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Analyse der Bundesagentur : Pendler: Sie kommen nicht zurück

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

40 Prozent aller Auspendler aus Westmecklenburg fahren nach Schleswig-Holstein zur Arbeit

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Einmal im Jahr wird sie sichtbar, die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung der Pendler für Westmecklenburg. Denn einmal im Jahr nimmt die Schweriner Bundesagentur die Meldedaten von Arbeitgebern, Krankenkassen und Sozialversicherungen für einen Stichtag unter die Lupe. Heraus kommt eine genaue Analyse der Pendlerbewegungen in der Region. Die Ergebnisse für den 30. Juni 2016:

• Die Zahl der Auspendler, insbesondere in die alten Länder, hat sich in den vergangenen fünf Jahren so gut wie nicht verändert. An der Spitze steht Schleswig-Holstein mit 17 019 Auspendlern vor Hamburg mit 7394 und Niedersachsen mit 4249. Zugleich pendeln aus Westmecklenburg 6367 Beschäftigte in andere Regionen des Landes aus.

• Westmecklenburg ist für Einpendler, gerade aus den alten Bundesländern, attraktiver geworden. Das gilt aber auch für Menschen, die aus anderen Teilen Mecklenburgs bei uns arbeiten.

 

• In der Altersgruppe 15 bis 25 Jahre ist die Zahl der Auspendler aus Westmecklenburg im Vergleich zu 2013 deutlich gesunken, aktuell waren es 2411 oder 5,6 Prozente. Vor drei Jahren lag die Quote noch bei sieben Prozent. Es gelingt folglich zunehmend, mehr junge Leute im Land zu halten.

• Die tatsächliche Pendlerlage ist noch gravierender als es diese Analyse ausweist. Nicht erfasst sind nämlich Beamte, Selbstständige, Soldaten oder Studenten. Allein für Hagenow mit seinen zwei Bataillonen kommen da noch einmal Hunderte Pendler dazu. Und auch die Handwerker, die täglich das Bild auf der A24 in Richtung Hamburg bestimmen, sind hier nicht erfasst.

• Alle Bemühungen, Pendler zurückzuholen, haben bisher offenkundig nichts gebracht, die Zahlen sind stabil. Nur die Pendler selbst sind älter geworden, die stärkste Altersgruppe ist die zwischen 45 und 55 Jahren.

• Gependelt wird nicht nur nach außerhalb sondern sehr stark innerhalb Westmecklenburgs. Schwerin als Landeshauptstadt hat dabei seine überragende Position als Arbeitsort behalten. Allein aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim fuhren 13 197 Menschen nach Schwerin zur Arbeit. In umgekehrter Richtung waren es 3984. Auch diese Zahlen für die Binnenpendler sind seit Jahren extrem stabil und haben sich bis auf ein paar Kleinigkeiten nicht verändert. Diese Erkenntnis war in der Klarheit auch für den Auftraggeber der Analyse, Guntram Sydow, neu. „Unserer Region geht es wirtschaftlich gut. Das belegen nicht zuletzt die steigenden Einpendlerzahlen aus den alten Ländern. Aber an der generellen Situation mit dem starken Auspendlerüberschuss ändert sich nichts. Dafür sind die Unterschiede zu groß und bei vielen Pendlern hat sich das längst verfestigt.“

<p>Ein- und Auspendler-Quote</p>

Ein- und Auspendler-Quote

 

Sichtbar wird das bei den offiziellen Durchschnittsgehältern (Brutto). Bundesweit lag der Schnitt bei monatlich 3084 Euro, Hamburg war mit 3488 Euro erfasst, Schleswig Holstein lag bei 2843 Euro. Schwerin kam auf 2665 Euro, was sicherlich auch am hohen Anteil des Landesverwaltung liegt, im Landkreis Ludwigslust-Parchim lag der durchschnittliche Monatsverdienst bei mageren 2144 Euro.

Doch es gehe nicht nur ums Geld, warnte Sydow. Betriebszugehörigkeiten, Urlaubsregelungen, Jobsicherheit und Klima in den Firmen würden für Pendler ebenso wichtig sein. Immerhin gelinge es, junge Menschen vermehrt im Land zu halten. Dort wolle man anknüpfen. „Die Motivation junger Menschen, auszupendeln, ebbt ab“, so Sydow.

Bei den Auszubildenden gingen im vergangenen Jahr 994 junge Frauen und Männer außerhalb Westmecklenburgs. Davon gingen 395 nach Schleswig-Holstein, aber nun kommt auf Platz zwei das eigene Bundesland mit 253 Plätzen. Den Sprung nach Hamburg wagten hingegen nur 98 Jugendliche, Betrachtet man schließlich die Altersgruppe bis 25, so zeigt sich, dass viele auch wieder zurückkommen.

Medizinische Gesundheitsberufe liegen an der Spitze bei den Auspendlern der Region. Immerhin 2443 Frauen und Männer fuhren dafür außerhalb der Region zur Arbeit. Auf der Gegenseite kamen aus allen Richtungen 1288 Menschen dieser Berufsgruppe zum Arbeiten in die Region.

<p>Auspendler nach Berufen</p>

Auspendler nach Berufen

 

Ähnlich viel Bewegung gibt es bei der Berufsgruppe „Führer von Fahrzeug- und Transportgeräten“. 3807 von ihnen pendelten nach auswärts,1472 kamen für eben diese Arbeit in die Region. Eindeutig ist die Lage auch bei den Hoch- und Tiefbauberufen. Hier gab es 1840 Auspendler und kaum Einpendler. Stark ausgependelt wird auch in der Lebensmittelindustrie, bei Mechatronikern, bei Energie- und Elektroberufen, bei sozialen Berufen. Unverkennbar, wenn auch statistisch nicht bewiesen, ist auch ein starkes Ost-West-Gefälle innerhalb des Landkreises. Ein Teil des starken Rückgangs der Arbeitslosigkeit im Ostteil des Kreises geht auch zurück auf die zunehmende Nachfrage im Westen. Gependelt wird aber nach den Meldedaten auch über größere Entfernungen. So spielt Brandenburg (1810 Auspendler) als ein Bereich, aus dem Pendler kommen, durchaus eine Rolle. Es gibt sogar 1197 Auspendler, die nach Nordrhein-Westfalen fahren, sicherlich nicht täglich. Und selbst Bayern steht mit 687 Auspendlern im Bericht.

Den hat Arbeitsmarktexpertin Karina Thorbahn in mühevoller Kleinarbeit erhoben, die nächste Analyse ist schon geplant.

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