Pendlerforum in Boizenburg : Pendler fühlen sich aufs Abstellgleis geschoben

Der Hamburger Hauptbahnhof ist überlastet.
Der Hamburger Hauptbahnhof ist überlastet.

„Pendlerdialog“ in der Tarnow-Schule zwischen Fachleuten und Berufspendlern stieß auf großes Interesse

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27. Juni 2016, 05:00 Uhr

Der Schock für die Bahnpendler aus Westmecklenburg, die täglich den Regional-Express RE1 (Rostock über Schwerin nach Hamburg), benutzen, war groß. Zu Beginn des Winterfahrplans im Dezember 2015 verschlechterte sich alles: Es gibt seitdem längere Fahrzeiten und eine deutlich schlechtere Taktung. Für die Pendler bedeutet das, noch länger zum Arbeitsplatz unterwegs sein zu müssen.

Zu einem Pendlerdialog hatte nun Jens Prötzig von der Regionalgruppe Metropolregion des Eigentümervereins Haus und Grund aus Boizenburg zusammen mit den Fahrgastverbänden PRO-BAHN aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein/Hamburg in das Artrium der Tarnow-Schule eingeladen. Neben vielen betroffenen Pendlern und einigen Vertretern aus der Politik waren Fachleute, die sich sowohl in Mecklenburg als auch in Schleswig-Holstein beruflich mit den Nahverkehr befassen, gekommen. Langfristiges Ziel müsse natürlich sein, eine bessere Anbindung an Hamburg, Lüneburg und Ratzeburg zu schaffen, so Jens Prötzig in einem Eingangsvortrag. Dabei müsse man auch die Straße im Blick haben. Er schilderte dann die Verschlechterungen für die Bahnpendler und forderte langfristig eine tarifliche Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und mittelfristig eine Optimierung der Fahrpläne. „Wir sind mal in knapp 40 Minuten von Boizenburg nach Hamburg gefahren und nun sind es meist 60 Minuten. Zusammen mit den veränderten Abfahrtszeiten sind viele Pendler jetzt mehr als eine Stunde zusätzlich unterwegs. Das ist gestohlene Lebenszeit.“ Die Konsequenzen aus einer schlechten Anbindung seien der Wegzug von Einwohnern, leer stehende Wohnungen und Häuser, geringere Steuereinkünfte für die Kommunen.

Das Land „bestellt “den Regionalverkehr

Das Land „bestellt“ den Regionalverkehr bei der Bahn. Für die Bezahlung dieses Regionalverkehrs gibt es für die Flächenländer inzwischen weniger Mittel vom Bund, die Bahn hat ihre ICE-Züge neu getaktet und eine Baustelle der Bahn am Berliner Tor (vor dem Hauptbahnhof) in Hamburg tut ein Übriges, dass Pendler leiden. Sie fühlen sich als Bahnkunden zweiter Klasse und auch von ihrer Landesregierung nicht gut vertreten. Die Fernzüge haben immer Vorfahrt, der Regionalzug muss auf das Wartegleis. Lange Fahrzeiten, eine schlechte Informationspolitik, Verspätungen und die Unzuverlässigkeit strapazieren die Nerven der Bahnpendler. Das machten die Fragen und Bemerkungen aus der Runde der Anwesenden beim Pendlerdialog deutlich.

Der Vertreter aus dem Referats Eisenbahn und Öffentlicher Nahverkehr im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, Daniel Bischof, bekannte, das man im Referat auch nicht glücklich mit dem Fahrplan des RE1 sei, das man aber wohl damit umgehen müsse. „Mir tut es auch richtig weh, aber wir kriegen keine zusätzlichen Trassen in den Hamburger Hauptbahnhof rein geplant. Wir haben aber für relativ viel Geld drei weitere Züge bis Büchen eingesetzt, die allerdings von wenigen Fahrgästen benutzt werden“, so Daniel Bischof.

Zusatzzüge mit ICE-Zuschlag

Das sei doch zu verstehen, da müsse man zusätzlich zu seinen Fahrkosten jedes Mal einen ICE-Zuschlag für die Strecke Hamburg-Büchen bezahlen, entgegnete eine Zuhörerin.

Ein anderer Teilnehmer der Veranstaltung warf ein, es müsse doch Ziel sein, dass möglichst viele Pendler nicht das Auto, sondern den Zug benutzen. Bei einem sich verschlechternden Angebot würden dann aber viele wieder das Auto nutzen, man müsse sich nur mal werktags ab halb fünf an die B 5 stellen.

Damit die Fahrpläne nicht nur im stillen Kämmerlein „gestrickt“ werden, sollen sie künftig schon frühzeitig online gestellt werden.

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