Die Hälfte aller Taten an der A 24 registriert : Pächter wehren sich gegen Tankbetrüger

Einsatzfahrzeug der Stolper Autobahnpolizei an der Raststätte Stolpe, die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den Tankstellenbetreibern klappt zunehmend besser. Foto: Michael-Günther Bölsche/SVZ-Archiv
Einsatzfahrzeug der Stolper Autobahnpolizei an der Raststätte Stolpe, die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den Tankstellenbetreibern klappt zunehmend besser. Foto: Michael-Günther Bölsche/SVZ-Archiv

Betrügereien an den Tankstellen im Landkreis sind spätestens 2012 zum Dauerthema geworden. Fast jeden Tag wurde im vergangenen Jahr eine Tat angezeigt. Die Polizei bestätigt, dass die Zahl der Fälle gestiegen ist.

svz.de von
26. März 2013, 05:10 Uhr

Zarrentin/Stolpe | Betrügereien an den Tankstellen im Landkreis sind spätestens 2012 zum Dauerthema geworden. Fast jeden Tag wurde im vergangenen Jahr eine Tat angezeigt. Die Polizei bestätigt, dass die Zahl der Fälle spürbar gestiegen ist. Der Grund ist simpel: Der Kraftstoff ist durch die dauerhaft hohen Preise wertvoller geworden, die Versuchung steigt. Mehr als die Hälfte der erfassten Tankbetrügereien spielten sich dabei an der Autobahn 24 ab. Die Diebe werden immer dreister und nutzen die vermeintliche Anonymität des Massenbetriebes an der Autobahn. Die Tankstellenbetreiber lassen sich das jedoch immer weniger gefallen und spannen die Polizei direkter und schneller ein. Ein Beispiel vom 17. März diesen Jahres:

Drei Frauen im Alter von 24 bis 25 Jahren tanken an diesem Sonntag im März kurz nach 14 Uhr ihren Volkswagen an der Tankanlage "Schaalsee Süd" für über 67 Euro voll und fahren davon, ohne zu bezahlen. Die Autobahnpolizei wird sofort informiert. Rund 30 Minuten später konnte die Polizei den beschriebenen Wagen zwischen den Anschlussstellen Neustadt-Glewe und Parchim stoppen. Klaus-Dieter Rieckhoff, Teamleiter Tankstelle an der Rastanlage, bestätigte gestern im Gespräch mit der SVZ, dass man sehr viel tue, um die Betrüger schnell zu schnappen. So sei die Tankanlage im Bereich Zarrentin immer mit zwei Leuten besetzt, so dass man schnell handeln könne. Nicht immer läuft das so glatt, wie im November 2012. Da hatte ein Opelfahrer mit weiteren zwei Insassen für 70 Euro getankt und war dann in Richtung Berlin geflohen. Die vom Tankstellenteam alarmierte Polizei holte die drei Verdächtigen in Stolpe von der Autobahn. Die Polizei lobt dann auch die schnelle Reaktion der Leute von der Tankstelle. Kripochef Tom Sperling dazu: "Die Zeiten, wo wir nach Wochen von einigen Tankstellen ganze Listen mit Tankbetrügereien zur formalen Bearbeitung bekamen, sind vorbei. Jetzt geht es um Schnelligkeit bei der Suche, und da hatten wir einige Erfolge."

Beispiel Rasthof Stolpe, allein hier gab es im vergangenen Jahr 95 Fälle von Tankbetrug, im gesamten Landkreis wurden 352 registriert.

Auch hier ruft man inzwischen schnell die Polizei an. Die Stolper Autobahntruppe hat inzwischen auch keine Scheu, nach Tankbetrügern bundesweit fahnden zu lassen. Mit überraschenden Erfolgen. Am 29. Januar tankten z. B. zwei Männer in Stolpe und ließen den Pächter auf 50 Euro sitzen. Das Autobahnverkehrspolizeirevier in Stolpe löste daraufhin eine Fahndung nach dem betreffenden Pkw Rover und dem Kennzeichen aus. Viel später bemerkten Polizeibeamte in Aachen bei einer Verkehrskontrolle das in Fahndung stehende Fahrzeug und nahmen die beiden 29-jährigen Insassen vorläufig fest. Wie sich herausstellte, werden den Beschuldigten im Bundesgebiet weitere derartige Taten zur Last gelegt. Die nordrhein- westfälische Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.

Drei andere Täter, die in Stolpe betrogen, wurden durch den Fahndungsaufruf drei Tage nach der Tat von der bayerischen Polizei auf der BAB 3 bei Passau vorläufig festgenommen, als diese gerade nach Österreich ausreisen wollten. Wie sich herausstellte, war auch dieses Trio im Alter von 22 bis 28 Jahren der Polizei hinlänglich bekannt.

Die direkte Gegenwehr der Tankstellen kommt nicht von ungefähr, weil die Videoüberwachung meist nur noch wenig bringt. Die meisten professionellen Betrüger würden nur mit gestohlenen oder abgelaufenen Kennzeichen zu den Tankstellen fahren, weiß die Kriminalpolizei im Landkreis aus langjähriger Erfahrung.

Doch längst nicht alle Tankbetrüger sind "reisende Täter" (Polizeijargon). Es gibt auch immer noch die Täter, die aus Vergesslichkeit nicht bezahlen und es gibt auch die, die glauben nicht gesehen worden zu sein. Angesichts der weiter hohen Spritpreise in der Region rechnet die Polizei auch für 2013 nicht mit einer Abnahme der Tankbetrügereien.


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