Ludwigslust : Ossi-Quiz und Liebesnot

Kinder, wie die Zeit vergeht: ein Foto der Kabarettistin mit etwa 25 Jahren.  Fotos: Anke Ballhorn
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Kinder, wie die Zeit vergeht: ein Foto der Kabarettistin mit etwa 25 Jahren. Fotos: Anke Ballhorn

Autorin und Kabarettistin Tatjana Meissner begeisterte in ausverkaufter Stadthalle ihre Fangemeinde

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15. März 2016, 12:00 Uhr

Wenn man nicht gerade Holger oder Wilfried heißt und in der ersten Zuschauerreihe sitzt, hat man bei dem Multitalent in der deutschen Bühnenlandschaft, Tatjana Meissner, absolut nichts zu befürchten. Sollte man sich als Vertreter des sogenannten starken Geschlechtes, als selbsternannte Krone der Schöpfung, aber doch auf eben diese Plätze verirrt haben, ist es angeraten, sich warm anzuziehen. Denn dort hat man (nicht) viel zu lachen. Auf eigene Kosten, versteht sich.

Als sattelfeste Kabarettistin feierte die 54-Jährige , die in Potsdam lebt, am vergangenen Sonnabend in der Ludwigsluster Stadthalle mit ihrer Solo-Comedy- und Leseshow „Herr Möslein ist tot“ wahre Beifallstürme mit ihrem Publikum, das sich zu 15 Prozent aus Männern zusammensetzte. Wer an diesem Abend knapp zwei Stunden lang die Hosen anhatte, war also von Anbeginn glasklar. Mit ihren inzwischen vier Büchern hat sich die Diplom-Ökonomin, Warenbewegerin, Moderatorin, Choreografin, Sängerin und Autorin eine treue Leserschaft erobert. So nahm Tatjana Meissner, geboren in Tangermünde und aufgewachsen in Erfurt, Frauen wie Männer mit auf die spannende wie rasante Spinnerei, alles im Leben noch einmal auf Anfang stellen zu können und ganz anders, also besser zu machen. Positiver Nebeneffekt: das Erwachen einer 40-Jährigen im 25-jährigen, faltenfreien Körper, inklusive Verwirrung und Suche nach verschollenen Liebsten. Besonders absurd wie unterhaltsam, gestaltete sich auch das Wiederentdecken des mitunter brüllkomischen DDR-Alltages zwischen Bückware, Sättigungsbeilage, Kittifix, allzu rauem Klopapier und anderen Merkwürdigkeiten des Arbeiter- und Bauern-Staates. Besucher mit „westdeutschem Migrationshintergrund“ mussten nicht selten die humorvollen Kommentare und zwinkernden Andeutungen übersetzt bekommen. Aus Mangel an Hintergrundwissen.

„Wir haben eine ausverkaufte Stadthalle. Das sind 400 Sitzplätze und wir hätten noch weitaus mehr verkaufen können. Doch aus sicherheitstechnischen Gründen ist das nicht möglich“, erzählte am Rande des Abends Anke Ballhorn, Fachbereichsleiterin Kultur bei der Stadt Ludwigslust. Viele Frauen aus dem gesamten Landkreis Ludwigslust-Parchim hätten sich Karten besorgt, um auf charmante, lustvolle sowie offene Art und Weise beschenkt zu werden: mit frechen Songs, ihrem herrlich unkompliziertem Umgang mit allem Zwischenmenschlichen sowie dem Balanceakt zwischen Frivolität und Realität. Und die Künstlerin ist nie unanständig. Selbstironie wird bei Tatjana Meissner großgeschrieben. Sie klammert weder Hitzewallungen, Torschlusspanik noch Männerleid aus. Ist geradezu selbstbissig beim Ringen der Geschlechter um Sex und Zufriedenheit. Und entführt den Zuschauer ebenso in die Abgründe männlicher Unzulänglichkeit wie auf die Minenfelder weiblicher Unzufriedenheit.

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