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Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 10:56 Uhr

Pendler stöhnen über Sprit-Abzocke

vom

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erstellt am 27.Mär.2012 | 07:24 Uhr

Wittenburg | Pendeln kostet Energie, erzeugt Stress und kann krank machen - eindeutige Gründe, die gegen lange Fahrtstrecken zwischen Wohn- zum Arbeitsort sprechen. In Deutschland gelten bis zu 2,5 Stunden jedoch als "zumutbar" - sagt die Bundesagentur für Arbeit. Also drängen sich auf der Autobahn die Autos, in den Zügen die Berufstätigen. Denn: Jeder fünfte Vollzeiterwerbstätige in Deutschland ist mobil. Und rund 1,5 Millionen Menschen nehmen jeden Tag eine lange Reise in Kauf: Sie pendeln mehr als 50 Kilometer.

Wie der angestellte Geschäftsführer des InterSport im Alpincenter, Felix Schuster, sind viele Berufspendler gut organisiert. Sie kennen die besten Fahrtzeiten, die möglichen Staufallen. Damit können sie sich die täglichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz angenehmer machen. Aber vollkommen entspannt pendelt niemand.

Langes Fahren bedeutet immer auch Stress

"Langes Fahren bedeutet immer auch Stress. Man gewöhnt sich zwar daran, aber schön ist anders", gesteht der 27-Jährige, der seit 2009 montags bis sonntags nach Wittenburg einpendelt. Raus aus Hamburg sei immer noch entspannter, als rein zu müssen, sagt der Diplom-Sportbetriebswirt. Mit den Augen rollt er, wenn die Sprache auf die Spritpreise kommt. "Ich muss mit meinem Ford Galaxy jede Woche einmal tanken. Das kostet um die 85 Euro. Am Ende des Monats schlägt das ganz schön zu Buche. Besonders bei den hohen Preisen." Dennoch möchte er seinen Job nicht missen, verrät er. Es rechne sich bisher trotz alledem.

Egal ob mit Auto oder Bahn, mit jahrelanger Erfahrung oder ohne - Pendeln ist anstrengend und erzeugt Stress. Davon kann auch Madelaine Puls ein Lied singen. "Anderthalb bis zwei Stunden gehen jeden Tag für den Arbeitsweg drauf. Das fehlt am Ende bei der Freizeit", erzählt die 27-Jährige, die täglich von Schwerin nach Wittenburg einpendelt. Ins Alpincenter, wo sie seit 2009 arbeitet, zurzeit als Eventmanagerin. Rund 80 Kilometer spult sie täglich mit ihrem Golf Diesel ab. Vorher ist sie einen Benziner gefahren. Das sei recht teuer gewesen, erinnert sich die junge Frau, deren Wiege in Gramnitz gestanden hat.

"Ich muss jeden Monat um die 200 Euro nur für die Spritkosten des Arbeitsweges einplanen. Das ist richtig viel Geld und merkt man auch im Portemonnaie. Ich tanke schon nur noch immer für 30 Euro. Ich weiß, das ist ein kleiner Selbstbetrug, aber es macht die Sprit-Abzocke etwas erträglicher. Doch ich mache meine Arbeit gern, weil sie mir Spaß macht. Gute Jobs liegen heutzutage nicht auf der Straße. Da muss man eben flexibel sein", erklärt die junge Frau weiter, die ein großes Faible für Snow- und Wakeboard hat und mitunter auch an den Wochenenden arbeiten muss. Nicht nur im Alpincenter sondern sommers auch in der Wasserski-Anlage in Zachun, die mit zum Familienunternehmen der Van-der-Falk-Gruppe gehört.

Das Pendeln ist für die Beschäftigten von heute also der Regelfall, das zeigt auch die Entwicklung der vergangenen Jahre. Aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim pendeln täglich rund 14 000 Personen aus. Die Zahl derer, die wochentags oder wöchentlich aus Mecklenburg-Vorpommern in die angrenzenden Bundesländer pendeln, liegt mittlerweile bei etwa 74 800. Davon kommen 50 Prozent aus Schwerin und den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim. Diese Fachkräfte fehlen der heimischen Wirtschaft.

Die gestiegenen Pendlerzahlen spiegeln die Arbeitswelt wider. Heute werde viel mehr Flexibilität verlangt als früher, schreibt einer unserer Leser.

Die A 24 sei direkt vor der Tür, und ein großes Lob gebühre der Autobahnmeisterei, die dafür sorge, dass die Autobahn immer eisfrei ist, das sähe leider in Hamburg manchmal ganz anders aus, wenn er dort morgens ankomme, schreibt ein weiterer Leser. Die Bus- und Bahnanbindung sei für Pendler nach Hamburg inakzeptabel. Denn de fakto gäbe es keine direkte Anbindung.

Abgesehen davon, dass die Bahn ab und zu mal eine Verspätung habe, sei Hagenow für Berufspendler ein Paradies. Eine Stunde mit Auto oder Bahn nach Hamburg, 20 Minuten mit dem Zug oder 30 Minuten mit dem Auto nach Schwerin. Arbeiten in der Großstadt, wohnen in Hagenow. besser gehe es kaum, so eine andere Meinung.

"Der Zugverkehr nach Zarrentin am Schaalsee ist durch den Landkreis eingestellt worden, der Busverkehr funktioniert nur über Umsteigeverbindungen in der ,Metropole’ Wittenburg ... in die eigentliche Richtung Hamburg über den Pendlerbahnhof Büchen gibt es gar kein Angebot", kritisiert ein Leser desweiteren. Eine Anbindung an die Metropole Hamburg über den ÖPNV sei eine notwendige Voraussetzung, um unsere Gemeinde und die Region als attraktiven Wohn- und Gewerbestandort weiter zu entwickeln, heißt es auch. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Linie Stadtverkehr Hagenow sei schlecht abgestimmt mit dem Zugverkehr am Bahnhof Hagenow Land; für viele Ankünfte gäbe es keinen Anschluss zum Stadtzentrum. Das Bahnhofsgebäude, das denkmalgeschützt ist, verkommt zur Ruine und ist kein Aushängeschild der Bahn und der Stadt Hagenow. Der Umsteigebahnhof Hagenow Land macht auch auf die Bundeswehrangehörigen keinen guten Eindruck.

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