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An der Kreuzung eingeschlafen : Peinliche Promilletour: Täter reumütig

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So etwas hat Richter Siegmar Hackbarth auch noch nicht erlebt: "Wie kann man sich nur so besaufen und dann noch ans Steuer setzen", sagt Hackbarth nach seiner Urteilsverkündung am Hagenower Amtsgericht zum Angeklagten.

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erstellt am 24.Jan.2012 | 11:56 Uhr

Hagenow | So etwas hat Richter Siegmar Hackbarth auch noch nicht erlebt: "Wie kann man sich nur so besaufen und dann noch ans Steuer setzen", sagt Hackbarth gestern nach seiner Urteilsverkündung am Hagenower Amtsgericht zum Angeklagten Björn E.. Volltrunken und nicht ansprechbar ist der 28-Jährige am Morgen des 25. Septembers 2011 in seinem Auto gefunden worden - bei laufendem Motor, mit lauter Musik an der Hagenower Ampelkreuzung Bahnhofstraße/Rudolf-Tarnow-Straße. Nur wenige Meter entfernt vom Pub, indem er zuvor mit einem Freund gefeiert hatte. Wie er danach in sein Auto kam, geschweige denn bis zur Kreuzung, daran könne er sich nicht mehr erinnern.

Zuvor im Warteraum des Amtsgerichts: bedrückende Stille vor Saal eins. Nur die Uhr tickt, während Björn E. zusammen mit den Zeugen auf seine Verhandlung wartet. Nervös tippelt der junge Mann mit dem Fuß auf den Boden, schaut auf sein Handy, und wieder raus aus dem Fenster. Bis alle den Saal betreten. Björn E. blickt nach unten, presst die Lippen zusammen, fährt sich mit den Händen übers Gesicht. Wieder Stille. "Wie sieht es denn generell bei Ihnen aus mit dem Alkohol?", fragt Richter Hackbarth. "Nur an den Wochenenden mit Freunden", antwortet der Angeklagte. "Drogen? Schulden?", fragt Hackbarth. "Ne."

Eigentlich wollte der Hagenower bei Bekannten am Lindenplatz übernachten. Doch dann sei sein Freund plötzlich verschwunden. Filmriss. Erst an die Verhörung der Polizeibeamten, die gegen 7 Uhr an der Kreuzung eintrafen, könne er sich wieder erinnern. Dass er gepustet hat, wisse er aber nicht mehr: 1,77 Promille Atemalkoholwert. Später, gegen 8.30 Uhr auf der Wache: 2,18 Promille Alkohol im Blut. Der Pub schließt um 3 Uhr. "Er muss zur Tatzeit also mehr als drei Promille im Blut gehabt haben", sagt seine Verteidigerin zum Richter. Björn E. sei also nicht mehr in der Lage gewesen, bewusst zu handeln, versucht sie den Vorwurf der vorsätzlichen Tat zu beschwichtigen.

Dass der Hagenower noch kurz nach 6 Uhr nicht ansprechbar war, bestätigt Zeugin Monika Fölsch. Die Altenpflegerin war auf dem Weg zur Arbeit, als sie das Auto an der Kreuzung sah. Grün, rot, grün, rot - selbst nach mehreren Ampelphasen sei das Auto stehen geblieben. "Das wurde mir zu heiß", sagt Monika Fölsch. Der Motor lief, laute Musik, beschlagene Scheiben. Sie klopfte, öffnete langsam die Tür und fand Björn E. zusammengesunken auf dem Fahrersitz. Selbst nach mehrmaligem Rütteln habe dieser nicht reagiert. Sie verständigte die Polizei, die sofort einen verfügbaren Einsatzwagen aus Ludwigslust schickte. Der eintreffende Beamte bestätigte den damaligen Zustand des Angeklagten vor Gericht.

"Haben Sie selbst eine Erklärung dafür?", fragt Siegmar Hackbarth. "Ne, nich wirklich", erwidert Björn E., und: "das wird nie wieder passieren." "Warum nicht", fragt der Richter. "Ich werde nicht mehr trinken und dann Auto fahren", stammelt der Angeklagte reumütig. Ihm sei der Vorfall fürchterlich peinlich. Und er habe daraus gelernt.

Der Führerschein ist seit der Tat beschlagnahmt und wird für insgesamt zehn Monate einbehalten. Hinzu kommen 35 Tagessätze zu je 25 Euro als Strafe. Angesichts des Verdienstes, der Vorstrafenfreiheit und des einen bisherigen Eintrages im Verkehrszentralregister ein "angemessenes Urteil", so Richter und Staatsanwalt. Wie es zu der Tat kommen konnte, "das können nur Sie selbst beantworten", sagt Richter Siegmar Hackbarth, dem nach wie vor unklar sei, wie sich jemand derart berauscht ans Steuer seines Autos setzen kann. Dabei sei das ganze noch glimpflich ausgegangen, schließlich hätten auch Menschen verletzt werden können, appelliert er an die Vernunft des Hagenowers, dessen Trunkenheitsfahrt bislang einmalig sei zwischen den tagtäglichen Alkoholdelikten am Amtsgericht.

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