Klauenpfleger Heiko Gössel aus Metlitzhof : Pediküre für Kuh mit Winkelschleifer

<strong>Die Arbeit am mobilen Klauenpflegestand</strong> ist für Heiko Gössel und seinen Mitarbeiter André Karich ein echt harter  Knochenjob. <fotos>Thorsten Meier</fotos>
Die Arbeit am mobilen Klauenpflegestand ist für Heiko Gössel und seinen Mitarbeiter André Karich ein echt harter Knochenjob. Thorsten Meier

"Es gibt Kühe, die sind kitzlig an den Füßen. Das geht den Tieren wie den Menschen", grinst Heiko Gössel, während er mit Ziehhobel und Flex die Füße einer Kuh pedikürt. Der 38-jährige Tierwirt ist Klauenpfleger.

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26. Juni 2012, 11:25 Uhr

Metlitzhof/ Warlitz | "In der Ruhe liegt die Kraft. Um Stress zu vermeiden, arbeiten wir am liebsten in der gewohnten Umgebung der Rinder. So kann ein Klauenpfleger zwischen 80 bis 100 Tiere pro Tag behandeln", erzählt Heiko Gössel, während er mit Ziehhobel und Flex die Füße einer Kuh pedikürt. Die poltert mächtig im mobilen Klauenpflegestand umher, versucht sich zu befreien. Doch umsonst. Die Technik kann sie nicht austricksen. "Es gibt eben auch Kühe, die sind kitzlig an den Füßen. Das geht den Tieren wie den Menschen", grinst Gössel. Der 38-jährige Tierwirt mit langjähriger Berufserfahrung ist nämlich geprüfter Klauenpfleger für die Region Nord - Ostdeutschland. Ihm zur Seite steht André Karich als Mitarbeiter. "Trotzdem die Klauenpflege eine schwere, schmutzige und teilweise auch sehr zeitaufwendige Tätigkeit ist, liebe ich meine Arbeit", gesteht der gebürtige Bützower, der seit sechs Jahren in Metlitzhof wohnt. Seit September letzten Jahres ist der junge Mann selbstständig. Dieser Tage ist er in der Agrargenossenschaft Goldenitz/Warlitz unterwegs. Als "Agroviva-Klauenpfleger", um vornehmlich die Milchkühe zu behandeln. Unter dem Dach von Agroviva finden sich nämlich Spezialisten rund um die Landwirtschaft. Wer hier im Netzwerk als Klauenpfleger mitarbeitet, verfügt nicht nur über eine fundierte Ausbildung − das interne Qualitätsmanagement und der stete Erfahrungsaustausch garantieren Klauenpflege nach neuesten Erkenntnissen, betont Heiko Gössel. Er sieht auf einen Blick, wo "der Schuh drückt". So findet er bei allen Kühen sofort die betroffenen Stellen, wo sich beispielsweise ein Stein eingetreten hat oder ein schlimmer Abszess das Klauenhorn durchzieht.

Nicht nur aus Tierschutzgründen sondern auch betriebswirtschaftlicher Sicht sind gesunde und somit "funktionstüchtige" Klauen bei Rindern notwendig. Von natürlichen Lebensbedingungen ist für das Rind von heute nicht viel übrig geblieben. Sein Leben wird geprägt von Einschränkungen und Leistungsanforderungen - wie das des Menschen auch. Dabei werden manchmal Grenzen erreicht und auch überschritten - kurzzeitig oder dauerhaft. Diese Tatsache hat Folgen. Die Klauen sind dabei ein Indikator - ein "biologischer Fahrtenschreiber" im Leben der Kuh. Es gibt nur wenige Faktoren, die hier ohne Eintragung bleiben. Das Ablesen dieses Fahrtenschreibers erfordert Verständnis für die komplexen Zusammenhänge und Abläufe in den Systemen Kuh und Stall.

"Eine jährlich mindestens zweimalig korrekt durchgeführte Klauenpflege kann die Leistung der Tiere erhalten oder sogar merkbar steigern", erklärt Maik Kowohl, Herdenmanager bei der Agrargenossenschaft Goldenitz/Warlitz. Der 36-Jährige ist verantwortlich für 220 Milchkühe und etwa 250 Jungrinder. "Durch die Stallhaltung nutzen die Klauen nicht mehr auf natürliche Art und Weise ab. Deshalb müssen sie beschnitten werden. Es dient dem Wohlbefinden der Tiere, wenn sie ordentlich laufen können", betont der Körchower. Gesunde Rinderklauen seien von enormer Bedeutung: Lahmheit bedeute einerseits Schmerzen für das Tier und andererseits wirtschaftlichen Verlust für den Bauern.

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