwerin macht man sich angesichts der Vielzahl der auswärtigen Busse vor allem Sorge um das Funktionieren des eigenen Nahverkehrssystems. Allein der Landkreis Ludwigslust-Parchim fährt mit 20 Linien nach Schwerin. Und fast alle würden über die so genannte Kommunaltrasse (Platz der Jugend, Marienplatz, Hauptbahnhof) rollen. Das könne so nicht bleiben. Die Rede ist derzeit von bis zu 84 „Fremdbussen“, die täglich über den Marienplatz rollen.

Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow konnte gestern im Gespräch mit unserer Redaktion die ganze Aufregung nicht nachvollziehen.

„Ja wir haben unterschiedlich Auffassungen, wo die regionalen Busse fahren, halten und wo die Menschen umsteigen sollen. Das ist aber lange bekannt und Schwerin hat auch etliche Kompromissangebote gemacht. Ich bin sehr dafür, wenn das Thema in einer gemeinsamen Ausschusssitzung besprochen wird. Ich möchte, dass alle Fahrgäste, die nach Schwerin wollen, auch reinkommen. Das lässt sich lösen über Umsteigepunkte und über Kombitickets, so dass niemand neu bezahlen muss.“ Angelika Gramkow verwies aber auch darauf, dass man sich im Sinne der Steuerzahler teure Parallelverkehre mit oft leeren Bussen nicht leisten könne. „Ich bin hier für eine unaufgeregte Debatte, die die wirtschaftlichen Belange des Nahverkehrs und der Busbetriebe berücksichtigt. Fakt ist auch, dass die regionalen Busse z. B. am Hauptbahnhof oft genug unsere Straßenbahngleise blockieren.“

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